Code Delphi. Hier anfangen.
Für welche Themen lohnt sich ein Eintrag im Blog? Ich ziehe das so oft in Zweifel, daß ich angesichts der zeitlichen Lücken, die in den letzten Monaten entstanden sind, vielleicht meine Ansprüche etwas senken sollte. Und vielleicht nicht bloß immer und immer wieder über das Kino berichten sollte. Aber es ist nun einmal so, daß es zu einer meiner Leidenschaften gehört. Der ich leider nicht so oft fröne, wie ich eigentlich gern will. Denn obwohl Kino an sich Spaß macht, gewinnt es erst richtig, wenn man mit mehreren einen Film genießt - und sich danach darüber austauscht. Leider stehe ich mit meiner Leidenschaft für Kino in meinem engeren Freundes- und Bekanntenkreis etwas alleine da. Der Siegeszug von Beamern, Großbildschirmen und DVDs und BlueRays fordert seinen Tribut.
Aber immerhin... The Dark Knight habe ich tatsächlich mit zwei Freunden sehen können, von denen sich der eine überraschend als Fan des Dunklen Ritters outete, was ich nun gar nicht erwartet hätte. Schön, wenn man auch nach zwanzig Jahren bei seinen Freunden noch neue, liebenswerte Seiten entdecken kann.
Denn auch ich mag Batman sehr. Viel lieber als den anderen großen Superhelden, der vor einigen Jahren ein eher stilles Comeback hatte. Superman war und ist mir einfach zu super. Trotz Kryptonitallergie. Mit einem unkaputtbaren, ultrastarken und flugbefähigten Stretchanzugträger läßt sich einfach nicht so mitfiebern wie mit einem Multimillionär im schwarzen Gummikampfanzug.
Und während Superman auch nach dreißig Jahren im Grunde immer noch der alte Langeweiler ist, hat Batman eine erstaunliche Karriere durchgemacht.
Angefangen hat schließlich alles mit diesem quietschbunten Film und der darauffolgenden Fernsehserie im Jahre 1966. Na ja, zumindest, was die Interpretation der Geschichte des Caped Crusaders in Farbe angeht. IMDB warf bei meiner kleinen Suche auch noch eine S/W-Serie von 1943 aus. Aber der Serie fehlen wohl soviele Bestandteile der Geschichte von Bruce Wayne, daß ich mir mal die Freiheit nehme, nicht näher auf sie einzugehen. Denn schon, daß Mister Wayne in der Serie ein FBI Agent (!) ist, verändert einen grundlegenden Aspekt der Geschichte maßgeblich. Dazu später mehr. Ich lasse auch mal die gesamten Amimated Series (insbesondere die von 1992) beseite, obwohl einige Folgen davon echt sehenswert sind...
... denn es geht mir um einen bestimmten Aspekt.
Meine Erinnerungen an den Film von 1966 und die Fernsehserie sind mit den Jahren sehr verblaßt. Ich weiß, daß ich sie irgendwann als kleiner Junge gesehen habe und mir die Geschichten damals vor allem wegen der vielen, sehr durchgeknallten und skurrilen Bösewichte sehr gefielen. Weder die vielen Comic-Einblendungen ala 'Puff!', 'Boing!' und 'Zack!' konnten mich allerdings damals so recht begeistern noch der Umstand, daß Batman und Robin in ihren sehr albernen Köstümen immer einen stattlichen Pillen- und Gasvorrat mit sich herumtrugen, der gegen Haie, Radioaktivität, Dooms-Day-Maschinen und andere Unerfreulichkeiten stets half. Das war irgendwie einfallslos auf Dauer. Wie gesagt, meine Erinnerungen sind nicht mehr sehr klar. Liegt vielleicht an zu vielen Pillen.
Zusammenfassend kann man sagen, daß damals noch gegen jedes Unheil ein Kraut gewachsen schien. Aber Batman und seine Gegner wirkten in der ansonsten recht biederen Welt der 60er Jahre eher wie Pillenfreaks und eben nicht wie glaubwürdige Bestandteile eines durchdachten Universums. Schöne bunte Comicwelt...
Durchdachter wurde das Batman-Universum Ende der 80er Jahre dank Frank Millers Batman: Year One. Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich auch diesen Comic nicht gelesen habe, genauso wenig wie den der 300. Wie ich im übrigen sehr selten und sehr wenig Comics lese. Zu den Gründen und den Ausnahmen gerne ein anderer Mal.
Miller erkannt insbesondere eins: Batman braucht Glaubwürdigkeit. Batman braucht einen Grund für seine Taten. Batman braucht eine Welt, zu der er paßt. Und Batman ist ein höchst zwiespätiger Charakter. Denn eigentlich ist er ein Verbrecher. Er begeht nämlich Selbstjustiz. Und er ist eben kein Superheld, der als einziger auf dem Planeten etwas gegen die stetig auftauchenden Superbösewichte ausrichten kann - so wie Superman. Batman ist ein Normalo im Kampfanzug.
Das macht ihn interessant.
Tim Burton, dessen Welten ja alle von einer gewissen Grundbizarrheit sind, hatte wenig Schwierigkeiten, diesen Ansatz von Miller in seine eigene Filmwelt zu transportieren. In Batman (1989) und Batman Returns (1992) ist Gotham City ein urbaner, gothischer Alptraum, der von Gangstern und skrupelloser Geschäftsmännern beherrscht wird. Das gesamte Design der Stadt wirkt zwar comichaft, aber eher auf eine düstere, verdrehte Weise und nicht kaugummi-bunt wie noch in den 60er. Bruce Wayne ist der etwas tapsige und treuherzige Gutmensch. Aber sein Alter Ego ist die perfekte Antwort auf Gothams düstere Verderbtheit: ein schnittiges Batmobil, ein fledermausartiger Batwing und dazu ein Gummianzug, der wie das Lieblingskleidungsstück eines Fetischisten wirkt - Batman ist nicht Fremdkörper, sondern Teil der Welt. Und das gilt auch für die Geschichten, die beide Filme erzählen. Sie passen zu dem gesamten Grundton, den die Sets, die Musik und die Kamera vermitteln.
Und Batman ist der nächtlicher Rächer, der immer und immer wieder den Mord an seinen Eltern rächt. Auch wenn er dabei selbst töten muß. Mister Burton thematisiert aber weder diesen Konflikt noch den mit der Polizei. Die arbeitet mit Batman zusammen, um der Lage überhaupt Herr werden zu können und sammelt nur allzu gerne die Verbrecher ein, die Batman besiegt und gutverschnürrt an ihren Tatorten zurückläßt. Das paßt zwar zu der Atmosphäre der Filme, erzeugt aber für den Zuschauer ein Paralleluniversum mit eigenen Grundregeln.
Die Regeln ändern sich unter Joel Schumacher bei Batman Forever (1995) erst unmerklich und dann bei Batman & Robin (1997) deutlich. Wieder hält Comicbunte in die Serie Einzug. Die Sets werden schriller, die Bösewichte fantastischer und abgefahrender und die Action und Handlung weitaus überzogener als zuvor. Zwar kann man beiden Filmen viele Vorwürfe machen, aber zumindest paßt der joviale Batman mit seinen Gadgets und Robin an seiner Seite in die Welt von Gotham, die mit ihm zusammen eine Wandlung hin zur aufgekratzten Durchgeknallheit eines postmodernen Stilsammelsurriums gemacht hat. Die Gothik hat ausgedient, jetzt werden Elemente aus Musical ('Die Eislaufnummer aus Batman & Robin'), Disko (Stichwörter: 'Leuchtmakeup', 'Neon' und 'Riddler'-Lichtspiele) und 80er-Jahre SciFi ('Gehirnmanipulation per Fernsehen' und 'Eismaschinen') zu einem perlenden, zuckrigen Cocktail aus Gags, Drama und Action gemischt.
Rein von der Storytiefe findet spätestens mit Batman & Robin wieder ein Rückschritt in die Zeiten der 60er statt. Denn Bruce Wayne ist keine zwiespältige Figur mehr, sondern nur noch ein Playboy, der das Leben in vollen Zügen genießt und Verbrecher eher aus Hobbygründen jagt als aufgrund Notwendigkeit oder Berufung. Der unfreiwillig komische und in einigen Momenten nahezu unerträglich peinliche vierte Teil hätte Batmans Filmkarriere dann auch beinahe den Rest gegeben...
...wenn nicht 2005 Christopher Nolan mit Batman Begins einen kompletten Neustart gewagt hätte.
Zunächst darf sich der Zuschauer verwundert die Augen reiben. Keine Gothik. Kein Neon. Statt dessen ein sehr realistisches Gotham City. Eine glaubwürdige Welt. Und ein gebrochener und getriebener Bruce Wayne, von dessen Weg zu Batman fast gesamte Film handelt. Sämtliche Gadgets, die Batman zu dem machen, was er ist, werden konsequent und glaubwürdig erklärt. Und darin liegt Mister Nolans Ansatz, um Batman zu einer glaubwürdigen Figur zu machen. Er erklärt die Details der Geschichte und läßt alle fantastischen Elemente einfach weg. Batman ist kein Superheld, sondern ein gut ausgebildeter Einzelkämpfer in einer Spezialrüstung, die nach dem Vorbild einer Fledermaus geformt ist, um Furcht zu verbreiten, die Bruce Wyne selbst in sich trägt. Passend dazu trägt auch Scarecrow - Batmans Gegner in diesem Film - seine schauerliche Maske nur, um die Furcht zu verstärken, die er mit seinen Chemikalien auslöst.
Dominierten in den Vorgängerfilem die Bösewichte über Batman, was Darstellung und Ausgestaltung der Figuren anging, legt Mister Nolan das Augenmerk bewußt auf die Figur von Bruce Wayne, um zu erklären, was ihn antreibt und warum er des Nachtes die Straßen von Gotham City druchstreift. Diese Motive werden aber durchaus ambivalent dargestellt. Bruce Wayne weiß, daß er ein Rächer ist und deshalb stellt er eine Regel auf, die er nicht überstreiten wird: Er tötet nicht. Dennoch bleibt er ein Getriebener, der Selbstjustiz übt.
Daß diese großartige Neuauflage noch zu toppen wäre, war schwer vorstellbar, doch mit The Dark Knight (2008) ist es allen Beteiligten gelungen. Das ist zunächst der Verdienst der guten Vorbereitung im fünften Teil der Reihe. Denn nun kann sich der Film ausführlicher mit den Bösewichten beschäftigen, ohne dabei Bruce Wayne und sein Verhältnis zu Batman aus den Augen zu verlieren. Es spricht dabei für die Qualität der Geschichte, daß die auf mehreren Ebenen funktioniert. Zunächst stürzt das Auftauchen des diabolischen und absolut nihilistischen Jokers Gotham City in eine noch tiefere Krise als der Terroranschlag der "Liga der Schatten" im Film zuvor. Seine Terroranschläge - ganz im Zeichen unserer neuen Angst sind die Bösewichte nun nicht mehr hinter Geld und Macht her - treffen die Bevölkerung ins Mark. Und ob der neue Staatsanwalt Harvey Dent dem und der Mafia zum Wohle Gothams Einhalt gebieten kann, ist sehr fraglich. Zumindest Bruce Wayne hat die Hoffnung, daß nun endlich ein starker Mann die Arbeit verrichtet, die er als nächtlicher Rächer übernommen hat. Das ist die persönliche Ebene des Films, welche die Geschichte von Batman ganz unmittelbar und spannend fortschreibt. Dazu gehört der kluge Drehbucheinfall, daß der Joker Batman gezielt zum Mörder machen will, damit er seine einzige Regel bricht - die vielleicht alles ist, was Batman von Freaks wie dem Joker wirklich unterscheidet.
Das daraus im Laufe des Films entstehende moralische Dilemma für Bruce Wayne und seine Neudefinition seiner Rolle als Batman verleihen dem Film nicht nur eine düstere, sondern auch sehr ernsthafte Note und werfen ein Schlaglicht auf die Fragen unserer Zeit: Wie weit gehen im Kampf gegen Verbrechen und Terror? Welche Grenzen kann man überschreiten, welche nicht? Und was macht überhaupt einen Helden aus? Welche Werte gelten in einer Welt, in es Chaos und Zerstörung allgegenwärtig zu sein scheinen?
Für eine Comicverfilmung ist das viel Tiefgang. Dieses Konzept hat bereits bei der X-Men-Trilogie und bei Spiderman gut funktioniert. Aber der neue Realismus von Batman bringt diese Fragen noch näher an uns als Zuschauer heran. Denn Gothma City ist liegt nicht einfach in einem Paralleluniversum. Diese Stadt kann gleich dahinten um die Ecke anfangen...
Code Delphi. Hier aufhören.
Für welche Themen lohnt sich ein Eintrag im Blog? Ich ziehe das so oft in Zweifel, daß ich angesichts der zeitlichen Lücken, die in den letzten Monaten entstanden sind, vielleicht meine Ansprüche etwas senken sollte. Und vielleicht nicht bloß immer und immer wieder über das Kino berichten sollte. Aber es ist nun einmal so, daß es zu einer meiner Leidenschaften gehört. Der ich leider nicht so oft fröne, wie ich eigentlich gern will. Denn obwohl Kino an sich Spaß macht, gewinnt es erst richtig, wenn man mit mehreren einen Film genießt - und sich danach darüber austauscht. Leider stehe ich mit meiner Leidenschaft für Kino in meinem engeren Freundes- und Bekanntenkreis etwas alleine da. Der Siegeszug von Beamern, Großbildschirmen und DVDs und BlueRays fordert seinen Tribut.
Aber immerhin... The Dark Knight habe ich tatsächlich mit zwei Freunden sehen können, von denen sich der eine überraschend als Fan des Dunklen Ritters outete, was ich nun gar nicht erwartet hätte. Schön, wenn man auch nach zwanzig Jahren bei seinen Freunden noch neue, liebenswerte Seiten entdecken kann.
Denn auch ich mag Batman sehr. Viel lieber als den anderen großen Superhelden, der vor einigen Jahren ein eher stilles Comeback hatte. Superman war und ist mir einfach zu super. Trotz Kryptonitallergie. Mit einem unkaputtbaren, ultrastarken und flugbefähigten Stretchanzugträger läßt sich einfach nicht so mitfiebern wie mit einem Multimillionär im schwarzen Gummikampfanzug.
Und während Superman auch nach dreißig Jahren im Grunde immer noch der alte Langeweiler ist, hat Batman eine erstaunliche Karriere durchgemacht.
Angefangen hat schließlich alles mit diesem quietschbunten Film und der darauffolgenden Fernsehserie im Jahre 1966. Na ja, zumindest, was die Interpretation der Geschichte des Caped Crusaders in Farbe angeht. IMDB warf bei meiner kleinen Suche auch noch eine S/W-Serie von 1943 aus. Aber der Serie fehlen wohl soviele Bestandteile der Geschichte von Bruce Wayne, daß ich mir mal die Freiheit nehme, nicht näher auf sie einzugehen. Denn schon, daß Mister Wayne in der Serie ein FBI Agent (!) ist, verändert einen grundlegenden Aspekt der Geschichte maßgeblich. Dazu später mehr. Ich lasse auch mal die gesamten Amimated Series (insbesondere die von 1992) beseite, obwohl einige Folgen davon echt sehenswert sind...
... denn es geht mir um einen bestimmten Aspekt.
Meine Erinnerungen an den Film von 1966 und die Fernsehserie sind mit den Jahren sehr verblaßt. Ich weiß, daß ich sie irgendwann als kleiner Junge gesehen habe und mir die Geschichten damals vor allem wegen der vielen, sehr durchgeknallten und skurrilen Bösewichte sehr gefielen. Weder die vielen Comic-Einblendungen ala 'Puff!', 'Boing!' und 'Zack!' konnten mich allerdings damals so recht begeistern noch der Umstand, daß Batman und Robin in ihren sehr albernen Köstümen immer einen stattlichen Pillen- und Gasvorrat mit sich herumtrugen, der gegen Haie, Radioaktivität, Dooms-Day-Maschinen und andere Unerfreulichkeiten stets half. Das war irgendwie einfallslos auf Dauer. Wie gesagt, meine Erinnerungen sind nicht mehr sehr klar. Liegt vielleicht an zu vielen Pillen.
Zusammenfassend kann man sagen, daß damals noch gegen jedes Unheil ein Kraut gewachsen schien. Aber Batman und seine Gegner wirkten in der ansonsten recht biederen Welt der 60er Jahre eher wie Pillenfreaks und eben nicht wie glaubwürdige Bestandteile eines durchdachten Universums. Schöne bunte Comicwelt...
Durchdachter wurde das Batman-Universum Ende der 80er Jahre dank Frank Millers Batman: Year One. Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich auch diesen Comic nicht gelesen habe, genauso wenig wie den der 300. Wie ich im übrigen sehr selten und sehr wenig Comics lese. Zu den Gründen und den Ausnahmen gerne ein anderer Mal.
Miller erkannt insbesondere eins: Batman braucht Glaubwürdigkeit. Batman braucht einen Grund für seine Taten. Batman braucht eine Welt, zu der er paßt. Und Batman ist ein höchst zwiespätiger Charakter. Denn eigentlich ist er ein Verbrecher. Er begeht nämlich Selbstjustiz. Und er ist eben kein Superheld, der als einziger auf dem Planeten etwas gegen die stetig auftauchenden Superbösewichte ausrichten kann - so wie Superman. Batman ist ein Normalo im Kampfanzug.
Das macht ihn interessant.
Tim Burton, dessen Welten ja alle von einer gewissen Grundbizarrheit sind, hatte wenig Schwierigkeiten, diesen Ansatz von Miller in seine eigene Filmwelt zu transportieren. In Batman (1989) und Batman Returns (1992) ist Gotham City ein urbaner, gothischer Alptraum, der von Gangstern und skrupelloser Geschäftsmännern beherrscht wird. Das gesamte Design der Stadt wirkt zwar comichaft, aber eher auf eine düstere, verdrehte Weise und nicht kaugummi-bunt wie noch in den 60er. Bruce Wayne ist der etwas tapsige und treuherzige Gutmensch. Aber sein Alter Ego ist die perfekte Antwort auf Gothams düstere Verderbtheit: ein schnittiges Batmobil, ein fledermausartiger Batwing und dazu ein Gummianzug, der wie das Lieblingskleidungsstück eines Fetischisten wirkt - Batman ist nicht Fremdkörper, sondern Teil der Welt. Und das gilt auch für die Geschichten, die beide Filme erzählen. Sie passen zu dem gesamten Grundton, den die Sets, die Musik und die Kamera vermitteln.
Und Batman ist der nächtlicher Rächer, der immer und immer wieder den Mord an seinen Eltern rächt. Auch wenn er dabei selbst töten muß. Mister Burton thematisiert aber weder diesen Konflikt noch den mit der Polizei. Die arbeitet mit Batman zusammen, um der Lage überhaupt Herr werden zu können und sammelt nur allzu gerne die Verbrecher ein, die Batman besiegt und gutverschnürrt an ihren Tatorten zurückläßt. Das paßt zwar zu der Atmosphäre der Filme, erzeugt aber für den Zuschauer ein Paralleluniversum mit eigenen Grundregeln.
Die Regeln ändern sich unter Joel Schumacher bei Batman Forever (1995) erst unmerklich und dann bei Batman & Robin (1997) deutlich. Wieder hält Comicbunte in die Serie Einzug. Die Sets werden schriller, die Bösewichte fantastischer und abgefahrender und die Action und Handlung weitaus überzogener als zuvor. Zwar kann man beiden Filmen viele Vorwürfe machen, aber zumindest paßt der joviale Batman mit seinen Gadgets und Robin an seiner Seite in die Welt von Gotham, die mit ihm zusammen eine Wandlung hin zur aufgekratzten Durchgeknallheit eines postmodernen Stilsammelsurriums gemacht hat. Die Gothik hat ausgedient, jetzt werden Elemente aus Musical ('Die Eislaufnummer aus Batman & Robin'), Disko (Stichwörter: 'Leuchtmakeup', 'Neon' und 'Riddler'-Lichtspiele) und 80er-Jahre SciFi ('Gehirnmanipulation per Fernsehen' und 'Eismaschinen') zu einem perlenden, zuckrigen Cocktail aus Gags, Drama und Action gemischt.
Rein von der Storytiefe findet spätestens mit Batman & Robin wieder ein Rückschritt in die Zeiten der 60er statt. Denn Bruce Wayne ist keine zwiespältige Figur mehr, sondern nur noch ein Playboy, der das Leben in vollen Zügen genießt und Verbrecher eher aus Hobbygründen jagt als aufgrund Notwendigkeit oder Berufung. Der unfreiwillig komische und in einigen Momenten nahezu unerträglich peinliche vierte Teil hätte Batmans Filmkarriere dann auch beinahe den Rest gegeben...
...wenn nicht 2005 Christopher Nolan mit Batman Begins einen kompletten Neustart gewagt hätte.
Zunächst darf sich der Zuschauer verwundert die Augen reiben. Keine Gothik. Kein Neon. Statt dessen ein sehr realistisches Gotham City. Eine glaubwürdige Welt. Und ein gebrochener und getriebener Bruce Wayne, von dessen Weg zu Batman fast gesamte Film handelt. Sämtliche Gadgets, die Batman zu dem machen, was er ist, werden konsequent und glaubwürdig erklärt. Und darin liegt Mister Nolans Ansatz, um Batman zu einer glaubwürdigen Figur zu machen. Er erklärt die Details der Geschichte und läßt alle fantastischen Elemente einfach weg. Batman ist kein Superheld, sondern ein gut ausgebildeter Einzelkämpfer in einer Spezialrüstung, die nach dem Vorbild einer Fledermaus geformt ist, um Furcht zu verbreiten, die Bruce Wyne selbst in sich trägt. Passend dazu trägt auch Scarecrow - Batmans Gegner in diesem Film - seine schauerliche Maske nur, um die Furcht zu verstärken, die er mit seinen Chemikalien auslöst.
Dominierten in den Vorgängerfilem die Bösewichte über Batman, was Darstellung und Ausgestaltung der Figuren anging, legt Mister Nolan das Augenmerk bewußt auf die Figur von Bruce Wayne, um zu erklären, was ihn antreibt und warum er des Nachtes die Straßen von Gotham City druchstreift. Diese Motive werden aber durchaus ambivalent dargestellt. Bruce Wayne weiß, daß er ein Rächer ist und deshalb stellt er eine Regel auf, die er nicht überstreiten wird: Er tötet nicht. Dennoch bleibt er ein Getriebener, der Selbstjustiz übt.
Daß diese großartige Neuauflage noch zu toppen wäre, war schwer vorstellbar, doch mit The Dark Knight (2008) ist es allen Beteiligten gelungen. Das ist zunächst der Verdienst der guten Vorbereitung im fünften Teil der Reihe. Denn nun kann sich der Film ausführlicher mit den Bösewichten beschäftigen, ohne dabei Bruce Wayne und sein Verhältnis zu Batman aus den Augen zu verlieren. Es spricht dabei für die Qualität der Geschichte, daß die auf mehreren Ebenen funktioniert. Zunächst stürzt das Auftauchen des diabolischen und absolut nihilistischen Jokers Gotham City in eine noch tiefere Krise als der Terroranschlag der "Liga der Schatten" im Film zuvor. Seine Terroranschläge - ganz im Zeichen unserer neuen Angst sind die Bösewichte nun nicht mehr hinter Geld und Macht her - treffen die Bevölkerung ins Mark. Und ob der neue Staatsanwalt Harvey Dent dem und der Mafia zum Wohle Gothams Einhalt gebieten kann, ist sehr fraglich. Zumindest Bruce Wayne hat die Hoffnung, daß nun endlich ein starker Mann die Arbeit verrichtet, die er als nächtlicher Rächer übernommen hat. Das ist die persönliche Ebene des Films, welche die Geschichte von Batman ganz unmittelbar und spannend fortschreibt. Dazu gehört der kluge Drehbucheinfall, daß der Joker Batman gezielt zum Mörder machen will, damit er seine einzige Regel bricht - die vielleicht alles ist, was Batman von Freaks wie dem Joker wirklich unterscheidet.
Das daraus im Laufe des Films entstehende moralische Dilemma für Bruce Wayne und seine Neudefinition seiner Rolle als Batman verleihen dem Film nicht nur eine düstere, sondern auch sehr ernsthafte Note und werfen ein Schlaglicht auf die Fragen unserer Zeit: Wie weit gehen im Kampf gegen Verbrechen und Terror? Welche Grenzen kann man überschreiten, welche nicht? Und was macht überhaupt einen Helden aus? Welche Werte gelten in einer Welt, in es Chaos und Zerstörung allgegenwärtig zu sein scheinen?
Für eine Comicverfilmung ist das viel Tiefgang. Dieses Konzept hat bereits bei der X-Men-Trilogie und bei Spiderman gut funktioniert. Aber der neue Realismus von Batman bringt diese Fragen noch näher an uns als Zuschauer heran. Denn Gothma City ist liegt nicht einfach in einem Paralleluniversum. Diese Stadt kann gleich dahinten um die Ecke anfangen...
Code Delphi. Hier aufhören.
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