Mittwoch, 18. Februar 2009

Menschliche Monster

Code Delphi. Hier anfangen.
Auch wenn ich hauptsächlich (und gerne) us-amerikanische Serien schaue, vergesse ich nicht, daß auch auf einer besonderen Insel nördlich von uns, skurrile und eigentümliche Serien entstehen, die etwas Unverwechselbares an sich haben. Ich erinnere mich immer noch wohligen Schauern an die Sci-Fi-Serie The Tripods, die ich in meiner frühen Jugend gesehen habe. Natürlich sind deren Effekte heute nicht mehr zeitgemäß. Die Geschichte über den Planeten Erde, der nach dem Sieg der dreibeinigen Herrschern aus Metall wieder im Mittelalter befindet, funktioniert aber wegen des menschlichen Elements auch heute noch - geht es doch darum, wie Jugendliche ihren Platz in der Gesellschaft finden.

Und auch bei der Serie Being Human, die bei BBC Three läuft, sorgt das menschliche Element für (noch) mehr Spannung als die SFX und die episodenhaften Geschichten. Auch wenn beide den heutigen Anforderungen mehr als genügen.

Die Geschichte der bisher auf sechs Folgen (plus Pilot) ausgelegten Mini-Serie erzählt die Erlebnisse von George Sands, John Mitchell und Anna "Annie" Clare Sawyer (sic!), drei Erwachsenen Anfang bis Mitte zwanzig, die gemeinsam in einem etwas heruntergekommenen Haus in Bristol leben - und ihren Versuchen, die menschliche Komponente in ihrem Leben zu bewahren. Eben "being human".
Die besondere Herausforderung liegt in ihrem Fall darin, daß George ein Werwolf, Mitchell ein Vampir und Annie ein Geist ist. Was zunächst nach einem schlechten Monsterwitz klingt, funktioniert bereits im Piloten ganz ausgezeichnet, der erzählt, wie George und Mitchell, die sich von der Arbeit im Krankenhaus kennen, gemeinsam in ein Haus ziehen, welches die Vormieter als "creepy" bezeichnet und bereits nach wenigen Nächten wieder verlassen haben. Nur ihre besondere "Verfassung" erlaubt es ihnen, den Grund dafür zu sehen - nämlich Annie, die in diesem Haus zu Tode gekommen ist und es seitdem nicht mehr verlassen hat. Denn sie fürchtet, sich außerhalb des Hauses aufzulösen, weiß sie doch nur wenig darüber, was es wirklich bedeutet ein Geist zu sein.
Ebenso wie Annie kämpft auch George mit einem Zustand, über den er nur wenig mehr weiß, als daß er ihn einmal im Monat in eine wilde, zottelige Bestie verwandelt. Mitchell hingegen ist zwar schon seit längerem ein Vampir, aber ein Außenseiter, weil er versucht seinen Blutdurcst zu zügeln, statt ihm nachzugeben.

"Being human" klingt beim zweiten Hören wie eine Variante von "Angel", "Teen Wolf" oder "Moonlight", schlägt aber eine neue, frische Richtung ein. Keine Privatdetektive. Kein neues Monster der Woche. Das Übernatürliche wird in der Serie sehr zurückhaltend verwendet, ebenso wie SFX. Letzteres ist natürlich auch dem Umstand geschuldet, daß eine (englische) Fernsehserie nicht über das Budget eines Kinofilms verfügt. Allerdings sorgt dies dafür, daß die Handlung und die Charaktere sehr bodenständig ausfallen und die Geschichte damit - im Rahmen - glaubhaft und stets nachvollziehbar ist. Und anders als in all den Serie und Filmen zum Thema "Vampire" und "Werwölfe" gibt "Being Human" nicht schon im Pilot alle Antworten und Regeln vor. Welche Fähigkeiten, Eigenarten und Schwächen die drei menschlichen "Monster" haben, enthüllt sich den Figuren und dem Zuschauer erst nach und nach.
Etwas zur Verwirrung könnte der Umstand beitragen, daß für die Serie fast alle Hauptrollen neubesetzt wurden. Aber daran gewöhnlich man sich rasch und die "Neuen" spielen die Rolle sehr dicht an ihren Kollegen im Piloten.

Die Dreiecksbeziehung gewinnt ihren Reiz im Folgenden aus den unterschiedlichen, sehr liebenswerten und klug gezeichneten Charakteren. Annie ist unsicher und zurückhaltend, aber immer noch schwer in ihren Exverlobten verliebt, der schon eine Neue hat, während Mitchell sich zwar weltmännisch und lässig gibt, aber durch seinen Blutdurst bedingt stets wachsam sein muß und George, hochintelligent und auf Ruhe und Sicherheit bedacht, bei Vollmond die Kontrolle über seinen Körper verliert und von tierischen Impulsen getrieben wird. Die Serie schafft es mit britischer Eleganz, aus diesen Eigenarten sowohl Momente beschwingter Komik als auch traurigen Dramas zu zeichnen, ohne dabei - und das ist ihre eigentliche Stärke - zu übertreiben. Zwar ist manche Plotwendung vorhersehbar, aber dadurch nicht weniger wirkungsvoll. Meist ist das Gegenteil der Fall. Denn wie im wahren Leben findet das Leben häufiger in Details und kleinen Worten und gewöhnlichen Tücken statt als in umwälzenden Ereignissen und scheinbar undurchdringlichen Mysterien. Und auf diese Weise vermittelt diese Serie gleichzeitig ein Gefühl von Spannung, Erheiterung und Alltagsweisheit, ohne darum lautstark zu buhlen.

Und diese Abwechselung zum sonstigen Serien-Entwurf macht "Being Human" sehenswert.
Vielleicht sind die Briten auch klug genug, daß Konzept nicht zu Tode zu filmen. Anspielung intendiert. Schade, daß deutsche Serien-Macher nicht den Mut für solche Sachen haben...
Code Delphi. Hier aufhören.

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