Sonntag, 30. August 2009

Lesen als Abenteuer

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Früher verging kaum ein Monat, in welchem ich nicht einen Wälzer mit einer fantastischen Geschichte verschlungen habe. In den letzten Jahren ist mein jährlicher Buchkonsum mehr und mehr gesunken. Was zum einen damit zusammenhängen dürfte, daß ich neben meinem Beruf mit meinem diversen Online-Daseinsformen und meiner Liebe zu Fernsehserien zeitmäßig recht ausgelastet bin, zum anderen aber auch damit, daß heute unter einer Trilogie bei Fantasy-Serien eigentlich nichts mehr geht. Ob es für die Geschichte nun erforderlich ist oder nicht.

Um so schöner, wenn sich plötzlich ein Buch findet, in dem auf knapp 500 Seiten ein Wortfeuerwerk vor den Augen des Leser durchgezündelt wird, das in punkto Komposition, Farbigkeit, Tempowechsel und Abwechslung winzigwenig zu wünschen übrig läßt – und sich gleichsam nebenbei noch über den gesamten Literaturbetrieb in treffender Weise lustig macht.

Die Rede ist von Hildegunst von Mythenmetz´ biographischem Roman Die Stadt der Träumenden Bücher, von keinem Geringeren als Walter Moers ins Deutsch übertragen und überaus reichhaftig und kunstvoll illustriert.

Der Autor dieser hochvergnüglichen Seiten gehört zum Volk von flugunfähigen, aber auf dem Gebiet des Schreibens, Lesens und Rezitierens hochbegabten Lindwürmern. Seine Reise durch die fantastische Welt Zamonien nimmt ihren Anfang auf der Lindwurmfeste (wolkenhoch und uneinnehmbar), als sein hochverehrter Dichtpate Danzelot von Silbendrechsler verstirbt und dem Trauernden wenig mehr hinterläßt als ein zehnseitiges, leicht vergilbtes und stockfleckiges Manuskript. Das hat es freilich in sich. Denn niemals zuvor hat der junge Lindwurm, obgleich ausgesprochen belesen, ein solches Meisterwerk in den Händen gehalten, welches es versteht, ihn mal zu Tränen zu rühren, mal Stürme der Begeisterung auszulösen und mal nahezu hysterische Lachsalven aus ihm herauszukitzeln. Schließlich faßt Hildegunst den Entschluß, den Urheber dieser Schrift in Buchhaim aufzuspüren – der Literaturmetropole Zamoniens schlechthin. Was freilich nur beim ersten Darübernachdenken eine gute Idee ist. Denn an diesem Ort ist das Lesen noch ein echtes Abenteuer, eine waghalsige Unternehmung mit höchst ungewissem und vielleicht fatalem Ausgang also. Nichts für Kamilleteetrinker, Turnbeutelvergesser und Vollkaskoversicherte. Denn nicht nur Buchjäger, Trompaunenkonzerte, gefährliche Bücher, eine finstere Verschwörung, die Labyrinthe unter Buchhaim und die Buchlinge verwickeln den jungen Dichter in ein haarsträubendes Abenteuer nach dem nächsten. Schließlich begegnet er auch noch dem überaus schrecklichen Schattenkönig in Schloß Schattenhall selbst. Und kommt auch noch in den Besitz des Blutigen Buches. Wahrhaft schauerliche Ereignisse also, die dem Leser da zugemutet werden. Zum Glück werden Personen mit schwachen Nerven gleich auf der ersten Seite eindrücklich vor der Lektüre gewarnt.

Daß Walter Moers einen sehr schrägen Humor besitzt, war mir aufgrund der Lektüre diverser Kleiner Arschloch und Adolf – Die Nazisau Comics schon bekannt. Als großartigen Geschichtenerzähler wäre er mir dennoch beinahe durch die Lappen gegangen. Denn „Die Stadt der Träumenden Bücher“ ist auf jeder Seite durch und durch lesenswert. Nicht nur wegen der stets vergnüglichen und spannenden Handlung, den kurios-liebenswerten Charakteren und den schaurig-schönen Schauplätzen. Sondern vor allem wegen der Sprachgewalt, der Jonglierkunst und des Wortwitzes, welche in diesem Buch dargeboten werden. Nebenbei spöttelt und philosophiert Moers über gute und schlechte Literatur, lebende und tote Dichter und Literaten, Kritiker und Verleger und die Liebe zu Büchern. Dabei überschlagen sich die Ideen und Witze förmlich, ohne daß der Autor seinen lakonischen Ton verlieren würde. Nichts bringt ihn wirklich aus der Fassung. Und selbst im Angesicht des schlimmsten Schrecken weiß er noch eine lehrreiche Bemerkung über gutes Geschichtenerzählen einzuflechten – denn nichts mehr und nichts weniger macht er schließlich die ganze Zeit. Insofern stellt sich nicht die Frage ob, sondern wie Hildegunst all den tollkühnen und abenteuerlichen Situationen entgeht – und was er daraus lernt. Gut möglich, daß Hildegunst am Ende eine ganze Menge von jenem unbekannten Meisterpoeten mitgenommen hat, nach welchem er suchte.

Ich für meinen Teil weiß jetzt jedenfalls, wie gute Geschichten beginnen (und aufhören), daß dicke Bücher (und Trilogien) deshalb so dick sind, weil der Autor nicht die Zeit hatte, sich kurz zu fassen und daß bibliophile Menschen nach Lektüre dieses Buches lieber Buchlinge denn Bücherwürmer sein wollen. Aber ich werde nicht verraten, warum. Das muß sich schon jeder selbst erlesen. Wenn er sich denn traut.
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Donnerstag, 6. August 2009

Du hast eine sehr wichtige Verabredung...

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Nachdem ich im Kino den zwar storymäßig eher dünnen, dafür in Bezug auf Aktion und Spezialeffekte ziemlich starken Transformers - Die Rache über mich hinwegdonnern ließ und dabei für zwei Stunden und ein paar Minuten ordentlich unterhalten wurde, entschloß ich mich, mal zu prüfen, ob es Neuigkeiten von dem Film gibt, auf den ich mich zur Zeit am meisten freue.

Und siehe da: es gibt bei YouTube einen ersten Trailer zu Tim Burton´s Alice in Wonderland.

Und was könnte ich noch sagen außer: anschauen, staunen, nochmal anschauen.
Langsam, ganz langsam die Vorfreude auf den 05.03.2010 einläuten. Aber nichts überstürzen. Es ist noch eine Weile hin...
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Mittwoch, 5. August 2009

Wer hat uns verraten?

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Die SPD hat´s nicht leicht. Gerade hab ich bei Spiegel Online gelesen, daß die Partei bei der neusten Forsa-Umfrage gerade mal 20 Prozent der Wählerstimmen erhalten würde. Und das alles nur wegen eines Dienstwagen, der sich unerlaubt von seiner Ministerin entfernt hat? Upps. Das könnte ein schwarz-gelbes Erwachen geben am 28. September.

Aber warum bloß ist die SPD so tief gefallen? Vielleicht gibt es kleines Lied Aufschluß, das zwar schon ein gutes Jahr auf dem Buckel hat und "trotzdem [...] irgendwie in unsere Tage" (Textauszug) paßt.


Nach dem was eine kurze Suche über den Herrn Marc-Uwe Kling so zu Tage förderte, scheint mir der Sänger nicht die Speerspitze der Konservativen zu sein. Eher ein frustierter (Ex-)Wähler, der seinen Gefühlen textliche Gestalt verleiht. So gelungen im übrigen, daß mir das Lied seit Tagen nicht aus dem Kopf geht.

Die Kommentare bei YouTube zu diesem Song sind - dies sei noch angemerkt - zwar nicht alle lesenswert, aber ihren durchgehenden Tenor, daß es sich nicht lohnen würde, ein solches Lied über die CDU zu verfassen (oder gar zu singen!), weil die wenigstens zu den "Grausamkeiten" in ihrem Wahlprogramm stünde, fand ich dann doch schon sehr aussagekräftig.
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Samstag, 1. August 2009

Mystery-Serien - ergründet (Teil 2)

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Obwohl ich inzwischen außer am "Mystery-Montag" (den Pro7 seit letzter Woche genau so bezeichent) kaum noch fernsehe, ist mein Interesse an Mystery-Serien ungebrochen. Und auch wenn die Hochzeit der Mystery-Serien vorbei scheint, gibt es noch genügend Serien, die zumindest Elemente der Klassiker übernehmen, um den Zuschauer in seltsame Gefilde der Phantasie zu entführen...

Auch wenn ich ursprünglich eigentlich noch einen kleinen Einblick in die Vergangenheit der Mystery-Serie geben wollte, verlangt die Vielzahl an aktuellen Serien geradezu danach mit diesem Vorsatz zu brechen und zuerst in der Gegenwart zu verweilen... auch wenn es noch so schwer fällt.

Daß das Verweilen in einer Zeitebene mitunter mit Schwierigkeiten verbunden sein kann, wurde in der 5. Staffel von LOST eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die Serie über eine Gruppe von Überlebenen, die sich nach einem mysteriösen Flugzeugabsturz auf einer sehr, sehr seltsamen Insel wiederfinden, ist heute schon ein Klassiker des Genres. Ich gedenke, für die neuen Folgen noch kleine Artikel zu schreiben, falls es der Konsum der übrigen neuen Serien zuläßt...

Quasi als Nachfolger zu Lost drängt sich zunächst Fringe ins Bewußtsein, da diese Serie über ein Ermittlerteam des FBI, welches bizarre Grenzfälle der Wissenschaft untersucht, von den Lost-macher erdacht wurde. Die Stichworte "FBI" und "Mystery" lassen den Zuschauer natürlich gleich an The X-Files denken. Und tatsächlich gibt es auch bei Fringe eine ominöse Verschwörung, deren Ziel zunächst unklar sind. Deutlich wird nur, "daß jemand rumexperimentiert, wobei die ganze Welt das Versuchslabor ist" (O-Ton aus der Serie). Special Agent Olivia Dunham (Anna Torv) wird von ihrem Vorgesetzten Agent Phillip Broyles (Lance Reddick; Matthew Abaddon aus "LOST") beauftragt, zusammen mit dem exzentrischen Wissenschafter Dr. Walter Bishop (John Noble; Denethor aus "Der Herr der Ringe-Trilogie") und dessen Sohn Peter (Joshua Jackson; Pacey Witter aus "Dawson´s Creek) aus sogenannte "Schema" zu erforschen, welches sich in zunächst unerklärlichen und stets bedrohlichen Phänomenen äußert, welche zu einer Reihe von Todesfällen innerhalb der Bevölkerungen führen (und damit in die Zuständigkeit des FBIs fallen). Anders als bei "The X-Files" sind die anfangs gesichtslosen Verschwörer aber nicht Teil der Regierung, sondern (scheinbar) die mehr oder minder klassischen "mad scientists", die für skrupellose Großkonzerne auf Kosten von unschuldigen Menschen forschen. Oder auch nicht. Denn das schauerliche Treiben dient möglicherweise dazu, eine noch größere Katastrophe abzuwenden.

An die Qualität des Vorbilds kommt "Fringe" in der ersten Staffel noch nicht heran. Das liegt zum einen an den Fällen, die zwar deutlich Science-Fiction sind, für die aber - zum Teil haarsträubende - Erklärungen gegeben, nach denen sie heute schon umsetzbar wäre. Die Prämisse, daß eine Reihe von Wissenschaftler (unabhängig von einander) eine ganze Reihe von erfolgreichen Durchbrüchen in Grenzwissenschaften gelungen sein soll, ist nicht so leicht zu schlucken, zumal die Serie ansonsten Wert darauf legt, im Hier und Jetzt zu spielen und nicht in einem Alternativuniversum. Das wurde bei "The X-Files" einfach klüger gelöst, indem entweder bizarre Mutationen oder Alientechnologie ins Feld geführt wurden, welche sich außerhalb des menschlichen Erklärungshorizontes bewegten.
Zum anderen springt anders als bei Agent Mulder und Agent Scully der Funke bei den Hauptfiguren von Fringe nicht gleich auf das Publikum über. Agent Dunham ist - zumindest in den ersten Folgen - viel zu unnahbar, um Symphatien zu wecken. Dr. Bishop ist ein Übergenie, dessen geistige Aussetzer zwischen aufgesetzt und peinlich schwanken und keinerlei Kontinuität besitzen. Dazu kommt der Umstand, daß sich dieser Mann scheinbar in allen Grenzwissenschaften auszukennen scheint, was noch unglaubwürdiger ist als sein Charakterhintergrund. Und Peter Bishops Motivation ist eingangs ebenso rätselhaft wie sein Wert für das Team.
Im Laufe der Zeit verbessert sich zwar die Charakterzeichnung, aber die einzelnen Handlungsstränge vermögen noch nicht so recht zu überzeugen, so daß der Serie zwar Potential zugestanden werden kann, aber auch ein weiter Weg bis zu einer wirklich guten Serie. Da war LOST bereits nach einer halben Staffel weiter.

Weiter ist auch eine Serie, die von den X-Akten eher Stimmung und den "Monster-der-Woche"-Aspekt übernommen hat. Die Rede ist von Supernatural, welches bereits 4. Staffel umfaßt und sich stetig von Jahr zu Jahr gesteigert hat. Erzählt wird die Geschichte der beiden ungleichen Brüder Dean (Jensen Ackles) und Sam Winchester (Jared Padalecki), deren Vater die beiden zu Geisterjägern ausgebildet hat. Was beim ersten Hören etwas albern klingt, aber im Universum der Serie durchaus eine kluge Berufswahl ist, da Amerika von all den grausigen Geschöpfen des gothischen Horrors bewohnt wird, vor denen sich der Zuschauer als kleines Kind gefürchtet hat. Wenn hier ein kleiner Junge ein Monster unter seinem Bett vermutet, stellt sich nicht die Frage nach seiner Existenz, sondern danach, wie es am besten bekämpft wird.
Wobei es sich die Macher nicht nehmen lassen, den Geistern und Dämonen einen der Serien eigenen Hintergrund zu verpassen, so daß den Zuschauer zwar bekannte Schauergestalten erwarten, er aber zunächst im Unklaren darüber gelassen wird, welche inzwischen bekannte Mythologie denn nun wirklich gilt. Das verleiht der Serie ihre eigene Originalität.

Die Episodenhaftigkeit der Serie funktioniert in der ersten Staffel besser als bei Fringe, obwohl der rote Faden zunächst ebenfalls etwas dünn ist. Denn die Suche der beiden Brüder nach ihrem Vater, der auf der Jagd nach dem Dämon, welcher einst ihre Mutter tötete, verschollen ist, dient zunächst lediglich dazu, die einzelnen Fälle miteinander zu verknüpfen, bringt aber die eigentliche Geschichte nicht voran. Dafür etabiliert die Serie in den ersten Folgen einige Grundlagen, was den Kampf gegen Dämonen und rachsüchtige Geister angeht und baut dabei eine Atmosphäre auf, die sowohl an die "X-Files" als auch an "Millennium" erinnert. Was schon aufgrund der Tatsache nicht überrascht, daß ein stattlicher Teil der Crew von "Supernatural" vorher bei diesen Serien gearbeitet hat. Genau dieses kunstvolle Erzeugen einer charakteristischen Stimmung, der rockige und sehr dynamische Soundtrack und die schutzig-dunklen Bilder einer finsteren Version der USA machen die Erlebnisse der beiden Brüder bereits sehenswert, bevor die Serie von Staffel zu Staffel einen Gang zulegt. Dabei kommt der erzählten Geschichte der Umstand zugute, daß die Autoren mutig jeder Versuchung widerstehen, Klichees überzustrapzieren und sowohl ihre eigenen Regeln wie auch die des Fernsehens überhaupt kunstvoll zu brechen. Einige Storywendungen sind so schockierend, daß dem Zuschauer das kalte Grauen über den Rücken fährt.
Und damit erfüllt "Supernatural" die Erwartung, die man ans Unheimliche un Mysteriöse stellen kann.
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