Samstag, 2. Juni 2007

Auf Kaperfahrt

Code Delphi. Hier anfangen.
Schon zu der Zeit, als ich noch ein kleiner Junge war, übten Piraten eine eigentümliche Anziehungskraft auf mich aus. Ich weiß noch, dass ich einmal zu Fastnacht als Pirat verkleidet in die Schule ging (komplett mit Augenklappe und rotweiß gestreiften Socken). Außerdem war ich stolzer Besitzer zweier Playmobil-Piratenschiffe. Ich erinnere mich noch daran, daß es eine schicke Kajüte und einen Laderaum mit Flaschenzug besaß, in welchem viel Platz für alle erdenklichen Schätze war. Das erste Schiff überstand im übrigen den Sturz über eine lange Treppe nicht. Das Ende der Welt war für dieses Schiff tatsächlich das Ende. Dankbarerweise brachte mir der Weihnachtsmann ein zweites, welches bedeutend länger über die Weltmeere segeln konnte. Bis sich der Staub des Vergessens auf das Schiff legte... und ich auf Lego umstieg. Wobei es damals leider noch keine Piraten von Lego gab. Heute ist das anders.

Da ich längst aus dem Alter raus bin, in welchem man mit Lego spielt bzw. spielen darf, ohne als komplett kindisch zu gelten, finden Piratenabenteuer nur noch in meiner Fantasie statt. Oder auf der Leinwand.

Ende der Welt? Piraten? Richtig geraten - ich habe "Fluch der Karibik 3" gesehen. Oder vielmehr erlebt. Ich darf mit einiger Erleichterung tippen, daß mir der Film - wohl im Gegensatz zu manch anderem - wirklich gefallen hat. Er war sogar besser als Spiderman 3, der zwar auf tricktechnischer Ebene die Nase vorn hat, bei dem aber die Story dann doch etwas zu vorhersehbar zu meinen Geschmack war. Nun lasse ich mich im Kino zwar ebenso gerne überraschen wie durch den Umstand schmeicheln, daß ich die Wendungen eines Drehbuchs vorherzusehen in der Lage bin, aber Spideys letztes Abenteuer trug zudem noch ein bißchen zu dick auf. Was den Film aber trotzdem noch sehenswert macht. Ich will nicht vergessen, daß es da draußen auch ein etliche wirklich schlechte Filme gibt. Einige Leute vergessen das nämlich regelmäßig, wenn sie hier und da zum Beispiel posten, daß "Fluch der Karibik 3" ein schlechter Film sei. Zum einen hat Johnny Depp bisher noch jeden Film vor der absoluten Katastrophe bewahrt (ja, auch "Das geheime Fenster"!), zum anderen kann ein Film mit Piraten, Rum (oder Grog) und mindestens einem sprechendem Papagai gar nicht so schlecht sein.

Aber das letzte verfluchte Piratenabenteuer ist keinesfalls schlecht. Im Gegenteil. Die düstere Stimmung, die gleich bei der Massenhinrichtung am Anfang aufkommt, gibt dem Ganzen einen Rahmen, damit sich die Geschichte, die neben den komischen Momenten auch durchaus Raum für tragische Geschehnisse bietet, voll entfalten kann. Schon Teil 1 und 2 waren keine bloßen Achterbahnfahrten, nur ging das bei den flotten Sprüchen von Jack Sparrow bisweilen etwas unter. Da der Captain in der ersten halben Stunde durch Abwesenheit glänzte (da war was mit einem Riesenkraken in Teil 2, nicht wahr?), fand sich auch die Gelegenheit, die übrigen Charaktere näher kennen zu lernen. Das tut dem Film auch insofern ganz gut, als daß die bizarren Auftritte später im Film noch ungleich lustiger wirken und zudem deutlich wird, daß der Welt ohne Sonderlinge wie Sparrow einfach etwas fehlen würde. Mir haben in der ersten Hälfte insbesondere Geoffrey Rush und Keira Knightley gefallen, die ihren Charakteren ein gewisses Etwas verleihen und dafür sorgen, daß der Zuschauer nicht so genau weiß, warum sie sich eigentlich wirklich auf die Suche nach Captain Sparrow machen. Der weitere Filmverlauf jongliert dann auch munter mit Verrat, Gegenverrat, heimlichen Bündnissen hier und falschen Finten dort. Das hat manchen Zuschauer überfordert. Neben mir nutzen zwei Kids die Pause, um sich handlungsmäßig auf den neusten Stand zu bringen. Mit bescheidenem Erfolg.

Da ich ein Freund von charakterbasierten Plots bin, hat es mir gut gefallen, daß die Handlung eben durch diese vorangetrieben wurde und nicht einfach so passierte. Nachdem ich die spektakuläre Welt der Toten geniessen durfte, mich an einem neuen Level von Wahnsinn erfreut habe, den Captain Sparrow erklommen hatte, überraschte mich sogar Will Turner. Aus irgendeinem Grund hat Orlando Bloom zwar immer Rollen, in den er richtig schick aussieht, aber auch ein bißchen langweilig wirkt. Nur konnte er dieses Mal zeigen, daß er auch mehr spielen kann als nur das. Federhut ab!

Alles in allem habe ich mich keine Sekunde gelangweilt und konnte so ganz versöhnlich und breit grinsend den kleinen Schlußhappen nach dem Abspann genießen, den die Abspannaufsteher natürlich wieder einmal verpaßt haben. Manche Leute haben einfach keine Kultur. Verraten werde ich hier nichts, sondern mich in einer orakelhaften Andeutung ergehen.
"Zehn Jahre später..."
Code Delphi. Hier aufhören.

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