Montag, 29. November 2010

Aufbruch in eine neue Welt

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Wenn sich die Gelegenheit ergibt, verbinde ich einen Besuch bei meinem Bruder und meinen Freunden in Hamburg mit Sightseeing oder Besuchen in ausgefallenen Restaurants. Dieses Mal habe ich beides mit einander verbinden können. Und obwohl das mongolische Essen im Mongo´s im Hamburg wirklich lecker (wenn auch großstdttypisch nicht ganz billig) war, hat es doch keinen so bleibenden Eindruck hinterlassen wie die Besichtigungstour in die Ballinstadt.

Denn dieser Ausflug in die Vergangenheit der Stadt Hamburg führte zu unerwarteten Erkenntnisnissen über aktuelle Geschehnisse.

Die Ballinstadt - benannt nach ihrem Gründer Alber Ballin - war eine Auswandererstadt, die im Jahre 1901 auf der Veddel in Hamburg eingerichtet wurde, die Menschen unterzubringen und zu versorgen, die in die Stadt gekommen waren, um über den Hafen Europa zu verlassen und insbesondere in die neue Welt, also nach Nord-, Südamerika und Kanada, zu reisen. Zuvor gab es zwar ebenfalls Einrichtungen, doch diese waren schon bald damit überfordert, den zahlreichen Menschen eine anmessene Versorgung zu gewährleisten, auch wenn sie einen beachtlichen Wirtschaftsfaktor darstellten. Ganz zu schweigen davon, dass die verzweifelte Lage der Auswanderungswilligen auch damals bereits von umtriebigen Geschäftsleuten ausgenutzt wurde, die nicht nur erhöhte Preise für Unterkunft und Verpflegung nahmen, sondern auch die Menschen auch betrogen und um ihr mitgerbachtes Hab und Gut brachten.

Für die Ausstellung in der Ballinstadt wurden drei der damaligen Barracken wie hergerichtet, in denen nun eine drei geteilte Ausstellung untergebracht ist. Das erste Haus erhält neben dem Info-Point ein Familienforschungszentrum, das es erlaubt, nach ausgewanderten Familienmitgliedern zu suchen. Im zweiten Gebäude befindet sich sich das Herzstück der Ausstellung, nämlich eine in Stationen aufgeteilte Dokumentationen über den Weg der Auswanderer aus ihrer privaten Situation über den Weg nach Hamburg bis in die Ballinstadt, von dort auf ein Schiff zur Überfahrt und ihrer Ankunft in der neuen Welt, also etwa auf Ellis Island, der Einwandererstation im New Yorker Hafen.

Und in diesem Herzstück werden die verschiedenen Auswanderungswellen der Deutschen im Zeitraum 1848 bis 1939 exemplarisch an Einzelschicksalen darstellt. Die Reise des Auswanderer beginnt mit der Schilderung ihrer Lebensumstände. Da gibt es den idealistischen Reformer, der von der Revolution enttäuscht wurde, ebenso wie den Feldarbeiter, der von einem eigenen Stück Land für seine Familie träumt, wie den jungen Mann, der vor dem Armeedienst für ein ungeliebtes Land flieht. Die Ausstellung führt den Besucher dann über die unterschiedlichen Stationen der Reise, die auch die Auswanderungswilligen nach Hamburg unternommen haben. Sie führt über die Grenzen, an denen sie bangevoll warten mußten, über schlechte Straßen bis hin in die Baracken aus der Auswanderungsstadt, von sie untersucht wurden und auf den Tag der Abreise warten mußte. Neben Installationen, die die damaligen Verhältnisse greifbar machen, schildern zeitgenössische Texte sehr eindrucksvoll die Umstände, unter denen diese Menschen leben mußte. Die Nachbauten ermöglichen es, sich in diese ungewöhnliche Situation einzufühlen. Das führte bei meiner kleinen Gruppe schließlich dazu, daß wir mit dem Betreten des Schiffesnachbau warteten, bis wirkliich alle aus unser Gruppe eingetroffen waren, um schließlich gemeinsam - mit einem leicht bangen Gefühl - die "Überfahrt zu unternehmen". Auf einem beklemmend engen Schiff in kleinen, lichtlosen Kabinen unter schwierigen hygenischen Bedingungen.

Im Gegensatz zu heute dauerte die Überfahrt damals mehrere Wochen, mitunter sogar Monate. Der Anblick von Ellis Island war damals bestimmt noch großartiger als heute, bedeutete er doch das Ende eine belastenden Reise. Und gleichzeitig die letzte Hürde vor dem neuen Leben. Denn damals wie heute erwartete den Ankommenden eine gesundheitliche Untersuchung und ein Fragebogen mit Fangfragen und Tücken. Es war zum Beispiel nicht gestattet, mit einem versprochenen Arbeitsvertrag in die Staaten einzureisen, da auf diese Weise verhindert werden sollte, daß Menschen in Abhängigkeiten gelockt wurden. Schließlich endet die Ausstellung mit Berichten der Auswanderer, in denen sie ihre neuen Lebensumstände schildern, nachdem sie einige Jahre in den Staaten leben. Ein Verdienst der Ausstellung ist es an dieser Stelle, daß nicht jede Geschichte ein glückliches und zufriedenes Ende nimmt. Das entspräche auch nicht der Realität. Denn damals wie heute kehrten selbst von denen, die es in die neue Welt schafften, etliche wieder in ihre Heimat zurück. Andere fanden jedoch in der Fremde ihren Platz in der Welt.

Und mit diesen Erkenntnis entläßt die Ausstellung den Besucher in eine Welt, in der auch heute noch Menschen ihre Heimat aufgrund von Armut, Perspektivlosigkeit, Verfolgung oder unlebbaren Träumen hinter sich lassen, um in eine neue Welt aufzubrechen. Und selbst die, die diese Gründe nicht teilen können oder wollen, werden nach einem Besuch dieser Ausstellung jene besser verstehen und die Mühen nachvollziehen, die eine solche Entscheidung mit sich bringt.
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Mittwoch, 24. November 2010

Don't play on patch day

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Eine alte Spielerweisheit aus den Anfänngen der MMO-Games besagt, daß man sich tunlichst davor hüten solle, an einem Tag zu spielen, an welchem ein neuer Patch für das Lieblingsspiel seiner Wahl aufgespielt wird. Denn die schlechte Erfahrung hatte die damaligen Spieler die Lektion gelehrt, daß die Server nicht nur unter noch nicht gelösten technischen Problemen leiden und den Ansturm begieriger Spieler nicht abfangen würden, sondern auch die neuen Funktionen ganz so reibungslos wie erhofft noch nicht zugänglich sein würden.

Soweit das Klischee.

Zum Glück ändern sich die Zeiten, und die Erfahrung der Betreiber von Online-Rollenspielen wächst. Dennoch ist es erfreulich, wie vorbildlich die europäischen Server von World of Warcraft heute morgen um 10.30 Uhr und damit bereits eine halbe Stunde vor dem angekündigten Termin wieder online waren. Und sehr störungsfrei liefen.

Und das, obwohl in Azeroth selbst gerade Weltuntergangsstimmung herrscht. Denn Todesschwinge, einst Hüter der Erde und nun ein korrumpierter Drachenaspekt, ist aus den Tiefen der Welt hervorgebrochen und hat dabei große Teile der Welt verwüstet. Die Atmosphäre der Angst und Bedrohung, die ein unheimlicher Kult bereits im Vorfeld verbreitet hat, reflektieren dabei auch ein bißchen die Sorgen unserer Zeit.

Auf den ersten Blick machen die Änderungen einen guten Eindruck, insbesondere deshalb weil sie den Komfort des Spiels erhöhen, ohne es dabei zu einfach zu machen. So gibt es in den Zonen nun mehrere Flugpunkte, die schnelles Reise durch die Luft ermöglichen und so Laufwege verkürzen. Und der Umstand, daß gerade in den Startgebieten nun eine Fülle neuer Questen vorhanden ist, dürfte nicht nur Veteranen dazu ermuntern, einen neuen Charakter zu spielen, sondern lädt auch Neueinsteiger, in die fantastische Welt abzutauchen.

So spannend kann Weltuntergang sein.
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Dienstag, 5. Oktober 2010

Umwälzende Vorfreude - Teil 2

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Der Erscheinungstermin für das neue Addon zu World of Warcraft steht fest. Es ist der 07.12.2010. Danach wird in Azeroth nichts mehr sein wie zuvor.

Denn die "alte" Spielwelt wird durch umwälzende Ereignisse zum Teil tiefgreifend verändert. Das ist ein Spielelement, das meistens nur bei Online-Spielen zur Anwendung kommt, da sich diese nicht über einen stetigen Neuwerb einer Spielsoftware finanzieren, sondern durch monatliche Abogebühren (WoW) oder durch Item-Shop-Systeme (etwa bei Runes of Magic). Gerade die Überarbeitung von Liebgewonnenem und mühsam Entdecktem fördert für mich den Wiederspielwert. Denn so gerne wie ich in der Realität bereits bekannte Orte wieder besuche, um ihre Veränderung oder ihren Bestand zu erforschen, so reizvoll ist dies für mich in virtuellen Welten, in denen die Fanatsie sich austoben kann, um neue Pfade zu beschreiten. So kommt nicht nur keine Langeweile auf, sondern auch das Gefühl, daß diese eigentlich fiktive (und statische) Welt tatsächlich so etwas wie eine eigene Geschichte besitzt, an der ich als Spieler teilhaben kann. Eine Geschichte, die mich im besten Falle sogar berührt, aufwühlt und mitfiebern läßt.

Und damit ein einfaches Spiel auf eine neue Ebene hebt.
Ich bin bereit für die Umwälzung!
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Dienstag, 7. September 2010

Und nun zum Wetter...

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Ein beliebtes Thema während der Mittagspause, beim Zusammensein mit der Familie oder mit Freunden ist und bleibt das Wetter. Zumindest zum Miteinander-ins-Gespräch-kommen. Bevor die philosophischen Gespräche geführt werden.

Wer die etwas drögen Wetteraussichten wie ein echter Nerd kommentieren wollte, dem fehlte bisher der rechte Wetterbericht. Bisher.

Denn ein junger Mann names Tom Scott hat dankenswerterweise ein kleines Programm geschrieben, mit welchem sich der alltägliche Wetterbericht in einen innehalb des STAR WARS - Universums einsortieren läßt... siehe hier.
Weshalb der wetterbewußte Fan nun stilvolle Sätze wie... "Hmm. 14°C, Bewölkt? Es ist wie ENDOR da draußen." von sich geben kann.
Möge die Macht (und das Wetter) mit Euch sein.
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Samstag, 4. September 2010

Eine Stimme gegen Armut

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Die weltweite Finanzkrise ist zwar in der Wirtschaft langsam vorbei, die Folgen für die Staat und die Gesellschaft sind es aber noch lange nicht. Denn das staatliche Rettungspaket für die notleidenen Banken wurde über Staatsschulden finanziert, die erst im Laufe der nächsten Jahre zurückgezahlt werden können. Insofern stellt sich die drängende Frage, wie die Kosten der Krise auf die Mitursacher übertragen und künftige Krisen verhindert werden können.

Eine Antwort, wenn auch keinesfalls die einzig richtige und sämtliche Probleme lösende, wäre die Einführung einer sogenannten Finanztransaktionssteuer. Gegen die werden allerdings etliche Argumente angeführt. Doch ist die Steuer deshalb nicht überzeugend?
Hier gibt es dazu einige Denkanstöße, die nachdenklich machen.


Und wer danach eine Stimme gegen Armut abgeben will, findet in der Regierung gleich in den richtigen Ansprechpartner. Denn eine Einführung einer solchen Stuer obliegt natürlich der Politik. Und die zaudert zur Zeit ja noch.
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Montag, 23. August 2010

Umwälzende Vorfreude

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Eine meiner liebsten Freizeitbeschäftigungen ist bekanntlich ein Computerspiel mit dem Namen World of Warcraft. Für manche Zeitgenossen ist es dumm, andere finden, es habe zuviel Dominanz auf dem Spielemarkt. Ich mag es trotzdem oder vielleicht gerade deswegen. Und deshalb freue ich mich nicht nur auf die kommende Umwälzung, sondern plane, mir dieses Mal dies hier zu kaufen...


Mehr zu der Box gibt es hier. Ein Erscheinungstermin ist leider immer noch nicht bekannt.

Ich gebe mal einen Tip ab: 15. November 2010
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Mittwoch, 11. August 2010

Alles nur geträumt...?!

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Wenn es um das Erschaffen von Traumwelten geht, bietet sich das Kino als erzählerisches Medium geradezu an. Ein Bild oder eine kurze Sequenz können eine ganze Welt zum Leben erwecken, die so nur in unseren Köpfen existieren kann. Die Gesetze von Raum und Zeit lösen sich auf, wenn die Traumfabrik Hollywood ihre Maschinen anwirft. So weit, so bekannt.

Was aber passiert, wenn ein Filmarchitekt wie Christopher Nolan die Erschaffung von geträumten Realitäten wörtlich nimmt?

Zunächst wird aus dem Vagen etwas Konkretes: der Film Inception nämlich. Der erzählt die Geschichte von Dom Cobb (Leonardo DiCaprio), einem Spezialisten für eine besondere Art von krimineller Unternehmung. Cobb stiehlt die Ideen mächtiger Unternehmer und zwar dann, wenn ihr Verstand besonders anfällig für Manipulation ist; nämlich während sie schlafen und träumen. Dazu entwirft er mit seinen Komplizen ein Szenario, welches das Opfer seines Beutezuges mit seinen - auch gerade unterbewußten - Wünschen und Geheimnissen füllt. Und über die Interpretation des mittels einer Maschine gemeinsam erlebten Traumes kann der Traumdieb dann das Objekt seiner Begierde aufspüren. Das klingt zunächst ziemlich verkopft und auch etwas haarsträubend, wird aber in den ersten Minuten des Films anschaulich und durchdacht erklärt; ganz so wie Christopher Nolan bereits in Prestige - Die Meister der Magie aufgeschlüsselt hat, wie ein guter Zaubertrick aufgebaut ist.

Und so weiß der Zuschauer ziemlich gut, nach welchen Regeln sich die Träume verhalten, in den sich er zusammen mit den Hauptpersonen innerhalb der nächsten zwei Stunden bewegen wird. Erfreulicherweise wird gleich zu Anfang das wohl albernste Traum-Klischee von allen entsorgt. Denn wer im Traum "stirbt", ist in der Realität natürlich keinesfalls tot, sondern wacht gegebenfalls mit ziemlichen Schmerzen auf. Was zwar unangenehm, aber auf den ersten Blick nicht sonderlich problematisch ist. Zunächst auch nicht für Cobb und seine Trauminfiltratoren, bis diese den Auftrag erhalten, ein Meisterstück in Sachen Traumverbrechen abzuliefern. Sie sollen nämlich die titelgebende Inception durchführen, also nicht eine Idee stehlen, sondern in das Unterbewußtsein eines anderen Menschen einpflanzen, und zwar so, daß dieser sie für seine eigene hält. Und an dieser Stelle beginnt der Film sein volles Potential als klassisches Heist-Movie auszuspielen. Denn natürlich verläuft auch dieses Mal nicht alles nach Plan. Was angesichts der Tatsache auch nicht verwundern kann, daß Traäume eine eigene Logik haben, die mitunter die realen Erfahrungen auf den Kopf stellt, daß das - insbesondere mit anderen Menschen geteilte - Unterbewußtsein ein Ort von verdrängten Gefühlen und Ängsten ist und daß angesichts von verschiedenen Traumebenen mit vertrackter Architektur bald nicht mehr sicher ist, was geträumt ist und was nicht. Die Realität wirkt ja auch so mitunter irreal genug. Auch ohne Traumelemente.

Zumal auch die Welt der Träume Abgründe bietet, die noch unerforscht, geheimnisvoll, erschreckend und bedrohlich sind. Und so wird aus dem interessanten Film-Kontrukt in der zweiten Hälfte ein cleverer und spannungsgeladener Thriller, der seine Zuschauer immer wieder auffordert mittels der etablierten Regeln am Ball zu bleiben und sich Gedanken darüber zu machen, wie das Geschehen auf der Leinwand zu interpretieren ist. Ähnlich wie der Film über die Bühnenmagier fordert Nolan seine Zuschauer auch dieses Mal dazu auf, genau hinzusehen, ohne dabei auf billige Taschenspielertricks zurückzugreifen, so daß er ihnen stets auf Augenhöhe begegnet. Wer gut aufpasst, darf manche Handlungswendung bereits vorausahnen, um derweil darüber nachzudenken, welche Aussage das Traumkonstrukt eigentlich über die eigene Wirklichkeit und ihr Erleben aufstellt.

Mitreißend wird diese Traumfilmerfahrung aber insbesondere durch das meisterhafte und handwerkliche Geschick des Films. Die Bildsprache ist überwältigend und ideenreich, die Schauspieler - deren Rollen ganz wie in Träumen eher Archetypen sind - glaubhaft, die Musik eindringlich und handlungsrelevant und die Spezialeffekte sind als solche kaum erkennbar. Diese Gesamtkomposition macht den Film auch über die geschickt konstruierte und verschachtelte Story hinaus (wieder-)sehenswert. Da ist es zu verschmerzen, daß die dargestellen Träume nicht das volle Panoptikum nächtlicher Bilderfluten ausnutzen, sondern sich in "realen" Welten zutragen, denen dann ein Hauch der Andersartigkeit verliehen wird. Ein Mehr hätte den Zuschauer vielleicht auch schlicht wie ein Güterzug überrollt.

Und den schönen Traum zum Platzen gebracht. So hat der Film genau die richtige Mischung, so daß das musikalische "Aufwecksignal" nicht Bedauern, sondern Zufriedenheit beim Betrachter auslöst. Und ihn trotzdem dazu bringen wird, sich noch mal kurz in den Arm zu kneifen. Man kann ja nie wissen...
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Sonntag, 11. Juli 2010

Was bleibt?

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So. Die deutsche Nationalmannschaft hat sich den 3. Platz mit 3:2 gegen Uruguay erkämpft. Das Spiel hatte jede Menge "Drama, baby!" trotz oder gerade wegen des Dauerregens, den wir sicher etwas besser hätten gebrauchen können als die armen Kerle, die im winterlichen Südafrika gekickt haben.

Doch was bleibt von dieser WM?

Vielleicht nur ein Neologismus. Nämlich "Schland" als Ausruf und Abkürzung für Deutschland. Gut, eingeräumt, ganz so neu ist er nicht. Aber vielleicht wurde er in diesem Jahr massentauglich und gesamtgesellschaftlich akzeptiert. Doppelbödig, ironisch, frech und ein bißchen albern ist er sowieso. Und steht damit für ein neues, unverkrampftes Verhältnis zwischen den Deutschen und ihrem Heimat- oder Wohnland. Auch wenn oder gerade weil eine Leute von der Linksfront damit noch so ihre Probleme haben. Die anderen sind fröhlich mit.

Vielleicht bleibt dieses Mal ein bißchen mehr von der Schandisierung im Alltag erhalten. Zu wünschen wäre es allen.
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Freitag, 9. Juli 2010

Das Luftschloß, das gesprengt wurde

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Was in Verblendung mit einem düsteren Serienmörder-Plot begann, sich in Verdammnis zu einer politischen Verschwörungsgeschichte ausweitete, findet in Vergebung (im Original: Luftslottet som sprängdes, also: Das Luftschloß, das gesprengt wurde), dem dritten und (zumindest vorerst) letzten Teil der Millenniums-Trilogie seinen Höhepunkt als sattelfestes Gerichts-Drama. Für Lisbeth Salander geht es um nicht weniger als ihre Freiheit und ihr Selbstbestimmungsrecht, während ihr Freund und Verbündeter Mikael "Kalle" Blomquist schon bald um Reputation und Leben fürchten muss.

Die Frage, ob (und wenn ja, wie) es den beiden rechtzeitig gelingt, die Intrigen der Verschwörer innerhalb der Sicherheitspolizei aufzudecken und der Gerechtigkeit zu einem späten Sieg zuverhelfen, hält nicht nur die Leser, sondern auch die Zuschauer der Verfilmung in Atem. Denn angesichts der Skrupellosigkeit des Gegeners auf der einen und der erdrückenden Beweislast gegen Lisbeth auf der anderen Seite erscheint ein Sieg nahezu aussichtslos.

Allerdings deuten sowohl der deutsche Kurztitel als auch der Originaltitel bereits an, daß der Abschluß der Trilogie durchaus ein positiver werden könnte. Und Stieg Larsson ist mit den Vorgänger-Bänden nicht nur als kritischer Beobachter der (schwedischen) Gesellschaft, der Männer- und Medienwelt mit ihren Ritualen aufgefallen, sondern auch als Moralist. Anstand, Moral und Rechtschaffenheit stehen also nicht zwangläufig in zynischer oder pessimistischer Weltsicht auf verlorenem Posten. Tatsächlich kehrt die Geschichte im Rahmen der gerichtlichen Aufbereitung etwas mehr in die Lebenswirklichkeit des Lesers zurück, für den ein spektakulärer Mordprozess zwar keinen Alltag darstellt, aber nachvollziehbarer ist als eine Agentengeschichte aus dem kalten Krieg. Dem steht nicht entgegen, daß sich die Drahtzieher der Verschwörung gegen Lisbeth Drogenschmugglern bedienen, um auf diese Weise der Gefahr durch den mutigen Journalismus der Millenniums-Redaktion zu begegnen. Das ist insbesondere dem Umstand geschuldet, daß es Larsson gelingt, die schockierenden Handlungsfäden aus den Vorgängern in die Handlung und den Gerichtsprozeß einzuflechten, daß diese mehr werden als bloß Einzelhandlungen, die Extreme der Gesellschaft darstellen und beklagen sollen. Die Motive hinter diesen Taten erscheinen in diesem großen Zusammenhangen nicht nur klarer, vielmehr auch deutlich als Teil des Systems, daß nicht nur die Täter hervorbringt, sondern ihnen auch einen Deckmantel verleiht, unter welchem sie ihre Taten begehen können. Fast noch bewegender ist aber die Entwicklung von Lisbeth Salander, die nicht mehr umhinkommt, sich einzugestehen, daß sie nicht alle Probleme alleine bewältigen kann und ihr nicht alle Menschen Böses wollen.

Es spricht zudem für die Qualität der Serie, daß sie sich nicht darauf beschränkt, Mikael und Lisbeth zu Kämpfer für die Gerechtigkeit zu stilisieren, sondern eine Vielzahl von Figuren zeichnet, die im Bereich des menschlichen Graus zwischen Hell und Dunkel versuchen das Richtige zu tun. Und daß sie zudem die Werkzeuge dazu bereitlegt, die für bereits Menschen hilfreich sein könnten, ohne ständig die Moralkeule zu schwingen oder das Scheitern an diesen Ansprüchen pauschal zu verdammen. Dies wird insbesondere in der - für den Film aus Zeitgründen komplett geänderten - Nebenhandlung deutlich, in welcher die Herausgeberin von Millennium auf ihrem neuen Posten bei einer großen schwedischen Zeitung gegen ein Hassmännchen und verkrustete Strukturen kämpft, die sie eigentlich im Auftrag ihrer Arbeitgeber abschaffen soll. Daß ein Sieg ihr nur zum Teil gelingt, ist dabei nicht Zeichen von Schwäche, sondern von Menschlichkeit und Realismus.

Nicht jedes düstere Luftschloß kann von heute auf morgen gesprengt werden. Manchmal sind mehrere Versuche notwendig. Aber am Ende vermag dann nicht nur ein aussichtsloser Kampf gewonnen sein, sondern auch eine Brücke zu einem anderen Menschen geschlagen sein. Wenn auch auf eine ganz eigene Art und Weise. Und dennoch so, daß das Verblendung und Verdammnis Vergebung wird.
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Sonntag, 27. Juni 2010

Game over?

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Ich mag clevere Filme. Ich mag mitreißende Videospiele. Aber ich glaube, kluge und durchdachte Kombinationen aus beidem liebe ich. Weil sie so selten sind...

Pixels von Patrick Jean ist so ein Werk.

Keine weiteren Worte. Nur Staunen. Und noch mal anschauen...
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Donnerstag, 24. Juni 2010

Freut Euch!!

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Als "periodischer" Fußball-Fan habe ich mir gestern Abend das Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Ghana beim Public Viewing angeschaut. Eigentlich liegt mir als Zuschauer Handball mehr, weil es schneller und spannender ist. Aber ich räume freimütig ein, dass ich seit dem WM-Sieg 1990, mit dem ich viele schöne Erinnerungen verbinde, im Zwei-Jahres-Takt vom Fieber meiner Mitmenschen angesteckt werde.

Und ich lass mir gern infizieren.

Denn schon vor dem "Sommermärchen 2006" ist mir ein fröhliches Deutschland allemal lieber als das dauerpessimistische und ewig herumkritteln. Anstatt sich an dem zu erfreuen, was man hat, leidet man geradezu mit hoher Kunst an dem, was fehlt.

Was keinesfalls als Aufruf an´s Sich-damit-abfinden verstanden sein soll. Ich bin immer für durchdachte Problemlösungen zu haben. Und bin kritisch genug, um sie bei der aktuellen Politik der "Tigerenten" zu vermissen. Aber ich lasse mir davon nur sehr selten meine Laune eintrüben. Das schaffen nicht mal Regenwolken.

Und angesichts des schmächlichen Ausscheidens des Weltmeisters und des Vize-Weltmeisters kann ich der Fußballnation D -trotz der eher durchschnittlichen Leistung unseres Teams gestern - nur zu rufen: Freut Euch!



Der graue Alltag holt uns schnell genug wieder ein.
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Dienstag, 1. Juni 2010

Nur für's Protokoll II

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So richtig gut läuft es für die "Tigerenten"- Koalition in Berlin gerade nicht. Neben ständigem internen Gezanke über grundsätzliche Fragen beim Sparen, Steuern und Krisenbewältigen verdirbt auch so manche Personalie den Beteiligten die Lust am Regieren. Der überraschende Abgang von Roland Koch, dem "brutalstmöglichen Aufklärer", mag irgendwie noch zu verschmerzen sein. Auch wenn es ein bißchen befremdlich wirkt, daß ein Politprofi, der sich vor etwa einem Jahr zurück an die Macht gerungen hat, nun mir nichts dir nichts verkündet, "Politik sei nicht sein Leben". Auch das ungewisse Schicksal von Jürgen Rüttgers und die damit verbundenen Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat erleichtern die Arbeit nicht gerade.

Und gestern hat der Bundespräsident Horst Köhler ebenfalls überraschend hingeworfen.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik tritt damit das Staatsoberhaupt vor Auflauf seiner Amtszeit ab. Bemerkenswert genug. Ärgerlich vor allem für die beiden obersten Tigerenten, welche Herrn Köhler immerhin erstmal zum Kandidaten und dann zweimal zum Präsidenten gemacht haben. Noch ärgerlicher, weil die Gründe für den Rückzug bestenfalls wenig verständlich und im schlimmsten Fall mimosenhaft wirken.

Da muß schnell Ersatz gefunden werden. Zum Glück setzt das Grundgesetz eine kurze Frist von 30 Tagen. So bleibt eine lange Nachfolgerdebatte dem Wahlvolk wenigstens erspart. Zumal es ja gar nicht mitwählen darf. Denn das macht die Bundesversammlung. Die macht sonst nichts, weshalb sich außerhalb des Anlasses auch kaum jemand dran erinnert, wozu es sie überhaupt gibt. Sei's drum. Denn viel spannender ist doch die Frage, wen diese Versammlung denn als Nachfolger(in) wählen könnte.

Da fällt dem geeigneten Zuschauer doch im Post-ESC-Freudentaumel gleich die kecke Lena Meyer-Landrut ein. Die hat schließlich bewiesen, daß sie Europa begeistern kann. So jemand würde doch auch eine gute Figur...
Moment... wählbar ist nur, wer das 40. Lebensjahr vollendet hat? Schade, liebe Lena. Das wird nichts.

Und wie sieht es mit ihrem Ziehvater Stefan Raab aus? Alt genug wäre er. Und schließlich hat er Deutschland schon aus einer Krise geführt. Und daß er einzustecken vermag, hat er ebenfalls mehrfach unter Beweis gestellt. Den Raab zu schlagen, das ist nicht leicht. Aber es ist leider auch hinreichend unwahrscheinlich, daß die ProSiebenSat1Media AG auf ihr Zugpferd wird verzichten können. Wahrscheinlich verdient Herr Raab auch mehr im Fernsehen als im Schloß Bellevue. Hmm.

Problematisch.

Zum Glück fiel mir heute morgen beim Zähneputzen (immer wieder eine gute Gelegenheit für kreatives Denken) ein geeigneter Kandidat ein, der verhindern könnte, daß das Amt des Bundespräsidenten zur Restrampe für gescheiterte Politiker wie Edmund Stoiber (und damit noch mehr - der Herr bewahre! - beschädigt) wird. Eine Person mit Erfahrung auf internationalem Pakett der royalen Hochprominenz, mit investigativem Interesse an der Wahrheit und politischen (und alkoholischen) Zusammenhängen sowie der Fähigkeit, seine Mitmenschen für das Unbekannte auf dem (Pilger-)Weg zu begeistern.

Keine Ahnung, wen ich meinen könnte?

Klickste hier. Weisste Bescheid, Schätzelein.
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Montag, 31. Mai 2010

LOST? FOUND!

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Vor wenigen Tagen flimmerte in den USA die letzte Folge der sechsten und letzten Staffel von LOST über die Fernsehschirme. Eine der wegweisenden TV-Serien des ersten Jahrzehnts hat damit ihren Abschluß gefunden. Und ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, daß das Ende nicht nur der Serie angemessen, sondern auch irgendwie "zyklisch" war. Wer ab jetzt weiterliest, der läuft Gefahr, sich die eine oder andere Story-Wendung zu spoilern. Also Obacht!

Die sechste Staffel beginnt mit eben jenem hellen Licht, welches die Protagonisten am ende der fünften Staffel einhüllte - und siehe da: Die Protagonisten befinden sich wieder an Bord von Flug 815, der nach einigen Turbulenzen sicher auf dem LAX landet... während die Insel aufgrund des "Zwischenfalls" wohl im Meer versunken ist.
In den ersten Minuten macht die Serie - mal wieder - den Eindruck, in vertrautes Sci-Fi-Fahrwasser zu steuern. Tatsächlich macht es den Anschein, daß die Explosion des Strengkerns der Wasserstoffbombe die Vergangenheit erfolgreich verändert hat. Doch LOST wäre nicht LOST, wenn diese Vermutung nicht ebenso rasch wieder in Frage gestellt werden würde, wie sie aufgebracht wurde. Denn die Losties finden sich gleichzeitig (?) auf der Insel wieder, genau neben den Überresten der Station, in dessen Inneren sie in der 2. Staffel wieder und wieder einen Knopf gedrückt haben. War alles umsonst? Die sterbene Juliet jedenfalls behauptet erst das Scheitern der Mission, wispert Miles aber nach ihrem Ableben zu, daß doch alles geklappt habe...

Und so kommt auf den Zuschauer in der gesamten Staffel ein weiteres Rätsel dazu: Was hat mit der seltsamen Parallelwelt auf sich, die so wirkt, als sei sie eine Nicht-Absturz-Welt, aber nicht nur ein sehr eigenartiges Szenenwechselgeräusch in die Serie bringt, welches nämlich eher wie ein startenes Düsenflugzeug klingt und nicht wie das übliche Horn, sondern in welcher auch die Charaktere wie magnetisch-elektrisch von einander angezogen werden, ganz so als sei es ihr Schicksal oder eine Häufung von Zufällen.

"Zyklisch" ist die sechste Staffel schon deshalb, weil die Thema, welche LOST seit der ersten Staffel beherrschen, auch in der sechsten Staffel wieder eine gewichtige Rolle spielen. Wenn auch einige Charaktere inzwischen den gegensätzlichen Standpunkt einnehmen: Jack wandelt sich im Laufe der Ereignisse mehr und mehr zu einem Gläubigen, während der geheimnisvolle "Feind", die Nemesis von Jacob, in der Gestalt von John Locke als Vertreter für den freien und selbständigen Willen auftritt, wenn auch auf einer sehr viel egoistischeren Position als zuvor Jack. Der Konflikt, der zwischen den beiden und ihren Verbündeten herauf dämmert, ist dabei weniger der - von vielen Kritikern und Zuschauern beschriebene - Kampf zwischen Gut und Böse, als vielmehr der Streit zwischen grenzenloser, individueller Freiheit und Akzeptanz der Freiheit des anderen und Unterordnung unter die Bedürfnisse anderer.

Der Konflikt ist ebenso wendungsreich wie spannend, aber letztlich - wie auch die zahlreichen Geheimnisse, welche die Insel birgt und weiter bewahren wird, nur eine Nebenhandlung. Zwar werden im Laufe der letzten Folgen Antworten auf alle Fragen gegeben, wie etwa auf die, woher Richard Alpert und die Black Rock stammen, und die, wie das Smocke Monster entstanden ist, aber die Autoren sind sich im Klaren darüber, daß jede Antwort zu weiteren Fragen führen wird. Und so nutzen sie den Auftritt einer Figur, die in anderen Geschichten unter anderen Schreibern dem Architekten der Matrix gleich die Handlung komplett zu erklären versuchen könnte, eben dazu, dem Zuschauer genau dieses Dilemma aufzuzeigen - um sich danach auf den eigentlichen Schwerpunkt der Geschichte zu konzentrieren. Nämlich die Charaktere.

Und so finden sich am Ende von LOST für die liebgewonnenen Protagonisten Antworten auf die wirklich wichtigen Fragen: "Warum bin ich hier?" und "Wer ist mir wichtig und wem bin ich wichtig?". Die Insel ist - für jeden auf seine Weise - die Antwort auf diesen Fragen. Und das Ende ist auf seine sehr eigentümliche Weise nicht zwangsläufig von Glück durchtränkt, aber dafür von einem tröstlichen Sinn für alle Dramen ausgestattet. Und so finden tatsächlich Handlungsfäden einen Abschluß, die der Zuschauer schon für verloren und vergessen hielt. Mit der letzten Einstellung eines sich schließenden Auges finden die Macher dann auch das passende Bild für den Kreis des Lebens und der Erzählung, der sich nun schließt.

Und so endet LOST so eindrucksvoll ungewöhnlich wie es begonnen hat. Und der Zuschauer, der es mitdurchlitten hat, fühlt sich am Ende FOUND.
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Dienstag, 4. Mai 2010

Mächte, Mythen, Moddermonster

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Mit Avatar hat sich Sam Worthington als neuen Helden-Darsteller Hollywoods empfohlen. Da wundert es nicht, daß er in der Neuverfilmung von Kampf der Titanen als Perseus ran darf, um den Tag zu retten. Daß er dabei ein Haarproblem hat, verwundert allerdings.

Im alten Griechenland ist die Hölle los. Oder genauer gesagt die Unterwelt. Denn nachdem sich die ehemals frommen Gläubigen der Stadt Argos von den ekzentrischen Göttern mit ihren Intrigen und ihrem Desinteresse für Sorgen und Nöte der Menschen abgewendet haben, hat ihnen Hades (Ralph Fiennes) mit Billigung von Göttervater Zeus (Liam Neeson) den Krieg erklärt. Und da Hades nicht nur über das Land der Toten regiert, sondern auch über eine bösartige Monsterschar gebietet, sieht es für die Bewohner Argos´ bald ziemlich düster aus. Entweder opfern diese in 10 Tagen die hübsche Prinzessin Andromeda (Alexa Davalos) oder der gefürchtete und als unbesiegbar geltende Kraken zerstört die Stadt. Zum Glück ist Perseus - Sohn des Zeus - gerade in der bedrohten Stadt und bietet seine Hilfe an. Schließlich hat er noch eine Rechnung mit Hades offen, der für den Tod seiner Familie verantwortlich ist. So bricht eine Schar kühner Menschen auf, um eine Waffe gegen die göttliche Bedrohung zu finden...

Die folgende Reise bietet einen erwartungsgemäßen Mix aus geräßlichen Monstern, exotischen Schauplätzen und abenteuerlichen Bedrohungen, die Perseus und seine Verbündeten vor so manche Herausforderung stellen. Daß dabei die griechischen Mythen mitunter ziemlich frei interpretiert werden, stört aufgrund der charmanten Mischung nur wenig. Und daß in der Party von Perseus ein qualifiziert Heiler und Debuffer schmerzlich fehlt, wird nur eine RPG-Fan bemängeln. Die Effekte sind nämlich state-of-the-Art, die Gewandungen und Waffen dem Zeitalter angemessen und überzeugend. Allein die Götter wirken in ihren strahlenden Gewändern ein kleines bißchen zu disko-age-mäßig. Und Perseus´ Stoppelfrisur wirkt direkt aus dem berühmten 3D-Knaller importiert, was es dem Kinozuschauer etwas erschwert, in Perseus einen eigenständigen Charakter zu sehen. Zu sehr erinnert Sam Worthington noch an Jake Sully im lockeren Freizeitdress. Das wird noch durch den Umstand verstärkt, daß ansonsten alle Kerlen mit langen Matten und Zöpfen herumlaufen. Die Story ist leider eher dünn und der Konflikt zwischen den Göttern und den Sterblichen wird zwar nachvollziehbar eröffnet, aber nicht ganz überzeugend abgeschlossen.

Doch ansonsten funktioniert "Kampf der Titanen" sowohl als Abenteuer- als auch als Monsterfilm ausgezeichnet. Gerade die grausigen Vieher machen deutlich, welchen Quantensprung die Tricktechnik in den letzten 19 Jahren seit dem Erscheinen des Originals gemacht hat. Zur Freude der Zuschauer - insbesondere solcher wie ich, die Filme auch einfach mal wegen gut getrickster Monster gucken.

Und das ist ja auch was wert.
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Dienstag, 13. April 2010

Im Unterland

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Als großer Fan von Tim Burton konnte ich mir selbstverständlich sein neues Werk Alice im Wunderland nicht entgehen lassen. Und obwohl ich von abgedrehten und fantastischen Filmen nicht genug bekommen kann, war mein Eindruck merkwürdig...

...zwiespältig.

Alice Kingsleigh (Mia Wasikowska) ist eine junge, kluge Dame und Halbwaise mit einem Problem: Sie soll - gemäß den gesellschaftlichen Konventionen des 19. Jahrhunderts - heiraten. Die hübsche Blondine schlägt aber ganz nach der Art ihres Vaters, der ein Visionär und Entdecker von kühnen Handelsrouten und fremden, fernen Ländern war. Zu Alice Leidwesen entpuppt sich ihr Zukünftiger als humorloser Langeweiler mit empfindlicher Verdauung. Und so tut Alice das, was sie auch bereits früher getan hat... sie läuft von der Gesellschaft fort und folgt lieber einem seltsamen Kaninchen mit Weste, welches in großer Eile zu sein scheint. Die kurze Verfolgung endet mit einem Sturz in einen Kaninchenbau und der unsanften Landung an der Decke eines eigentümlichen Raumes, in welchem bereits ein Fläschchen mit der Aufschrift "Trink mich" auf die Verirrte wartet.

Während der kundige Zuschauer von einem Aha-Effekt zum nächsten geführt wird, kann sich Alice auf die nun folgenden Geschehnisse zunächst keinen Reim machen. Daß sie dieses Zauberreich bereits einmal besucht hat, hat Alice im grauen Alltagsgeschehen nämlich längst vergessen. Allein durch ihre Träume spuken nach Erinnerungen. Weshalb sich die junge Frau auch zunächst in einem Traum wähnt, während die Bewohner des bizarr-bunten Reiches behaupten, sie als Auserwählte zu erkennen - oder zumindest hoffen, dass sie der Schrecksherrschaft der Roten Königin (Helena Bonham Carter) beenden wird. Allerdings hat Alice in der kommenden Zeit nie die rechte Größe für die Rolle der Retterin. Und das sprichwörtlich, wächst und schrumpft sie doch während ihrer abenteuerlichen Reise von einer Schwierigkeit in die nächste. Zum Glück steht sie nicht ganz ohne Helfer da, wobei auch dem Verrückten Hutmacher (Johnny Depp) und der Grinsekatze (gesprochen von Stephen Fry) noch eine kopflastige Rolle zukommen wird.

Sowohl die Darstellung des Wunderlandes an sich, welches eigentlich korrekterweise Unterland geheißen wird, mit seinen extravaganten Wäldern, Ebenen, Wüsten, Ruinen und Palästen als auch die Umsetzung der noch extravaganteren Bewohner sind die großen Pluspunkte des Films. Denn jder Darsteller wird während des Films durch das Komplettprogramm aus Make-up- und Computereffekt-Kunst gezogen, so daß der Zuschauer ganz neue stauenswerten Seiten an ihnen entdecken darf. Dabei punkten insbesondere die nichtmenschlichen Figuren mit hoher Glaubwürdigkeit. Das Grinsen der Grinsekatze reicht tatsächlich von Ohr zu Ohr und der burbelnde Jabberwocky knirscht mit seinen Zähnen und kratzt mit seinen Krallen, daß es einen schauert.

Leider hinkt die Geschichte dem Fabelhaften hinterher. Zunächst hält Alice alles für einen Traum und weigert sich - ihrer rebellischen Natur folgend - irgendwelche Erwartungen zu erfüllen. Von denen ist sie schließlich auf der Flucht. der Film arbeitet aber nicht ganz treffsicher heraus, warum sich Alice schließlich umentscheidet, und schließlich ihren Weg geht. Dafür springt die Handlung zu sehr von einem Höhepunkt verrückt-durchgedrehter Begegnungen zur nächsten, ohne sich Zeit für das Innenleben und die Gefühle der Protagonisten zu geben. Da fehlt es dem Film etwas an der Seele, die Avatar zu seiner Größe verhalf. Alice reagiert meistens nur. Und wenn sie dennoch agiert, wird nicht deutlich warum. Vielleicht habe ich auch kleine Andeutungen übersehen. Vielleicht war mir auch Planet der Affen zu sehr im Gedächtnis, der unter einem ähnlichen Problem zusammenbricht.

Sei´s drum. Sehens- und wie dank Danny Elfman - auch wie immer hörenswert ist die Reise durch´s Unterland so oder so. Und am Ende findet Alice wie erwartet zu sich selbst. Und gewinnt die richtige Größe, um ihr Leben zu meistern.

Und die Metapher macht den Film schlußendlich doch richtig liebenswert.
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Donnerstag, 1. April 2010

Ein Haus, doch kein Zuhause

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Als Schauplatz von schaurigen Geschichten haben Häuser einen festen Platz in Literatur und Filmen. Manche Häuser werden zu Tatorten. Manche Häuser werden von ihrer Vergangenheit eingeholt. Manche Häuser werden von den Toten heimgesucht.

Auch das Haus von dem Mark Z. Danielewski in Das Haus - House of Leaves erzählt, ist nicht wie die übrigen Häuser. Aber weder geschieht dort ein Verbrechen. Noch spukt es dort. Die Heimsuchung dieses Hauses ist anders. Und das Buch auch.

Dabei fängt die Geschichte eigentlich harmlos an. Sowohl die des Junkies Johnny Truant, der im Nachlass des alten Mannes mit Namen Zampanò Notizen, Aufzeichnungen und Entwürfe zu einer kulturhistorischen Filmbesprechung findet und sich an die Aufbereitung des umfangreichen Materials macht, welches der verstorbene Blinde zusammengetragen hat. Als auch die des Fotojournalisten Will Navidson, der mit seiner All-American-Dream-Family in ein neues Haus einzieht und diesen Vorgang mit allerlei Videocameras dokumentiert.

Die Betonung liegt auf eigentlich. Denn zunächst verläuft alles wie erwartet. Die Familie nimmt das Haus an der Ash Tree Lane in Besitz. Doch bevor sie sich dort heimisch fühlen können, fallen Navidson beim Vermessen des Hauses kleine Unregelmäßigkeiten auf. Zunächst wirken sie wie Messfehler. Doch als schließlich ein kurzer, völlig schwarzer Flur wie aus dem Nichts auftaucht, beginnt die Situation zu eskalieren. Plötzlich entwickelt das Haus eine - eigentümlich nachtschwarze - Architektur, die nicht nur der Physik und menschlichen Erfahrung spottet, sondern auch das Vorstellungsvermögen übersteigt - oder ist der Film bloß eine geschickte Fälschung?

Johnny wird jedenfalls zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Manuskripts bereits von Alpträumen gequält. Er verliert mehr und mehr das Vertrauen in die Festgefügtheit seiner Umwelt und hat Visionen von nachtschwarzer Dunkelheit. Und der Film, den Will Navidson dreht, wird unter dem Titel "Der Navidson Record" nicht nur Grundlage des Essays von Zampanò, sondern vielleicht verantwortlich für Zampanòs Tod sein. Und dem von allen, welche sich - nur kurz oder zu sehr? - mit dem Film beschäftigen. Aber vielleicht ist das auch nichts weiter als die Paranoia eines Junkies, der nicht nur mit dem interlektuellen Niveau der Filmbesprechung, sondern auch mit seinem Drogenkonsum überfordert ist?

Denn trickreich verweigert Danielewski dem Leser einen Erzähler, auf welchen er sich verlassen kann. Zampanò hat den Film, den er überaus kenntnisreich beschreibt, niemals gesehen - zumal er eigentlich blind ist. Navidson hat zwar angeblich den "Record" über das Haus gedreht, kommt aber sonst nicht zu Wort (und ist auch für Stellungnahme nicht erreichbar). Und Johnny dokumentiert zwar den Prozeß der Entstehung des vollständigen Essays, ist aber als Erzähler unzuverlässig und abschweifend.

Die eigentümliche Faszination der Geschichte liegt aber genau in dieser lückenhaften und sprunghaften Erzählweise. Denn wie bei einem Puzzle werden die Erlebnisse und Erkenntnisse von Navidson und seiner Familie, Zampanò und Johnny Teil für Teil aufgedeckt und zusammengefügt, wieder getrennt und neu geordnet, so dass sich für den Leser von Kapitel zu Kapitel scheinbare und tatsächliche Zusammenhänge ergeben, die nach und nach ein Bild von dem Geschehen im und um das Haus formen.

Dabei entwickelt Danielewski eine Sprache, die ausgesprochen filmisch wirkt, wenn es um den "Record" geht, und simuliert durch die graphische Präsentation des Textes den Entstehungsprozess des Werkes innerhalb des Werkes. Wie bei den Schnitten eines Films liest sich auch das Buch mal schneller und mal langsamer. Und wie Navidson bei den Aufnahmen der bizarren Zimmer, Fluren, Gängen, Türen und Hallen seines Hauses verliert sich der Leser bei der Lektüre in einem Labyrinth von Querverweisen, Fußnoten und Nebensträngen. Zumal er das Buch nicht ruhig in den Händen wird halten können, sondern es schließlich im Wortsinn drehen und wenden muss.

Tiefer und tiefer führt Danielewski seinen Leser dabei in einen geschickt konstruktiven Alptraum, in welchem ein Haus zu einem Ort der inneren und äußeren Hölle wird. Geschickt deshalb, weil er nahezu alle Klichees von Spukhäusern umgeht, er noch mit ihnen spielt und nebenbei ein originelles Grauen schafft, welches in seiner Unbegreiflichkeit die üblichen Verdächtigen - rachsüchtige Geister und höllische Dämonen - in den physikalisch unmöglichen Schatten stellt.

So wird aus einem Haus kein Heim. Und aus einem Buch ein besonderes Vergnügen.
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Donnerstag, 18. Februar 2010

Das Mächen spielt mit dem Feuer

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Nachdem ich nach dem Kinobesuch von Verblendung Feuer für die "Millennium"-Trilogie von Stieg Larson gefangen hatte, dauerte es zwar ein bißchen, bis ich mir von einem Freund die beiden Nachfolger zur Lektüre ausgeliehen habe. Dafür habe ich sie dafür umso schneller verschlungen. Obwohl ich zwischendurch die eine oder andere Zwangspause eingelegt habe, um mir vor Spannung nicht den Magen zu verderben.

Denn in Verdammnis (im Original: Flickan som lekte med elden; also: Das Mädchen spielt mit dem Feuer) gerät Larssons originell emanzipierte Frauenfigur Lisbeth Salander schon bald unter Feuer. Und zwar von Seiten der Presse und der Polizei. Denn sie wird der Ermordung dreier Menschen beschuldigt und bald vorverurteilt. Allein Mikael "Kalle" Blomkvist glaubt an ihre Unschuld, zumal er über eine Rechersche seiner Zeitschrift "Millennium" in den mysteriösen Mordfall verwickelt wird und damit bald Hintergründe erkennt, welche sowohl der Presse, die Lisbeth rasch als "psychisch gestörte satanische Lesbe" abstempelt, als auch der Polizei, die durch innere Machtkämpfe und Behinderungen von Seiten anderer Regierungsstellen gelähmt wird, entgehen. Die Spur führt in die Vergangenheit der genialen Hackerin. Und damit geradewegs in eine neue, fast noch schwärzere Dunkelheit als jene, die sich bereits in Verblendung über Schweden legte. Während Larsson in Band 1 noch mit einer Mischung aus Serienmörder-und Witschafts-Krimi seine Leser schockierte und fesselte, entfaltet sich Band 2 als Spionage-Krimi und Familien-Drama mitsamt Anleihen an Quentin Tarantinos Kill Bill und einer zünftigen Verschwörung innerhalb der Regierung. Oder zumindest eines kleinen Zirkels innerhalb der Regierung. Da wundert es dann nicht, dass das ungeleiche Ermittler-Paar mitunter an die beiden Agenten aus den X-Files erinnert. Auch wenn weder Scully noch Mulder jemals so glaubwürdig unter Mordverdacht standen wie Lisbeth. Denn Larsson sät sogar im Leser Zweifel, ob nicht doch die eigensinnige Punkerin für die Taten verantwortlich ist. Und verschafft ihr im gleichen Atemzug wiederum Sympathien, wenn er sein Thema von Männern aufnimmt, die Frauen hassen und ihnen deshalb die erbärmlichsten und die scheußlichsten Dinge antun. Ob es Pressevertreter sind, die Anderssein nicht akzeptieren können, Polizisten, die mit Machoallüren ermitteln oder Ehemänner, die ihre Frauen unterdrücken - stets wird der Männerwelt ein Spiegel vorgehalten, der sie in wenig schmeichelhaftem Licht zeigt. Da Larsson gerade dabei aber stets im Rahmen des Realistischen bleibt, ist seine Sozialkritik stets treffend und berechtigt.

Die Spionage-Story hingegen gerät mitunter an den Rand von abgedrehten James-Bond-Geschichten. Vielleicht ist das aber auch dem Thema selbst geschuldet. Denn in der ruhigen und insgesamt gelungenden Verfilmung wirken viel der Szenen auch weniger aufgekratzt und reißerisch als im Buch. Diese Bodenständigkeit ist auch der besonderen Gabe von Michael Nyqvist und Noomi Rapace zu verdanken, welche die beiden außergewöhnlichen Vorlagen mit wahrem Leben füllen. Leider versäumt es der Film, sowohl der Arbeit der Polizei als auch der Treibjagd der Presse den entsprechenden Raum zu geben, die einen beträchtlichen Teil der Spannung und der Aussage des Buches ausmachen. So bleibt zwar ein sehenswertes Drama, aber der Krimi- und Sozialkritikanteil bleibt etwas auf der Strecke.

Und das mindert die Hitze des Feuers, mit welcher das Mädchen so eindrucksvoll und kühn spielt, dann doch etwas.
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Donnerstag, 11. Februar 2010

Über Glatteis in den Orient

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Daß mein Leben außerhalb von Computerspielen und Pen&Paper-Rollenspiel nicht ständig voller Abenteuer wimmelt, ist eigentlich ganz nach meinem Geschmack. Ich bin nämlich eher der vorsichtige und bedachte Typ. Aber mitunter kann auch der Besuch eines - wenn auch ziemlich außergewöhnlichen - Restaurants zu einer aufregenden Angelegenheit werden.

Etwa wenn eine Millionenstadt vor dem Winter kapituliert.

Letzterer hat sich ja etwa seit Weihnachten sehr eindrucksvoll zurück in Erinnerung gerufen. Dabei hatten ihn einige Klimaforscher schon sorgenvoll abgeschrieben. Und wie das mit unerwarteten Comebacks so ist, überfordert das plötzliche Erscheinen des Totgeglaubten. Zumindest dann, wenn er es nicht nur bei einem Kurzauftritt beläßt, sondern es sich auf der Bühne so richtig gemütlich macht. Anders kann ich es mir nicht erklären, warum in Hamburg statt hanseatisch-akurater Straßen und Weg eine Eiswüste auf den Fußgänger wartete, die Nordend alle Ehre gemacht hätte.

Und mitten drin ein Geburtstagskind und eine illustere Gästeschar: ich war zu einem Besuch im Le Marrakesh eingeladen, genauer gesagt zum dortigen "Arabischen Abend". Nun ist dieses Restaurant in einer etwas eigentümlichen Lokationen untergebracht. Nämlich in einem Möbelhaus. Und die liegen selbst in Hamburg noch nicht notwendigerweise in der Innenstadt - trotz aller Pläne für IKEA in Altona. Sondern in Gewerbegebieten, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln eher schlecht zu erreichen sind. Also mußte die Strecke von der Busstation zum Zielort zu Fuß zurückgelegt werden. Zwei, drei Kilometer. Für gewöhnlich ein netter Spaziergang. Aber bei spiegelblanken Eisflächen und festgefrorenen Schneeflächen eher ein - Abenteuer. Zumal tatsächlich kein Stück des Bürgersteiges bestreut, geschweige denn geräumt worden war. Die Stadt war nur zum Teil begehbar, zum großen Teil aber ebenfalls kaum befahrbar. Schnell fühlte ich mich nicht wie im Herzen Europas, sondern in einer verlassenen russischen Kleinstadt. Meine Laune verbesserte sich nicht gerade, als ich durch eine Unachtsamkeit wegrutschte und einem würdelosen Hinschlagen gerade noch durch ein Abfangen des Sturzes mit Händen und Knien entging.

Doch dann tauchte im Halbdunkel der hereinbrechenden Nacht das erste Hinweisschild des Möbelhauses auf. Und schließlich erreichten wir einen schnee- und eisfreien Pfad, einladend mit Lampen beleuchtet. Und traten ein in die ehemalige Fabrikhalle.

Und fanden uns in Tausend-und-einer-Nacht wieder.

Denn im Halleninneren waren die Wände wie bei einer Filmkulisse mit weißgetünchten Mauern verkleidet, so daß der Eindruck entstand, sich mitten auf einem Basar zu befinden. Es war warm, es war hell erleuchtet. Es dauerte eine Weile, bis ich überhaupt Einzelheiten wahrnehmen konnte. Denn überall standen und hingen bunte Lampen und Kerzenhalter. Tische und Regale waren reich gefüllt mit farbigem Geschirr, entzückenden Kleinigkeiten und Handwerkskunst. Und das alles mit dem sinnfrohen arabischen Überschwang. Spätestens nach dem Begrüßungsdrink war meine Laune deutlich aufgeheitert.

Und nachdem die letzten Nachzügler eingetroffen waren, wurde dann auch von der Inhaberin wortreich das Büffet eröffnet. Ich war bereits darauf eingeschworen worden, unbedingt die Vorspeisen zu kosten. Aber ich habe nur einen Teil der 25 (!) Vorspeisen angetestet. Möhren in Rosenwasser. Thunfisch in verschiedenen Zubereitungsformen. Schafskäse. Und jedesmal explodierte in meinem Mund ein Gewürzcocktail. Mild, scharf, würzig. Einfach köstlich. Aber mit Worten eigentlich nicht zu fassen.

Später machte ich eine kleine Essenspause und es mir in einem künstlichen Kellergewölbe gemütlich. Auf verschwenderisch mit Kissen bedeckten Steinbänken. So ein Kellergewölbe könne Dir gefallen, dachte ich bei mir. Dann würde sich auch die Anschaffung einiger der zahllosen Steh-im-Wegs lohnen, die in gewöhnlichen Wohnungen eher verloren und deplaziert wirken würden.

Und nachdem der Besuch mit einer eleganten und talentierten Bauchtänzerin und herrlichem süßem Nachtisch ausgeklungen war, kehrte das Abenteuer in mein Leben zurück. Denn der Rückweg über Schnee und Eis harrte unser.

Zum Glück hat uns der bestellte Taxifahrer schließlich doch gefunden. Denn manche Aufregung umgeht man doch besser beim zweiten Mal.
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Montag, 25. Januar 2010

Männer, die Frauen hassen

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Daß Schweden nicht nur ein Land mit besonderer, dunkel-melancholischer Atmosphäre ist, sondern auch über kluge Schriftsteller und Filmemacher verfügt, die jenseits der altbekannten Pfade lesens- und sehenswerte Geschichten erzählen können, ist mir nicht erst seit "So finster die Nacht" bekannt. Auch sind an mir die "Schweden"-Krimis von Henning Mankell nicht vorbei gegangen; so kam es dazu, daß ich "Die Hunde von Riga" gelesen habe. Aber so richtig gefangen hat das Buch mich nicht. Und auch nicht die TV-Verfilmungen der anderen Bücher. Vielleicht lag es an der irgendwie tranigen Hauptfigur, vielleicht auch daran, daß mir die Geschichten zu konstruiert und bedacht sozialkritisch vorkamen.

Auch Stieg Larsson ist ein Mann klarer und (sozial-)kritischer Worte. Aber seine Figuren haben nicht nur mehr Feuer, sondern werden auch in spannendere Geschichten verstrickt.

Im ersten Teil seiner "Millennium-Trilogie" Verblendung (im Original: Män som hatar kvinnor; also: Männer, die Frauen hassen) erleidet der engagierte Wirtschaftsjournalist Mikael "Kalle" Blomkvist vor Gericht zunächst eine bittere Niederlage gegen den dubiosen Industriellen Hans-Erik Wennerström - und wird wegen übler Nachrede verurteilt. Ein Umstand, der seine Karriere als verantwortlicher Herausgeber des kritischen Nachrichtenmagazins "Millennium" für´s erste auf´s Abstellgleis befördert. Wenn auch nur, um eine neue Strategie zu entwickeln. Da kommt Blumkvist das Angebot des großväterlichen Industriellen Hendrik Vanger gerade recht, der ihn offiziell bittet, eine Familienchronik zu schreiben und ihn inoffiziell damit beauftragt, das Verschwinden seiner Nichte Harriet aufzuklären, die am 22. September 1966 spurlos verschwand. Zunächst zweifelt Blomkvist daran, nach vierzig Jahren überhaupt etwas herausfinden zu können und tatsächlich kommt er mit seinen Ermittlung zunächst überhaupt nicht voran.

Ganz andere Sorgen hat indes die Informationsbeschafferin Lisbeth Salander, die im Auftrag ihres Chefs für Hendrik Vanger allerlei Informationen über Mikael Blomkvist beschafft hat. Denn obwohl sie erstaunlich gut mit Computern umgehen kann, steht die junge Frau wegen ihres abweichenden Sozialverhaltens unter Betreuung. Und ihr neuer Betreuer erweist sich als einer der titelgebenden Männer. In dem dürren Mädchen wittert er eine leichte Beute für Demütigung und Vergewaltigung. Doch Salander versteckt unter ihrer Punkattitüde, ihren Tattoos und Piercings nicht nur eine verletzliche Persönlichkeit, sondern auch Wut und Entschlußkraft, die ihren Peiniger auf kompromisslose Weise niederwalzt und dem Frauenfeind sein Leben bereits auf Erden zu verdienten Hölle macht.

Die Annährung der beiden Hauptfiguren macht nicht nur einen beachtlichen Teil der weiteren Geschichte aus, sondern auch einen Reiz des Buches. Larsson nimmt sich nicht nur Zeit, seine Geschichte auszubreiten, sondern entwickelt sie auch Stück für Stück nachvollziehbar und dennoch spannend. Selbst die zunächst frustierende Suche Blomkvist hat - auch aufgrund ihrer realistischen "Zähigkeit", die an David Finchers "Zodiac" erinnert - eine Sogwirkung auf den Leser, der ihn von Seite zu Seite Kapitel um Kapitel weiterzieht. Dazu trägt bei, daß die Hauptfiguren - allen voran Lisbeth Salander - sorgfältig ausgearbeitete Persönlichkeiten sind, deren Wesen und Hintergrund für den Leser stets genauso reizvoll sind wie das Rätsel, das sie ergründen, und die Gegenspieler, denen sie schließlich auf die Pelle rücken werden. Dabei führt Larsson seine Leser tiefer und tiefer in ein Reich der Finsternis, das gleich neben dem bürgerlichen liegt und glatt der Serie "MillenniuM" entsprungen sein könnte. Ohne daß seine Sozialkritik je aufdringlich wird, schildert Larsson dabei eindrucksvoll die Auswüchse einer Gesellschaft, in der hasserfüllte Männer ihre Begierden nach Macht hemmungslos ausleben (können) - sei es nun im Privat- oder im Wirtschaftsleben.

Wenig nimmt es da Wunder, daß die "Millennium-Trilogie" inzwischen - sehr erfolgreich - verfilmt worden ist. Erstaunlicherweise wurde dabei nicht nur der düstere Unterton der Vorlage gut getroffen, auch die zum Teil erschreckenden Wendungen in der Handlung sind geblieben. Wenn auch zurückhaltend in der Darstellung, haben sie doch ihre Schockwirkung behalten. Besonders im Gedächtnis bleiben aber die beiden Hauptfiguren, denen Michael Nyqvist und Noomi Rapace stets treffsicher Gesicht verleihen. Letztere hat dabei dank der eindruckvollen Vorarbeit wenig Mühe eine Frauenfigur zu schaffen, die wohl zu einer Ikone der Filmgeschichte werden wird, verschmiltzt aber derart rücksichtslos mit ihrer Figur, daß sie bereits allein den ganzen Film tragen könnte. Auch ohne die - wenn auch den Fokus auf die Ergründung von Harriets Schicksal legende - fesselnde Geschichte, die stets stimmige, mal atemlos bedrückende, mal fast heitere, dann wieder niederschmetternde Atmosphäre und die gelungenen fiesen und schauerigen Thrillermomente.

Schweden mag mitunter ein brutal-finsteres Land sein. Aber es schlägt seine Nachbarn mit seinen Geschichten in den Bann.

Und wer weiß. Vielleicht gebe ich Kommissar Wallander nochmal eine Chance, wenn Mikael und Lisbeth ihre Ermittlungen beendet haben.
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Donnerstag, 7. Januar 2010

Magie in 3D

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Nachdem ich James Camerons neustes Werk Avatar zunächst auf einer ganz gewöhnlichen Leinwand gesehen habe, besuchte ich eine zweite Vorstellung in einem 3D-Kino.

Es war - schlicht und einfach gesagt - ein Erlebnis.

Wie sicherlich ein Großteil der Zuschauer, die noch keinen Film im neuen 3D gesehen haben, war auch am Anfang skeptisch, ob die neue Technologie das Filmerlebnis wirklich aufwerten würde. Und der Umstand, daß ich sowieso Brillenträger bin, kam erschwerend hinzu. Denn bei den alten Rot-Grün-Verfahren waren die dünnen Brillen weder mit noch ohne zusätzliche Brillen angenehm zu tragen. Doch bereits nach Aushändigung der Real-D-Brillen zerstreuten sich diese Bedenken. Zwar ist es etwas gewöhnungsbedürftig, zwei Brillen gleichzeitig auf der Nase zu haben, und mitunter mußte ich während des Films etwas nachjustieren. Aber das bin ich bereits gewöhnt.

Und bereits während der zahlreichen Trailer konnte das Publikum einen ersten Eindruck davon gewinnen, welche zusätzlichen Möglichkeiten 3D bietet. Aber erst, als der Hauptfilm anliefert, wurde aus dem Interesse Begeisterung.

Nun ist bereits der 2D-Film überaus tiefscharf und von plastischer Schärfe. Aber als Jake Sully (Sam Worthington), der Protagonist der nächsten etwa 150 Minuten Abenteuer-Sci-Fi-Geschichte, aus seinem Schlafsarg hinaus in einen langen Saal an Bord eines Raumschiffs schwebt, ist die Illusion, als Zuschauer gerade tatsächlich anwesend zu sein, perfekt. Und damit ein Moment makelloser Kinomagie geschaffen.

Aber dabei bleibt es nicht. Zwar wirkt nicht in jeder Szene das 3D-Verfahren gleichermaßen spektakulär, aber insbesondere dann, wenn die Kamera die Augen eines fiktiven Zeugens der Handlung imitiert, wird der Zuschauer förmlich ins Geschehen gesogen und völlig gefangen.

Daran sind nicht so sehr die Handlung und die Charaktere beteiligt. Denn die erste ist recht vorhersehbar. Jake Sullys Mission auf dem Planeten Pandora besteht nämlich darin, das Vertrauen der dortigen Ureinwohner, der Na´vi, zu erlangen, wozu er ob der für Menschen giftigen Atmosphäre den titelgebenden Avatar mittels Gedankenkraft steuert. Und es gehört nicht viel dazu vorherzusehen, daß seine Loyalität bald schwanken wird, bieten ihm die Na´vi mit ihrer Naturverbundenheit eine Alternative zu seinem bisherigen, gescheiterten und trostlosen Leben. Und zudem die Aussicht auf eine selbstbewußte und hübsche Frau für´s Leben. Zweitens war und ist originelle Charakterzeichnung noch nie Camerons Stärke. Und so wundert es nicht, daß von der klugen, starrköpfigen Wissenschaftlerin, über den edlen Konkurrenten unter den Na´vi und über den kernigen und konfliktbereiten General bis hin zum kalten und gewinnfixierten Geschäftsmann alle Archetypen vertreten sind, die eine Geschichte vom Wandel eines Menschen benötigt. Aber ähnlich wie schon bei Titanic umschifft der Film geschickt schlimme Klicheeklippen und erzählte seine Geschichte so, daß die einzelnen Handlungen der Figuren immer nachvollziehbar und menschlich bleiben. Daß Kapital und Militär in der Geschichte dabei die Rolle der Bösewichte zukommt, liegt dabei weniger als ihnen als solchen, sondern vielmehr an ihrer Unfähigkeit, den Planeten Pandora als etwas anderes als eine Rohstoffquelle oder eine Bedrohung zu sehen. Für die Schönheit und den wahren Wert der Welt haben sie kein Auge.

Dafür umso mehr der Zuschauer, der gemeinsam mit dem mehr und mehr verzauberten Jake in eine fremde, unbekannte, gefahrenreiche, aber letztlich wunderbare Welt entführt wird, in der er von Augenöffner zu Augenöffner geführt wird. Die überaus sehenswerten Spezialeffekte - insbesondere in der Darstellung der Na´vi und der Flora und Fauna Pandoras - unterstützen dabei jederzeit die Illusion der Kinomagier von WETA Workshop und ILM. War Mittelerde schon ein Ort voller Niegesehendem, legt Pandora die Meßlatte noch ein Stück höher und wird zur neuen Referenz. Gerade diese Art von Magie in Verbindung mit dem 3D-Zauber ist denn auch das wahre Herzstück des Films, sorgt er doch dafür, daß sämtliche Abenteuerszenen des Filmes wie Jakes Jagdausflüge auf Pandora und sein Ritt auf einem Urwalddrachen absolut mitreißend in Szene gesetzt sind. Da ist es verständlich, daß die emotionale Bindung zu den Charakteren zunächst auf der Strecke bleibt. Doch spätestens im Finale fiebert der Zuschauer mit den Na´vi, die gemeinsam mit Jake um die Zukunft ihrer Welt kämpfen mit.

Und wird sicherlich gerührt, wenn Neytiri (Zoë Saldaña) und Jake sich auf eine Weise ihre gegenseitige Liebe gestehen, welche mühelos die Botschaft vermittelt, daß Liebe jede Grenze überwindet, ohne dabei plakativ zu werden.

Wenn die zukünftigen Filme die neue Kinomagie mit neuen Geschichten zu unterhaltsamen, mitreißenden und nachdenklichen Gesamtwerken vereinen, ist die Zukunft der Lichtzauberhäuser gesichert. Avatar zeigt dabei die richtige Marschroute an - und läßt doch Luft für Verbesserungen nach oben. Ein Meilenstein der Kinogeschichte wird er trotzdem werden.
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