Montag, 28. September 2009

Tigerenten an der Macht

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Zugegeben, die Bezeichnung "Tigerenten"-Koalition für das kommende Bündnis aus CDU und FDP läßt etwas vom Ernst vermissen, welcher der gegenwärtigen Krisenlage angemessen wäre. Aber wenn schon Verkehrslichtzeichen oder karibische Staaten als Namensgeber für Koalitionen herhalten müssen, warum dann nicht auch kuschelige Tierchen?

Zumal die tatsächlich neue Koalition angesichts ihrer vielfältigen Herausforderungen nicht nur selbst ein bißchen Humor gebrauchen kann.

Humor wird wohl auch deshalb gebraucht, weil sicherlich dem einen oder anderen, der die Neuen nicht gewählt hat, angesichts der kommenden Politik etwas das Lachen vergehen wird. So zum Beispiel den etwa 1,9 Millionen ehemaligen SPD-Wählern, die lieber zu Hause geblieben sind, anstatt ihre Partei zu wählen. Vielleicht mit dem Hintergedanken, ihrer Partei für die als unangemessen empfundene Politik der letzten Jahre einen Denkzettel zu verpassen. Es mag sich erweisen, daß diese Politik noch sehr zahm und nett war, verglichen mit dem, was die neue Koalition aushecken wird. Die SPD als letzter Puffer sozusagen. Das wäre fast tragisch.

Ich jedenfalls hätte dann doch nicht gedacht, daß der SPD soviele Stimmen versagt bleiben. Vor vier Jahren wußten die Wähler wenigstens, was Schwarz/ Gelb wollte. Jetzt kann der Wähler es nur ahnen. Böses Erwachen inklusive. Da habe ich mehr Verhinderungswillen erwartet. Insofern hat der inhaltsleere Wahlkampf der Kanzlerin seinen Zweck erfüllte. Und ich habe eine echte Fehldiagnose abgeliefert. Mal sehen, ob meine nächste Einschätzung das Kommende besser abbildet.

Für die schwer angeschlagene "alte Tante" SPD ist das Wählervotum nach meinem Dafürhalten nämlich nur eine zeitweise Niederlage. Sie kann zunächst auf der Oppositionsbank Platz nehmen und durchatmen. Und solange sie dem Impuls widersteht, sich mit einer überflüssigen Personaldebatte in die Schlagzeilen zu quengeln, kann sie dem alten Koalitionspartner dabeizusehen, wie der vom neuen, nun sehr selbstbewußten Partner munter getrieben wird. Ganz so wie einst die Linken die SPD trieben. Und dabei im Licht der Schlagzeilen um ihr eigenes Profil kämpfen und sich gegen allzu forsche Ideen der FDP stemmen muss. Denn so wie ich die FDP einschätze, wird sie nicht mir angezogener Handbremse regieren wollen. Dem Ziel des einstmals verlachten "Projekt 18" bis auf drei Prozentpunkte nahegekommen und mit der Überlegung im Kopf, daß sich in den nächsten vier Jahren der Wind wieder drehen könnte, werden die Liberalen Gas geben, um möglichst viele ihrer Ziele umzusetzen. Sie wären auch kurzsichtig, wenn sie dies nicht tun würden. Denn in dieser Koalition hängt ihr weiterer Erfolg maßgeblich davon ab, daß sie als eigenständige Kraft wahrgenommen werden. Sonst bleiben die gewonnenen Stimmen letztlich nur Leihstimmen. Angesichts der schwachen Abschneidens der CSU hat die FDP aber auch die Möglichkeit dazu, sind sie doch nicht länger ein Appendix, sondern ein notwendiger Partner.

Die Unannehmlichkeiten, welche die neue Koalition auf den Weg bringen wird und bringen muß, wird das Störfeuer der Linken, aber auch der Grünen von der SPD ablenken. Zeit also für Wundheilung und Grabenüberwindung. Zeit für Neuorientierung und Kräftesammln. Insofern ist die Zeit auf der Oppositionsbank nicht notwendig verlorene Zeit. Es kommt darauf an, was daraus gemacht wird. So könnte aus der Niederlage vielleicht 2013 ein Sieg werden. Und sich die Erkenntnis einstellen, daß Opposition der "Großen" Koalition doch vorzuziehen ist.

Und dann haben die Tigerenten beim nächsten Mal vielleicht das Nachsehen.
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Donnerstag, 24. September 2009

Verschworen, um zu täuschen

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Eines möchte ich gleich am Anfang klarstellen. Ich mag Verschwörungstheorien. Nicht nur wegen ihres Unterhaltungspotentials. Ich halte die Wahrheitsfindung für einen manchmal langwierigen und ressourcenintensiven, aber stets notwendigen Prozeß. Und ich bin mir im klaren darüber, daß sich die Wahrheit in einigen Fällen nur aufdecken läßt, indem zunächst eine kühne und unwahrscheinliche These aufgestellt wird, die dann mittels einer Antithese zur Synthese geführt wird.

Leider wird diese einfache Form der Wahrheitsfindung mitunter in der Berichterstattung freundlich formuliert ignoriert. Thesen bringen mehr Aufmerksamkeit als Synthesen. Und daß Regierungen - insbesondere die der USA - immer wieder für die Rolle eines passablen Bösewichts taugen, beweist ein Blick in die Kino- und Büchercharts. Zeit, an zwei Beispielen den schwierigen Wahrheitsfindungsprozeß nachzuholen...

Fangen wir mit dem Mond an. Leider war ich bei der Mondlandung noch nicht geboren. Ich hätte sie als Sci-Fi-Fan bestimmt mit großen Augen am Fernseher verfolgt. Und mich im Nachhin sicher geärgert, daß die deutschen Moderatoren die historischen Worte von Neil Armstrong überplappert haben. An der Echtheit der Mondlandung selbst hätte ich allerdings nie gezweifelt.

Was andere allerdings getan haben. Im Netz haben diese Zweifel schließlich auch ein neues Zuhause gefunden. Wer allerdings denkt, daß die Mondlandung - aus welchen Gründen auch immer - nur ein Fake war, den belehrt ein gewisser Phil Plait auf seiner Bad Astronomy Website gern eines Besseren. Und zerlegt gleichzeitg Hollywood-Film in ihre Einzelteile, wenn sie Schindluder mit der Wissenschaft treiben.

Warum ich ihm glaube? Ich bin sicher nicht wissenschaftshörig. Aber für stichhaltige Argumente zugänglich. Und die sprechen eher dafür, daß die Amis den Russen tatsächlich mal was voraus hatten und auf dem Mond gelandet sind. Und sie die geheimen Mondbasen der Nazis deshalb nicht gefunden haben, weil es dort oben keine gab.

Ungleich schwieirg gestaltet sich die Wahrheitsfindung im Fall des 11. September 2001. Zumal es um ein tatsächliches Verbrechen geht und nicht um wissenschaftlichen Fortschritt. Das erfordert zum einen aber einen gewissen Anstand gegenüber den Opfern - was bestimmte absurde Theorien von vorherein ausschließen sollte - und zum anderen natürlich sorgfältige Ermittlungen - was dazu führen sollte, daß die Untersuchungen auf soviele Quellen wie möglich zugreifen kann. Also auch auf die eine oder andere, welche eine Regierung gerne als "Top Secret" bezeichnet.

Nun entsteht gerade durch den Wunsch einer Regierung nach Geheimhaltung in vielen Fällen von Verschwörungstheorien erst gerade der Verdacht, die Regierung hätte etwas zu verschweigen. Und wenn es auch nur die eigene Unfähigkeit war, in der Situation das Richtige zur richtigen Zeit zu tun. Und wenn eine Regierung - wie die unter Präsident George W. Bush - die Öffentlichkeit dann tatsächlich täuscht - siehe Atom-, Bio- und Chemiewaffenarsenal des Irak - leidet ihre Glaubwürdigkeit. Aber lügt und betrügt sie deshalb stets?

Auch zu diesem Thema blühen im Netz die Verschwörungstheorien. Etwas anderes wäre auch nicht zu erwarten. Als Beispiel für viele möge der Film "Unter falscher Flagge" dienen. Leider auch als Beispiel, wie Meinungen und Behauptungen als Thesen in die Welt gestellt werden, ohne sie an einer Antithese zu reiben. Und auch als Beispiel wie aus einer einfachen Fragestellung im Laufe von etwas über einer Stunde ein Haufen von abenteuerlich reißerischen Thesen darüber wird, was die Regierung unter Herrn Bush sonst noch so geplant hat oder hätte. Agent Mulder hätte seine Freude daran gehabt.

Aber wahrscheinlich hätte ihn Agent Scully mit wissenschaftlichen Fakten auf den Boden zurückgeholt. Im richtigen Leben übernimmt das sehr genau und ausführlich Popular Mechanics. Und obwohl ich bei Akte X meistens auf der Seite von Mulder stand, glaube ich im wahren Leben doch lieber der Stimme der Vernunft. Insbesondere dann, wenn sie an Synthesen interessiert ist.

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Mittwoch, 23. September 2009

Nur für's Protokoll

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Zwar fiebern meine Mitbürger am heutigen Abend erstmal der Ziehung der Lottozahlen entgegen, weil ein Jackpot mit rund 30 Millionen Euro auf eine Schar glücklicher Gewinner wartet, aber richtig wichtig ist dieses Ereignis natürlich nur für die wenigen, deren Leben sich durch diese Summe nachhaltig verändern könnte.

Ungleich relevanter ist natürlich, wer Deutschland ab dem 27. September regieren wird. Na ja, genau genommen irgendwann nach der Wahl des Bundeskanzlers. Aber ich will mich nicht um ein paar Tage streiten. Denn nach meinem Dafürhalten steht die neue Koalition bereits fest.

Es wird die alte aus CDU und SPD sein.

Warum?

Weil erstens Frau Merkel kein richtiger guter Grund für eine Koalition mit der FDP einfällt - siehe Fernsehduell. In einer schwarz-gelben Koalition müßte sie zudem führen, doch die staatsmännische Moderation liegt ihr einfach mehr.
Zweitens weil Herr Steinmeier weiß, daß Opposition Mist ist, wird die SPD einen Weg finden, an der Macht zu bleiben. Und mangels aussichtsreichem Bündnispartnern - schließlich wird eine Koalition mit den ganz linken Ex-Genossen abgelehnt - bleibt nur die CDU.
Und weil drittens die FDP, Die Grünen und Die Linken keiner Drei-Parteien-Koalition zugestimmt haben und wohl auch nicht zustimmen werden. Da diese Parteien noch ein klares Profil haben, bestehen bei ihnen auch noch Unterschiede.

So einfach ist das.

Wählen gehen sollte der Wähler trotzdem. Denn wenn die Demokratie aus den Köpfen verschwindet, ist sie irgendwann weg. Hilfe bei der Wahlentscheidung gibt der Wahl-o-Mat.

So einfach kann Politik sein. Und jetzt drück ich die Daumen für den Lotto-Jackpot.
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Freitag, 11. September 2009

Der September wird grausig...

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Wenn im Herbst die Blätter welken, starten in den USA die neuen Seasons erfolgreicher Fernsehserien. Darunter natürlich auch einige meiner Favoriten.

Und da ich es gerne dunkel, mysteriös und schaurig mag, dürfte es keinen verwundern, daß ich mein Augenmerk eher auf die weniger fröhlichen Fortsetzungen lege.

Vorsicht! Spoiler Warnung!

Bei Supernatural stehen die Zeichen dieses Jahr auf Sturm. Denn es hat alles den Anschein, daß in der fünften und letzten Staffel niemand Geringeres als der Höllenfürst selbst der Gegner von Dean und Sam Winchester ist. Wer die Serie kennt, der ahnt, daß es auch diesen Herbst so manche böse Überraschung im Kampf gegen das Böse geben wird...

Der passende Trailer fängt jedenfalls die düstere Stimmung mit einem Augenzwinkern ein.


Der ungewöhnliche Serienmörder Dexter wird in der neuen vierten Staffel jedenfalls vor alte und neue Herausforderungen gestellt. Einerseits ist da immer noch sein dunkler Passagier und sein stetiger Trieb, Mörder zur Strecke zu bringen, welche dem System entkommen sind. Andererseits ist Dexter jetzt mit einer liebenswerten Familie verheiratet und Vater eines knuddligen Sohnes. Daß dieses Spannungsfeld Dexter in manche Schwierigkeiten bringen wird, läßt sich leicht erahnen. Aber der Trailer verspricht noch sehr viel mehr...


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Freitag, 4. September 2009

Gleichberechtigte Enthüllungen

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Es wäre nicht so, daß die neusten Enthüllungen auf Seite 1 der BILD ein Kaufargument für diese Loseblattsammlung wären. Aber bemerkenswert finde ich es dennoch, daß seit einigen Tagen nicht (halb-)nackte Damen, sondern (halb-)nackte Herren im unteren Seitenbereich was für´s Auge bieten. Gleichberechtigung kann so schön sein.

Wie die ganze Sache mit dem "BILD-Boy" anfing und wer sich da schon so alles präsentiert hat, läßt sich (noch) bei BILD Online nachlesen nachlesen, inklusive den zum Teil sehr peinlichen - und daher ungeheuer witzigen - Leserkommentaren wie
"Ich bin geschockt. Wie soll man das seinen Kindern erklären? Ich kaufe keine BILD mehr. Das versaut mir das Frühstück."
Ich könnte jetzt einige pädagogisch wertvolle Erklärungsmodelle anbringen, spare mir das aber lieber für private Nachfragen auf. Denke allerdings, daß es eine Menge sehr viel erklärungsbedürftigere Möglichkeiten gibt, auf der ersten Seite zu landen, als sich auszuziehen...

Und ansonsten gilt natürlich weiterhin, daß sich gerade bei der BILD eine fundierte Quellenkritik immer noch lohnt. Wenn auch inzwischen andere Printmedien nicht zu Unrecht ihren Weg in den "Watch Blog" gefunden haben. Wie verkündete der Fernseher VOX zu seinen seligen Anfangszeiten zu den Werbepausen noch gleich? Richtig. Mißtraue den Medien. Die Ironie ist zwar bei dem Sender leider längst verkocht worden. Aber an der Richtigkeit der Warnung ändern auch gleichberechtigte nackte Tatsachen nichts.
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