Code Delphi. Hier anfangen.
Nachdem ich nach dem Kinobesuch von Verblendung Feuer für die "Millennium"-Trilogie von Stieg Larson gefangen hatte, dauerte es zwar ein bißchen, bis ich mir von einem Freund die beiden Nachfolger zur Lektüre ausgeliehen habe. Dafür habe ich sie dafür umso schneller verschlungen. Obwohl ich zwischendurch die eine oder andere Zwangspause eingelegt habe, um mir vor Spannung nicht den Magen zu verderben.
Denn in Verdammnis (im Original: Flickan som lekte med elden; also: Das Mädchen spielt mit dem Feuer) gerät Larssons originell emanzipierte Frauenfigur Lisbeth Salander schon bald unter Feuer. Und zwar von Seiten der Presse und der Polizei. Denn sie wird der Ermordung dreier Menschen beschuldigt und bald vorverurteilt. Allein Mikael "Kalle" Blomkvist glaubt an ihre Unschuld, zumal er über eine Rechersche seiner Zeitschrift "Millennium" in den mysteriösen Mordfall verwickelt wird und damit bald Hintergründe erkennt, welche sowohl der Presse, die Lisbeth rasch als "psychisch gestörte satanische Lesbe" abstempelt, als auch der Polizei, die durch innere Machtkämpfe und Behinderungen von Seiten anderer Regierungsstellen gelähmt wird, entgehen. Die Spur führt in die Vergangenheit der genialen Hackerin. Und damit geradewegs in eine neue, fast noch schwärzere Dunkelheit als jene, die sich bereits in Verblendung über Schweden legte. Während Larsson in Band 1 noch mit einer Mischung aus Serienmörder-und Witschafts-Krimi seine Leser schockierte und fesselte, entfaltet sich Band 2 als Spionage-Krimi und Familien-Drama mitsamt Anleihen an Quentin Tarantinos Kill Bill und einer zünftigen Verschwörung innerhalb der Regierung. Oder zumindest eines kleinen Zirkels innerhalb der Regierung. Da wundert es dann nicht, dass das ungeleiche Ermittler-Paar mitunter an die beiden Agenten aus den X-Files erinnert. Auch wenn weder Scully noch Mulder jemals so glaubwürdig unter Mordverdacht standen wie Lisbeth. Denn Larsson sät sogar im Leser Zweifel, ob nicht doch die eigensinnige Punkerin für die Taten verantwortlich ist. Und verschafft ihr im gleichen Atemzug wiederum Sympathien, wenn er sein Thema von Männern aufnimmt, die Frauen hassen und ihnen deshalb die erbärmlichsten und die scheußlichsten Dinge antun. Ob es Pressevertreter sind, die Anderssein nicht akzeptieren können, Polizisten, die mit Machoallüren ermitteln oder Ehemänner, die ihre Frauen unterdrücken - stets wird der Männerwelt ein Spiegel vorgehalten, der sie in wenig schmeichelhaftem Licht zeigt. Da Larsson gerade dabei aber stets im Rahmen des Realistischen bleibt, ist seine Sozialkritik stets treffend und berechtigt.
Die Spionage-Story hingegen gerät mitunter an den Rand von abgedrehten James-Bond-Geschichten. Vielleicht ist das aber auch dem Thema selbst geschuldet. Denn in der ruhigen und insgesamt gelungenden Verfilmung wirken viel der Szenen auch weniger aufgekratzt und reißerisch als im Buch. Diese Bodenständigkeit ist auch der besonderen Gabe von Michael Nyqvist und Noomi Rapace zu verdanken, welche die beiden außergewöhnlichen Vorlagen mit wahrem Leben füllen. Leider versäumt es der Film, sowohl der Arbeit der Polizei als auch der Treibjagd der Presse den entsprechenden Raum zu geben, die einen beträchtlichen Teil der Spannung und der Aussage des Buches ausmachen. So bleibt zwar ein sehenswertes Drama, aber der Krimi- und Sozialkritikanteil bleibt etwas auf der Strecke.
Und das mindert die Hitze des Feuers, mit welcher das Mädchen so eindrucksvoll und kühn spielt, dann doch etwas.
Code Delphi. Hier aufhören.
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Nachdem ich nach dem Kinobesuch von Verblendung Feuer für die "Millennium"-Trilogie von Stieg Larson gefangen hatte, dauerte es zwar ein bißchen, bis ich mir von einem Freund die beiden Nachfolger zur Lektüre ausgeliehen habe. Dafür habe ich sie dafür umso schneller verschlungen. Obwohl ich zwischendurch die eine oder andere Zwangspause eingelegt habe, um mir vor Spannung nicht den Magen zu verderben.
Denn in Verdammnis (im Original: Flickan som lekte med elden; also: Das Mädchen spielt mit dem Feuer) gerät Larssons originell emanzipierte Frauenfigur Lisbeth Salander schon bald unter Feuer. Und zwar von Seiten der Presse und der Polizei. Denn sie wird der Ermordung dreier Menschen beschuldigt und bald vorverurteilt. Allein Mikael "Kalle" Blomkvist glaubt an ihre Unschuld, zumal er über eine Rechersche seiner Zeitschrift "Millennium" in den mysteriösen Mordfall verwickelt wird und damit bald Hintergründe erkennt, welche sowohl der Presse, die Lisbeth rasch als "psychisch gestörte satanische Lesbe" abstempelt, als auch der Polizei, die durch innere Machtkämpfe und Behinderungen von Seiten anderer Regierungsstellen gelähmt wird, entgehen. Die Spur führt in die Vergangenheit der genialen Hackerin. Und damit geradewegs in eine neue, fast noch schwärzere Dunkelheit als jene, die sich bereits in Verblendung über Schweden legte. Während Larsson in Band 1 noch mit einer Mischung aus Serienmörder-und Witschafts-Krimi seine Leser schockierte und fesselte, entfaltet sich Band 2 als Spionage-Krimi und Familien-Drama mitsamt Anleihen an Quentin Tarantinos Kill Bill und einer zünftigen Verschwörung innerhalb der Regierung. Oder zumindest eines kleinen Zirkels innerhalb der Regierung. Da wundert es dann nicht, dass das ungeleiche Ermittler-Paar mitunter an die beiden Agenten aus den X-Files erinnert. Auch wenn weder Scully noch Mulder jemals so glaubwürdig unter Mordverdacht standen wie Lisbeth. Denn Larsson sät sogar im Leser Zweifel, ob nicht doch die eigensinnige Punkerin für die Taten verantwortlich ist. Und verschafft ihr im gleichen Atemzug wiederum Sympathien, wenn er sein Thema von Männern aufnimmt, die Frauen hassen und ihnen deshalb die erbärmlichsten und die scheußlichsten Dinge antun. Ob es Pressevertreter sind, die Anderssein nicht akzeptieren können, Polizisten, die mit Machoallüren ermitteln oder Ehemänner, die ihre Frauen unterdrücken - stets wird der Männerwelt ein Spiegel vorgehalten, der sie in wenig schmeichelhaftem Licht zeigt. Da Larsson gerade dabei aber stets im Rahmen des Realistischen bleibt, ist seine Sozialkritik stets treffend und berechtigt.
Die Spionage-Story hingegen gerät mitunter an den Rand von abgedrehten James-Bond-Geschichten. Vielleicht ist das aber auch dem Thema selbst geschuldet. Denn in der ruhigen und insgesamt gelungenden Verfilmung wirken viel der Szenen auch weniger aufgekratzt und reißerisch als im Buch. Diese Bodenständigkeit ist auch der besonderen Gabe von Michael Nyqvist und Noomi Rapace zu verdanken, welche die beiden außergewöhnlichen Vorlagen mit wahrem Leben füllen. Leider versäumt es der Film, sowohl der Arbeit der Polizei als auch der Treibjagd der Presse den entsprechenden Raum zu geben, die einen beträchtlichen Teil der Spannung und der Aussage des Buches ausmachen. So bleibt zwar ein sehenswertes Drama, aber der Krimi- und Sozialkritikanteil bleibt etwas auf der Strecke.
Und das mindert die Hitze des Feuers, mit welcher das Mädchen so eindrucksvoll und kühn spielt, dann doch etwas.
Code Delphi. Hier aufhören.