Mittwoch, 13. Mai 2009

Von Schurken und Helden

Code Delphi. Hier anfangen.
Einer der Gründe für meine Bewunderung für LOST liegt in den eigentlich einfachen Momenten, in denen diese Serie ihre treuen Zuschauer eben für diesen Charakterzug belohnt. Solcherlei ist für mich inzwischen ein Unterscheidungskriterium zwischen einer "guten" und einer "sehr guten" Serie. Denn wenn ich eine Serie schaue, dann will ich sie lieben. Und ich bin glücklich, wenn meine Liebe auf diese Weise "erwidert" wird.

Season 5 Episode 8 – LaFleur
Während zu Beginn der Folge vordergründig die Erlebnisse der vier noch übrigen Zeitspringer Miles, Jin, Juliet und James (nicht länger Saywer!) erzählt werden, erklärt eine kurze Einstellung, wie je mysteriöse Statue einst ausgesehen hat, die Sayid, Sun und Jin einst auf ihrer Fahrt zum Lager der „Other“ gesehen haben... die mit den vier Zehen. Die Statue saht irgendwie ägyptisch aus und schien so etwas wie ein Ankh in den Händen zu halten... ein Hinweis auf die erste menschliche Besiedlung der Insel... Ägypter? Oder ein noch geheimnisvolleres Volk aus den Anfängen der Menschheit, das der Sage nach auf der Insel... Atlantis lebte...?

Könnte das die Erklärung für alle die offenen Fragen sein?

Zunächst führt uns eine Texttafel drei Jahre in die Zukunft. Ich finde diese Tafeln zwar manchmal ganz hilfreich, halte sie aber inzwischen für unnötig und unpassend. Denn in den ersten vier Staffeln mussten wir Zuschauer auch ohne direkte Hinweise auf die zeitliche Einordnung auskommen. Wir lernen auf Kleinigkeiten wie Handys, Lieder, Frisuren und Andeutungen zu achten. Locke hat noch Haare? Dann befinden wir uns in der Vergangenheit... Jack hat einen Bart... nahe Zukunft...

Sei´s drum. Daß die Ereignisse im Lager der Dharma Initiative irgendwann zwischen den Anfängen der Initiative und dem „Purge“ liegen, hätten wir auch so gewußt – für die Siebziger spricht schon der Bart vom Sicherheitsmann Jerry. Daß ausgerechnet Saywer, der Betrüger zum Chef der Sicherheit werden würde... wer hätte das gedacht. Ich nicht. Andererseits war es (der Legende nach) bereits im Wilden Western üblich, daß der Sheriff ein mehr oder weniger geläuteter Halunke war. Und noch in unserer Zeit wird ja gerne gewitzelt, daß sich die Organe der Rechtspflege von den Verbrechern gar nicht so sehr unterscheiden. Die Einführung mit den beiden Sicherheitsleuten, die verängstigt und sorgenvoll nachts um 03.00 Uhr ihren Chef wecken gehen, war jedenfalls ein komödiantischer Höhepunkt.

Und natürlich macht sich der LOST-Fan um schwangere Frauen wie Amy sogleich Sorgen. Zu gut ist uns schließlich in Erinnerung, daß Frauen auf der Insel keine Kinder zur Welt bringen können, sondern vorher sterben... Moment... Amy scheint bereits im neunten Monat schwanger zu sein... das paßt nicht. Es hat den Anschein, daß was immer für den merkwürdigen Umstand verantwortlich ist, auf etwas basiert, daß erst später eingetreten ist. Zwar tauchte bereits in der ersten Folge der Staffel ein kleines Kind auf, von dem aber nicht bekannt war, ob es auf der Insel geboren wurde, oder nicht. Jetzt erleben wir eine Geburt auf der Insel mit, die zwar kompliziert ist, aber von Juliet schließlich erfolgreich bewältigt wird. Für diesen Charakter ist die ganze Szene ein Moment der Reinigung von der Hilflosigkeit, die er zuvor bei jedem Tod einer Mutter erfahren hat. So undurchschaubar und berechnend Juliet auch während der 3. Staffel gewesen ist, so aufrichtig und ehrlich war sie stets um das Wohl werdender Mütter besorgt. Und es ist fast spürbar – auch dank der schauspielerischen Leistung von Elizabeth Mitchell – wie sehr Juliet nach diesem Ereignis wieder zu sich selbst findet.

Daß es James gelingen würde, nach der Errettung von Amy (welch beherzte Heldenaktion!) der Dharma Initiative eine glaubwürdige Geschichte zu präsentieren, stand für mich gleich außer Zweifel. Denn nicht ohne Grund wurde der Charakter auch durch seine Hintergrundsgeschichte als vortrefflicher Lügner porträtiert. Und wie es sich für einen wirklich guten Lügner gehört, mischt James geschickt dreiste Lügen mit richtigen Informationen zusammen. Die Wahl der „Black Rock“ verweist nicht nur kunstvoll auf das ehemalige Sklavenschiff, das als Dynamitlager bereits eine Rolle gespielt hat, sondern paßt auch zu James, der schließlich an Bord des Schiffes seinen – wenn auch ungleich brutaleren Moment der Reinigung erfahren hat. Und die Übernahme von Verantwortung, als Richard Alpert im Lager auftaucht, zeigt deutlich, wie sehr sich der Charakter von James Ford im Laufe der Zeit entwickelt hat. War er früher ein in sich gekehrter, mürrischer Einzelgänger, ist er im Laufe der Zeit zu einem Anführer, wenn nicht sogar zu einem Helden geworden. Ich habe das Gefühl, daß James wesentlich die weitere Entwicklung mitgestalten wird. Die Zeiten, in denen Saywer Alleingänge unternahm, weil er weder Locke noch Jack so richtig folgen wollte, scheinen jedenfalls vorbei. Jetzt folgen die Überlebenden James.

Es wird interessant zu sehen, wie sich die Rückkehr von Jack und Kate auf den neuen "Jim LaFleur" auswirkt. Ich drücke jedenfalls die Daumen, daß Kate ihn und Juliet nicht auseinander bringt. Die beiden passen nicht nur optisch – als Blumenkinder – besser zusammen, sondern auch von ihren Persönlichkeit. Und bei aller Probleme und Meinungsverschiedenheiten passen eigentlich Jack und Kate besser zusammen... aber im Gegensatz zu Juliet und James waren ihre drei letzten Jahre weniger glücklich.

Fast wirkt es wie eine bittere Ironie, daß Locke nur die schlimmen Ereignisse auf der Insel mitbekommen hat. Nach der Beendigung der Zeitsprünge ist das Leben wieder besser geworden... und findet jetzt im Jahre 1977 statt. Ich wette, es hat eine besondere Bewandtnis mit diesem Jahr. Es kann kein Zufall sein, daß Hurley, Kate und Jack ausgerechnet in diesem Jahr gelandet sind.

Bemerkenswerte Zitate:
Juliet/ Miles: How long do we wait?
James: As long as it takes.
Er gehört eher zu der „man of faith“ - Fraktion. Nur glaubt er an seine Freunde und nicht unbedingt an die „Insel“.

Miles: Or maybe when we get there you´ll... you´ll wanna go back to the Orchid again. And then when that gets boring, we can head back to the beach. It´s the only two plans you people have.
Immer witzig, wenn sich ein Charakter indirekt über die Handlung lustig macht. There and back again. Wobei... in „New Othertown“ waren die Überlebenden auch schon das eine oder andere Mal. Na ja, die Insel bietet nur eine begrenzte Menge geeigneter Unterkünfte. Und die Swan Station scheint es noch nicht zu geben.

Daniel: „The record is spinning again. We´re just not on the song we wanna be on.“
Temporalphysik für Dummies, Teil 2. Sehr unterhaltsam. Aber Moment... wo ist Daniel eigentlich im Jahr 1977?

James: He´s okay? She´s okay?
Juliet: Everybody´s okay.
Sie eingeschlossen. Bei diesen Worten war ich aufrichtig gerührt. Ich mag diesen Charakter einfach.

Charakterhintergrund:
  • Paul, Amys verstorbener Ehemann, trug ein Ankh bei sich, als er starb. Anscheinend bedeutete ihm dieser Gegenstand sehr viel, da ihn Horace gleich mit Paul in Verbindung bringt und sich mit seiner hochschwangeren Frau darüber streitet. Pauls Körper wurde von Richard Alpert als Wiedergutmachung für den Bruch der Waffenruhe eingefordert. Ein sehr seltsamer Preis, selbst für LOST-Verhältnisse.
  • Jim LaFleur ist angeblich der Kapitän eines Bergungsschiff aus Tahiti, welches nach dem Sklavenschiff „Black Rock“ aus Portmouth, England suchte und in einem Sturm auf ein Riff lief. Der Umstand, daß einige Besatzungsmitglieder verschwunden sind, soll die Suche im Dschungel erklären. Beeindruckend wie James aus den verschiedenen Geschichten, die er gehört hat, eine geschickte Lüge spinnt. Interessant auch, daß Horace sie nicht überprüfen läßt.


Code Delphi. Hier aufhören.
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Freitag, 1. Mai 2009

Zurück auf die Insel?

Code Delphi. Hier anfangen.
Das Rennen zwischen mir und der wöchentlichen Ausstrahlung neuer Folgen meiner Lieblingsserie sieht zur Zeit nicht gut für mich aus. Aber sowie die Oper nicht vorbei ist, bevor nicht die dicke Frau gesungen hat, ist ein Wettkampf nicht vor der letzten Runde entschieden. Also auf zur nächsten Runde bei...

LOST

Season 5 Episode 6 - 316
Bereits zum Anfang der Episode stellte sich bei mir wohlige Gänsehaut ein. Denn natürlich erinnert Jack´ Erwachsen im Dschungel nicht von ungefähr an die ersten Momente auf der Insel damals in Staffel 1. Wieder der Bambuswald, wieder das Spiel von Licht und Schatten. Wieder folgt Jack instinktiv Hilferufen. Und doch ist dieses Mal einiges anders. Jack rettet keinen Unbekannten aus dem Wasser eines vertrauten Sees. Er ist es, der Kate hilft, nicht umgekehrt. Genauso wenig wie Hurley und Kate scheint er unfreiwillig abgestürzt – es war seine Entscheidung. Oder etwa nicht?

Welche Umstände Kate und Hurley zum Umdenken gebracht haben, verschweigen die Autoren zunächst. Aber daran habe ich längst gewöhnt. Für mich gehört es zum Besonderen von LOST, wie die Geschichten erzählt werden. In anderen Serie wäre die Rückkehr auf die Insel wahrscheinlich erst zur Mitte der Staffel hin erfolgt. Nicht so bei LOST. Wieder wird mit Erwartungen gespielt. Der Zuschauer glaubt, die Art und Weise der Rückkehr auf die Insel sei eine Herausforderung, die erst mühsam bewältigt werden muss? Er irrt. Nachdem sich fünf der Oceanic Six entschlossen haben, gemeinsam nach der Insel zu suchen, ist es – nach Überwindungen einiger Hindernisse bei der möglichst genauen Rekonstruktion der ursprünglichen Bedingungen - fast zu einfach. Mehr Gewicht wird auf die Gründe für die Figuren gelegt, ihr neues Leben aufzugeben und das zurückgelassene auf der Insel wieder aufzunehmen. Zunächst erfahren wir nur Jacks Grund – eine Mischung aus Schuldgefühlen gegenüber John und der Verpflichtung gegenüber Miss Hawking, die ihm deutlich macht, was er noch tun muss, um zurückzukehren und ihn quasi zum Anführer bestimmt. Wie schon zuvor trägt Jack die Verantwortung, doch dieses Mal gewinnen wir den Eindruck, daß er sich nicht mehr so wie früher den Winken des Schicksals entgegenstellt. Zwar zögert er damit, eine Sache zu finden und in Johns Sarg zu legen, die früher seinem Vater gehörte. Aber als das Schicksal (oder der Zufall?) einen solchen in die Hände spielt, zögert er nicht mit der Durchführung. Und wenn es auch noch so verrückt zu sein scheint. Welche Gründe auch immer Kate für ihren Standpunktwechsel haben mag, sie haben mit Aaron zu tun, von dem sich Kate getrennt hat. Und sie dankt Jack dafür, daß er sie nicht danach fragen wird, was aus seinem Neffen geworden ist. Sicher wird eine spätere Folge dieses Geheimnis lüften, fest zu halten bleibt, daß Kate weiterhin von Gefühlen getrieben wird, die sie mit dem Mann, den sie liebt, nicht teilen kann. Das zieht sich wie ein roter Faden durch sämtliche ihrer Beziehungen.

Daß Sun zurückkehrt, weil sie Jin am Leben wähnt, verwundert nicht, auch nicht, daß sie ihre Tochter nicht mitnimmt. Aber es ist anzunehmen, daß sie nicht vorhat, auf der Insel zu bleiben. Wie schon zuvor, hat sie auch dieses Mal eine eigene Einstellung, auch wenn sie das nicht zeigt. Ganz im Gegensatz zu Jack, Hurley, Sayid und Kate hat sie ein Leben außerhalb der Insel und hatte sich mit Jins Tod und dem Gedanken an Rache an Ben bereits eingerichtet. Ich habe wiederum das Gefühl, daß sie sich nicht nur aus dem Grund auf den Flug begibt, den sie Jack offenbart. Will sie doch noch Rache an Ben nehmen für die Jahre ihrer Qual? Arbeitet sie für Charles Widmore? Ich werde sie im Auge behalten.

Hurley wirkt mit seinem Gitarrenkoffer und seiner Kleidung wie eine Hommage an Charlie. Was sicher sein Beitrag zur Rekonstruktion des Fluges war und aufgrund der Freundschaft der beiden ein sehr rührender. Ich bin mir sicher, daß es ein „Walking Dead“ war, der Hurley mit Instruktionen versorgte. Vielleicht hat ihn auch Walt besucht – das spanische Comic war jedenfalls ein Bezug auf ihn.

Überhaupt lebte die Szene im Flugzeug von den vielen Bezügen an den ersten Flug. Wieder wurde das Thema der Verknüpfung von Schicksalen aufgegriffen sowie das Thema der Wiederholung von bestimmten Ereignissen, in anderem Kontext. Ben kommt fast zu spät, wie beim ersten Mal Hurley. Sayid wird gefesselt an Bord geführt und ist in Begleitung einer Wächterin (beim ersten Mal waren die Rollen mit Kate und dem Marschall vertauscht), Jack hat einen Brief dabei wie einst Saywer.

Als sich dann noch Frank über Bordfunk als Kapitän vorstellte, schloss sich für mich der Kreis dieser Erzählung. Diese Minuten an Bord gehörten für mich zu dem Tiefgründigsten, was ich seit langem im Fernsehen geschaut habe. Natürlich kann dies alles Zufall sein. Vielleicht ist es auch Schicksal. So oder so waren die Szenen großartig geschrieben. Allein die Visualisierung der Szene, in der sechs ehemals Fremde in einem fast leeren Abteil sitzen und eine gemeinsame Erfahrung der Ungewißheit – jeder auf seine Weise teilen, spürte nur so vor Magie. LOST wird wohl nie eine eindeutige Antwort darauf geben, denn die Wahrheit liegt wohl im Auge des Betrachters. Jack hat gelernt, daß er durch aus die Wahl hat – dieses Mal entscheidet er sich dafür zu glauben. Sowie der ungläubige Thomas, der die Wunden Christi erst berühren mußte, um die Geschichte der Auferstehung zu glauben. Es ist ironisch, daß dies aber seine freie und eigene Entscheidung ist. Und das machte die ganze Szene unvergeßlich.

Bemerkenswerte Zitate:
Eloise Hawking: „Oh, stop thinking how ridiculous it is and start asking yourself whether or not you believe it´s going to work. That´s why it´s called a leap of faith, Jack.“

Jack: „So was he?“
Ben: „Of course he was. We´re all convinced sooner or later, Jack.“

Jack: „How can you read?“
Ben: „My mother taught me.“
Er lügt, ohne rot zu werden. Denn seine Mutter ist bei seiner Geburt gestorben.

Charakterhintergrund:
  • Jack hat einen Großvater namens Ray, der im Heim lebt und immer wieder mit dem Gedanken spielt, dieses zu verlassen. Ganz anderes als Jack scheint dieser an Wundern und Magie eine fast kindliche Freude zu haben.
  • Hurley leistet sich den Traum eines jeden Menschen, der von Wohlstand träumt: Ein Flugzeugabteil (fast) für sich allein. Natürlich ist der Grund, daß Hurley 78 Plätze auf seinen Namen reservieren läßt, ein ganz anderer. Er will die Zahl betroffener Unbeteiligter so gering wie möglich halten. Gut nachgedacht, Hurley. Wie so oft.
  • Kate trinkt ihren Kaffee mit Milch und zwei Stücken Zucker. Wääh! Ich mag das Zeug nur schwarz. Wie Agent Cooper. Süß und blond ist nicht mein Ding.
  • Jin ist nun – wann immer das ist – Mitglied der Dharma Initiative und fährt einen blauen, neuen VW Bully. Entweder ist die Initiative heimlich auf die Insel zurückkehrt oder... Jack, Kate und Hurley sind durch das weiße Leuchten in die Vergangenheit geschleudert worden!

Sollte das möglich sein? Mal sehen, ob wir es schon in der nächsten Folge erfahren oder wieder auf die Folter gespannt werden...

Season 5 Episode 7 – The Life and Death of Jeremy Bentham
Ich hatte schon vermutet, daß zunächst nicht geklärt wird, wann und wo sich die Rückkehrer befinden. Schließlich wartet eine weitaus spannendere Frage auf eine Antwort: was ist mit John Locke alias Jeremy Bentham nach der Rückkehr auf die Insel passiert?

Die erste Antwort hat mich zunächst geschockt: John lebt! Ich hatte angenommen, daß zunächst nur der leere Sarg gefunden wird. Insofern war ich nicht überrascht, daß es zunächst keine Erklärung dafür gibt, warum John plötzlich wieder am Leben ist – und sich daran erinnern kann, gestorben zu sein. Die Szene am Strand mit den Überlebenden von Flug 316 wirkte wie eine Neuinszenierung des Absturzes von Flug 815. Doch dieses Mal war die Szene von Anfang bedrohlich und vom Mißtrauen Caesers und Ilanas gegenüber Locke geprägt. Mir ist erst beim zweiten Schauen deutlich geworden, daß sich Ilana und Caeser bereits gut zu kennen scheinen. Und Caeser durchsucht ein Büro der Dharma Initiative, so alles habe er eine Ahnung von dem, was er wohl finden könnte. Und er belügt – sehr trickreich – Ilana, was den Fund der Schrotflinte angeht. Das kann nichts gutes in einer Serie bedeuten, in der Schußwaffen die Haupttodesursache für Charaktere sind. Aber ich habe seltsamerweise keine Angst um John. Dieser wirkt in seinem Anzug so lässig und sich sich ruhend, als wandle er auf dem Weg der Vorhersehung.

Die Boote am Strand sind uns bereits aus der Folge „The Little Prince“ bekannt, was neben der Wasserflasche der Ajira Airlines nun den Verdacht nahelegt, daß die Zeitreisenden eines dieser Boote entwendet haben – warum allerdings die Überlebenden von Flug 316 deshalb auf sie schließen sollten, entzieht sich bisher meinem Verständnis. Daß das dritte Boot von Frank und Sun genommen wurde, ist mir allerdings jetzt schon klar – sie wollten sicher zur Hauptinsel zurück, um Jin und die anderen zu suchen. Ich nehme an, daß Flug 316 auf der Nebeninsel abgestürzt ist, auf welcher sich die Hydra-Station befindet.

Johns beziehungsweise Jeremys Versuch, die Oceanic 6 zur Rückkehr zu überreden, scheitern zu sehen, war schmerzlich. Denn es machte mir deutlich, wie schwach Johns Autorität tatsächlich ist. Nachdem John durch eine seltsame – oder notwendige (?) - Fügung außerhalb der Insel wieder auf einen Rollstuhl angewiesen ist, behandelt ihn jeder von oben herab, wenn auch irgendwie höflich, aber doch ablehnend. Sayid versucht seinen Frieden durch wohltätige Arbeit aufrechtzuerhalten, Kate wirft Locke vor, nie jemanden geliebt zu haben und deshalb zurückkehren zu wollen, Jack will ihm nicht glauben, daß der Vater, von dem er nun endlich Abschied genommen hat, immer noch lebt und Hugo mißtraut ihm ab dem Augenblick, als John gesteht, mit wem er zusammenarbeitet. Denn Charles Widmore versucht, John auf seine Seite zu ziehen, indem er ihm hilft, seine Freunde zu kontaktieren und ihm seinen Handlager, Mister Abaddon, zur Seite stellt und ihm gegenüber behauptet, die Insel bräuchte ihn. Ich habe den Verdacht, daß es vor allem Charles Widmore ist, der John braucht. Nachdem sein Team von Killer und seine Bootsladung C4 Benjamin Linus nicht von seiner Position entfernen konnten, versucht er nun über John auf die Insel und ihre Wunder zuzugreifen. Ich habe das Gefühl, daß Charles Widmore die Kontrolle entglitten ist. Das paßt zu der Darstellung in „Jughead“, als es Desmond war, der den Informationsfluß und das Gespräch bestimmte. Doch Widmore ist abgebrüht genug, um sich das nicht anmerken zu lassen, und Abaddon ist ein perfektes Werkzeug, um John dorthin zu bringen, wo er wirklich gebraucht wird.

Das ist natürlich nicht an der Seite von Johns alter Liebe Helen. Ich habe nicht erwartet, daß John ihr begegnen würde. Ich möchte stattdessen glauben, daß sie wirklich an einem Gehirnaneurysma gestorben ist und nicht etwa ermordet wurde. Aber das anzunehmen wäre wohl etwas paranoid. Schließlich konnten weder Ben noch Charles wissen, daß sie eines Tages einen verzweifelten John Locke brauchen würden.

Einen, der bereit ist, eine Selbsttötung zu begehen, um seine Aufgabe vielleicht doch noch zu erfüllen. Und obwohl ich darauf vorbereitet war, daß John sich das Leben nimmt, hat mich doch die ganze Inszenierung emotional überrollt. Das mag an meiner Sympathie für den Charakter liegen, vielleicht auch einfach daran, daß es eine unendlich traurige Art ist, aus dem Leben zu scheiden und einen Grad von Verzweiflung voraussetzt, den ich keinem Menschen wünsche. Die Szene ging unter die Haut. Als Ben plötzlich am Schauplatz auftauchte und John aufhielt, wurde mir mit Grausen klar, daß er versuchen würde John zu ermorden – und in der nächsten Sekunde realisierte ich, daß es ihm gelingen würde! Danach verfolgte ich den restlichen Akt mit atemloser Anspannung. Nun ist klar, woher Ben von Eloise Hawking erfahren hat. Und daß er keineswegs bereit ist, John tatsächlich die Anführerposition über die anderen zu überlassen. Er betrachtet ihn als Rivalen, und deshalb tötet er ihn, als die Gelegenheit dazu hat. Die Wendung ergibt vollkommen Sinn, wenn man Bens manipulierenden Charakter einbezieht. Und schließlich hat Ben durch sein Verhalten die Ereignisse auf der Insel sogar willentlich in Kauf genommen, als er und nicht John das Zeitrad drehte. Eine Entscheidung, die er durch den Mord ebenfalls zu vertuschen sucht.

Stellt sich die Frage, wie der wiedererweckte John nun mit Ben verfahren wird. Ich habe das Gefühl, daß Johns Reaktion eher bedacht und überlegt sein wird. Denn ganz augenscheinlich ist nun Ben in einer misslichen Lage...

Bemerkenswerte Zitate:

John: „This is the best mango I´ve ever eaten.“
Und er hat eine Menge gegessen, wie wir wissen.

John: Why would you help me?
Charles Widmore: „Because there´s a war coming, John. And if you´re not back on the island when that happens, the wrong side is going to win.“

John: „He´s the man who killed me.“

Charakterhintergrund:
  • Jeremy Bentham war angeblich Kanadier, in New York am 15. Februar 1948 geboren. Sein Pass wurde am 12. Dezember 2007 ausgestellt. Wahrscheinlich ist das der Tag an, welchem John ihn bekommt.
  • Sayid Farrah arbeitete nach seiner Rückkehr für eine Zeit in Santo Domingo bei einem Hilfsprojekt mit dem Namen „Build our world“ und spricht inzwischen (?) auch Spanisch.
  • Jack arbeitet wieder als Arzt und scheint seinem besonderen Talent wieder gerecht zu werden. Noch glaubt er Johns Behauptung nicht, daß sein Vater noch leben soll. Erst nach dem Besuch bei Hurley und den Erscheinungen wird er beginnen, ihm zu glauben. Doch dann ist es zu spät für John. Kein Wunder, daß ihn Lockes Tod so mitnimmt.
  • Matthhew Abaddon reiht sich neben Martin Kaemi in die Reihen von Widmores Handlagern ein, die von Ben oder auf Bens Anweisung hin, getötet wurden. Der Krieg, von dem Widmore spricht, findet definitiv zwischen ihm und Linus statt. Sind das alle Parteien?

Code Delphi. Hier aufhören.
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