Code Delphi. Hier anfangen.
Wenn es um das Erschaffen von Traumwelten geht, bietet sich das Kino als erzählerisches Medium geradezu an. Ein Bild oder eine kurze Sequenz können eine ganze Welt zum Leben erwecken, die so nur in unseren Köpfen existieren kann. Die Gesetze von Raum und Zeit lösen sich auf, wenn die Traumfabrik Hollywood ihre Maschinen anwirft. So weit, so bekannt.
Was aber passiert, wenn ein Filmarchitekt wie Christopher Nolan die Erschaffung von geträumten Realitäten wörtlich nimmt?
Zunächst wird aus dem Vagen etwas Konkretes: der Film Inception nämlich. Der erzählt die Geschichte von Dom Cobb (Leonardo DiCaprio), einem Spezialisten für eine besondere Art von krimineller Unternehmung. Cobb stiehlt die Ideen mächtiger Unternehmer und zwar dann, wenn ihr Verstand besonders anfällig für Manipulation ist; nämlich während sie schlafen und träumen. Dazu entwirft er mit seinen Komplizen ein Szenario, welches das Opfer seines Beutezuges mit seinen - auch gerade unterbewußten - Wünschen und Geheimnissen füllt. Und über die Interpretation des mittels einer Maschine gemeinsam erlebten Traumes kann der Traumdieb dann das Objekt seiner Begierde aufspüren. Das klingt zunächst ziemlich verkopft und auch etwas haarsträubend, wird aber in den ersten Minuten des Films anschaulich und durchdacht erklärt; ganz so wie Christopher Nolan bereits in Prestige - Die Meister der Magie aufgeschlüsselt hat, wie ein guter Zaubertrick aufgebaut ist.
Und so weiß der Zuschauer ziemlich gut, nach welchen Regeln sich die Träume verhalten, in den sich er zusammen mit den Hauptpersonen innerhalb der nächsten zwei Stunden bewegen wird. Erfreulicherweise wird gleich zu Anfang das wohl albernste Traum-Klischee von allen entsorgt. Denn wer im Traum "stirbt", ist in der Realität natürlich keinesfalls tot, sondern wacht gegebenfalls mit ziemlichen Schmerzen auf. Was zwar unangenehm, aber auf den ersten Blick nicht sonderlich problematisch ist. Zunächst auch nicht für Cobb und seine Trauminfiltratoren, bis diese den Auftrag erhalten, ein Meisterstück in Sachen Traumverbrechen abzuliefern. Sie sollen nämlich die titelgebende Inception durchführen, also nicht eine Idee stehlen, sondern in das Unterbewußtsein eines anderen Menschen einpflanzen, und zwar so, daß dieser sie für seine eigene hält. Und an dieser Stelle beginnt der Film sein volles Potential als klassisches Heist-Movie auszuspielen. Denn natürlich verläuft auch dieses Mal nicht alles nach Plan. Was angesichts der Tatsache auch nicht verwundern kann, daß Traäume eine eigene Logik haben, die mitunter die realen Erfahrungen auf den Kopf stellt, daß das - insbesondere mit anderen Menschen geteilte - Unterbewußtsein ein Ort von verdrängten Gefühlen und Ängsten ist und daß angesichts von verschiedenen Traumebenen mit vertrackter Architektur bald nicht mehr sicher ist, was geträumt ist und was nicht. Die Realität wirkt ja auch so mitunter irreal genug. Auch ohne Traumelemente.
Zumal auch die Welt der Träume Abgründe bietet, die noch unerforscht, geheimnisvoll, erschreckend und bedrohlich sind. Und so wird aus dem interessanten Film-Kontrukt in der zweiten Hälfte ein cleverer und spannungsgeladener Thriller, der seine Zuschauer immer wieder auffordert mittels der etablierten Regeln am Ball zu bleiben und sich Gedanken darüber zu machen, wie das Geschehen auf der Leinwand zu interpretieren ist. Ähnlich wie der Film über die Bühnenmagier fordert Nolan seine Zuschauer auch dieses Mal dazu auf, genau hinzusehen, ohne dabei auf billige Taschenspielertricks zurückzugreifen, so daß er ihnen stets auf Augenhöhe begegnet. Wer gut aufpasst, darf manche Handlungswendung bereits vorausahnen, um derweil darüber nachzudenken, welche Aussage das Traumkonstrukt eigentlich über die eigene Wirklichkeit und ihr Erleben aufstellt.
Mitreißend wird diese Traumfilmerfahrung aber insbesondere durch das meisterhafte und handwerkliche Geschick des Films. Die Bildsprache ist überwältigend und ideenreich, die Schauspieler - deren Rollen ganz wie in Träumen eher Archetypen sind - glaubhaft, die Musik eindringlich und handlungsrelevant und die Spezialeffekte sind als solche kaum erkennbar. Diese Gesamtkomposition macht den Film auch über die geschickt konstruierte und verschachtelte Story hinaus (wieder-)sehenswert. Da ist es zu verschmerzen, daß die dargestellen Träume nicht das volle Panoptikum nächtlicher Bilderfluten ausnutzen, sondern sich in "realen" Welten zutragen, denen dann ein Hauch der Andersartigkeit verliehen wird. Ein Mehr hätte den Zuschauer vielleicht auch schlicht wie ein Güterzug überrollt.
Und den schönen Traum zum Platzen gebracht. So hat der Film genau die richtige Mischung, so daß das musikalische "Aufwecksignal" nicht Bedauern, sondern Zufriedenheit beim Betrachter auslöst. Und ihn trotzdem dazu bringen wird, sich noch mal kurz in den Arm zu kneifen. Man kann ja nie wissen...
Code Delphi. Hier aufhören.
Wenn es um das Erschaffen von Traumwelten geht, bietet sich das Kino als erzählerisches Medium geradezu an. Ein Bild oder eine kurze Sequenz können eine ganze Welt zum Leben erwecken, die so nur in unseren Köpfen existieren kann. Die Gesetze von Raum und Zeit lösen sich auf, wenn die Traumfabrik Hollywood ihre Maschinen anwirft. So weit, so bekannt.
Was aber passiert, wenn ein Filmarchitekt wie Christopher Nolan die Erschaffung von geträumten Realitäten wörtlich nimmt?
Zunächst wird aus dem Vagen etwas Konkretes: der Film Inception nämlich. Der erzählt die Geschichte von Dom Cobb (Leonardo DiCaprio), einem Spezialisten für eine besondere Art von krimineller Unternehmung. Cobb stiehlt die Ideen mächtiger Unternehmer und zwar dann, wenn ihr Verstand besonders anfällig für Manipulation ist; nämlich während sie schlafen und träumen. Dazu entwirft er mit seinen Komplizen ein Szenario, welches das Opfer seines Beutezuges mit seinen - auch gerade unterbewußten - Wünschen und Geheimnissen füllt. Und über die Interpretation des mittels einer Maschine gemeinsam erlebten Traumes kann der Traumdieb dann das Objekt seiner Begierde aufspüren. Das klingt zunächst ziemlich verkopft und auch etwas haarsträubend, wird aber in den ersten Minuten des Films anschaulich und durchdacht erklärt; ganz so wie Christopher Nolan bereits in Prestige - Die Meister der Magie aufgeschlüsselt hat, wie ein guter Zaubertrick aufgebaut ist.
Und so weiß der Zuschauer ziemlich gut, nach welchen Regeln sich die Träume verhalten, in den sich er zusammen mit den Hauptpersonen innerhalb der nächsten zwei Stunden bewegen wird. Erfreulicherweise wird gleich zu Anfang das wohl albernste Traum-Klischee von allen entsorgt. Denn wer im Traum "stirbt", ist in der Realität natürlich keinesfalls tot, sondern wacht gegebenfalls mit ziemlichen Schmerzen auf. Was zwar unangenehm, aber auf den ersten Blick nicht sonderlich problematisch ist. Zunächst auch nicht für Cobb und seine Trauminfiltratoren, bis diese den Auftrag erhalten, ein Meisterstück in Sachen Traumverbrechen abzuliefern. Sie sollen nämlich die titelgebende Inception durchführen, also nicht eine Idee stehlen, sondern in das Unterbewußtsein eines anderen Menschen einpflanzen, und zwar so, daß dieser sie für seine eigene hält. Und an dieser Stelle beginnt der Film sein volles Potential als klassisches Heist-Movie auszuspielen. Denn natürlich verläuft auch dieses Mal nicht alles nach Plan. Was angesichts der Tatsache auch nicht verwundern kann, daß Traäume eine eigene Logik haben, die mitunter die realen Erfahrungen auf den Kopf stellt, daß das - insbesondere mit anderen Menschen geteilte - Unterbewußtsein ein Ort von verdrängten Gefühlen und Ängsten ist und daß angesichts von verschiedenen Traumebenen mit vertrackter Architektur bald nicht mehr sicher ist, was geträumt ist und was nicht. Die Realität wirkt ja auch so mitunter irreal genug. Auch ohne Traumelemente.
Zumal auch die Welt der Träume Abgründe bietet, die noch unerforscht, geheimnisvoll, erschreckend und bedrohlich sind. Und so wird aus dem interessanten Film-Kontrukt in der zweiten Hälfte ein cleverer und spannungsgeladener Thriller, der seine Zuschauer immer wieder auffordert mittels der etablierten Regeln am Ball zu bleiben und sich Gedanken darüber zu machen, wie das Geschehen auf der Leinwand zu interpretieren ist. Ähnlich wie der Film über die Bühnenmagier fordert Nolan seine Zuschauer auch dieses Mal dazu auf, genau hinzusehen, ohne dabei auf billige Taschenspielertricks zurückzugreifen, so daß er ihnen stets auf Augenhöhe begegnet. Wer gut aufpasst, darf manche Handlungswendung bereits vorausahnen, um derweil darüber nachzudenken, welche Aussage das Traumkonstrukt eigentlich über die eigene Wirklichkeit und ihr Erleben aufstellt.
Mitreißend wird diese Traumfilmerfahrung aber insbesondere durch das meisterhafte und handwerkliche Geschick des Films. Die Bildsprache ist überwältigend und ideenreich, die Schauspieler - deren Rollen ganz wie in Träumen eher Archetypen sind - glaubhaft, die Musik eindringlich und handlungsrelevant und die Spezialeffekte sind als solche kaum erkennbar. Diese Gesamtkomposition macht den Film auch über die geschickt konstruierte und verschachtelte Story hinaus (wieder-)sehenswert. Da ist es zu verschmerzen, daß die dargestellen Träume nicht das volle Panoptikum nächtlicher Bilderfluten ausnutzen, sondern sich in "realen" Welten zutragen, denen dann ein Hauch der Andersartigkeit verliehen wird. Ein Mehr hätte den Zuschauer vielleicht auch schlicht wie ein Güterzug überrollt.
Und den schönen Traum zum Platzen gebracht. So hat der Film genau die richtige Mischung, so daß das musikalische "Aufwecksignal" nicht Bedauern, sondern Zufriedenheit beim Betrachter auslöst. Und ihn trotzdem dazu bringen wird, sich noch mal kurz in den Arm zu kneifen. Man kann ja nie wissen...
Code Delphi. Hier aufhören.