Früher verging kaum ein Monat, in welchem ich nicht einen Wälzer mit einer fantastischen Geschichte verschlungen habe. In den letzten Jahren ist mein jährlicher Buchkonsum mehr und mehr gesunken. Was zum einen damit zusammenhängen dürfte, daß ich neben meinem Beruf mit meinem diversen Online-Daseinsformen und meiner Liebe zu Fernsehserien zeitmäßig recht ausgelastet bin, zum anderen aber auch damit, daß heute unter einer Trilogie bei Fantasy-Serien eigentlich nichts mehr geht. Ob es für die Geschichte nun erforderlich ist oder nicht.
Um so schöner, wenn sich plötzlich ein Buch findet, in dem auf knapp 500 Seiten ein Wortfeuerwerk vor den Augen des Leser durchgezündelt wird, das in punkto Komposition, Farbigkeit, Tempowechsel und Abwechslung winzigwenig zu wünschen übrig läßt – und sich gleichsam nebenbei noch über den gesamten Literaturbetrieb in treffender Weise lustig macht.
Die Rede ist von Hildegunst von Mythenmetz´ biographischem Roman Die Stadt der Träumenden Bücher, von keinem Geringeren als Walter Moers ins Deutsch übertragen und überaus reichhaftig und kunstvoll illustriert.
Der Autor dieser hochvergnüglichen Seiten gehört zum Volk von flugunfähigen, aber auf dem Gebiet des Schreibens, Lesens und Rezitierens hochbegabten Lindwürmern. Seine Reise durch die fantastische Welt Zamonien nimmt ihren Anfang auf der Lindwurmfeste (wolkenhoch und uneinnehmbar), als sein hochverehrter Dichtpate Danzelot von Silbendrechsler verstirbt und dem Trauernden wenig mehr hinterläßt als ein zehnseitiges, leicht vergilbtes und stockfleckiges Manuskript. Das hat es freilich in sich. Denn niemals zuvor hat der junge Lindwurm, obgleich ausgesprochen belesen, ein solches Meisterwerk in den Händen gehalten, welches es versteht, ihn mal zu Tränen zu rühren, mal Stürme der Begeisterung auszulösen und mal nahezu hysterische Lachsalven aus ihm herauszukitzeln. Schließlich faßt Hildegunst den Entschluß, den Urheber dieser Schrift in Buchhaim aufzuspüren – der Literaturmetropole Zamoniens schlechthin. Was freilich nur beim ersten Darübernachdenken eine gute Idee ist. Denn an diesem Ort ist das Lesen noch ein echtes Abenteuer, eine waghalsige Unternehmung mit höchst ungewissem und vielleicht fatalem Ausgang also. Nichts für Kamilleteetrinker, Turnbeutelvergesser und Vollkaskoversicherte. Denn nicht nur Buchjäger, Trompaunenkonzerte, gefährliche Bücher, eine finstere Verschwörung, die Labyrinthe unter Buchhaim und die Buchlinge verwickeln den jungen Dichter in ein haarsträubendes Abenteuer nach dem nächsten. Schließlich begegnet er auch noch dem überaus schrecklichen Schattenkönig in Schloß Schattenhall selbst. Und kommt auch noch in den Besitz des Blutigen Buches. Wahrhaft schauerliche Ereignisse also, die dem Leser da zugemutet werden. Zum Glück werden Personen mit schwachen Nerven gleich auf der ersten Seite eindrücklich vor der Lektüre gewarnt.
Daß Walter Moers einen sehr schrägen Humor besitzt, war mir aufgrund der Lektüre diverser Kleiner Arschloch und Adolf – Die Nazisau Comics schon bekannt. Als großartigen Geschichtenerzähler wäre er mir dennoch beinahe durch die Lappen gegangen. Denn „Die Stadt der Träumenden Bücher“ ist auf jeder Seite durch und durch lesenswert. Nicht nur wegen der stets vergnüglichen und spannenden Handlung, den kurios-liebenswerten Charakteren und den schaurig-schönen Schauplätzen. Sondern vor allem wegen der Sprachgewalt, der Jonglierkunst und des Wortwitzes, welche in diesem Buch dargeboten werden. Nebenbei spöttelt und philosophiert Moers über gute und schlechte Literatur, lebende und tote Dichter und Literaten, Kritiker und Verleger und die Liebe zu Büchern. Dabei überschlagen sich die Ideen und Witze förmlich, ohne daß der Autor seinen lakonischen Ton verlieren würde. Nichts bringt ihn wirklich aus der Fassung. Und selbst im Angesicht des schlimmsten Schrecken weiß er noch eine lehrreiche Bemerkung über gutes Geschichtenerzählen einzuflechten – denn nichts mehr und nichts weniger macht er schließlich die ganze Zeit. Insofern stellt sich nicht die Frage ob, sondern wie Hildegunst all den tollkühnen und abenteuerlichen Situationen entgeht – und was er daraus lernt. Gut möglich, daß Hildegunst am Ende eine ganze Menge von jenem unbekannten Meisterpoeten mitgenommen hat, nach welchem er suchte.
Ich für meinen Teil weiß jetzt jedenfalls, wie gute Geschichten beginnen (und aufhören), daß dicke Bücher (und Trilogien) deshalb so dick sind, weil der Autor nicht die Zeit hatte, sich kurz zu fassen und daß bibliophile Menschen nach Lektüre dieses Buches lieber Buchlinge denn Bücherwürmer sein wollen. Aber ich werde nicht verraten, warum. Das muß sich schon jeder selbst erlesen. Wenn er sich denn traut.
Code Delphi. Hier aufhören.
Um so schöner, wenn sich plötzlich ein Buch findet, in dem auf knapp 500 Seiten ein Wortfeuerwerk vor den Augen des Leser durchgezündelt wird, das in punkto Komposition, Farbigkeit, Tempowechsel und Abwechslung winzigwenig zu wünschen übrig läßt – und sich gleichsam nebenbei noch über den gesamten Literaturbetrieb in treffender Weise lustig macht.
Die Rede ist von Hildegunst von Mythenmetz´ biographischem Roman Die Stadt der Träumenden Bücher, von keinem Geringeren als Walter Moers ins Deutsch übertragen und überaus reichhaftig und kunstvoll illustriert.
Der Autor dieser hochvergnüglichen Seiten gehört zum Volk von flugunfähigen, aber auf dem Gebiet des Schreibens, Lesens und Rezitierens hochbegabten Lindwürmern. Seine Reise durch die fantastische Welt Zamonien nimmt ihren Anfang auf der Lindwurmfeste (wolkenhoch und uneinnehmbar), als sein hochverehrter Dichtpate Danzelot von Silbendrechsler verstirbt und dem Trauernden wenig mehr hinterläßt als ein zehnseitiges, leicht vergilbtes und stockfleckiges Manuskript. Das hat es freilich in sich. Denn niemals zuvor hat der junge Lindwurm, obgleich ausgesprochen belesen, ein solches Meisterwerk in den Händen gehalten, welches es versteht, ihn mal zu Tränen zu rühren, mal Stürme der Begeisterung auszulösen und mal nahezu hysterische Lachsalven aus ihm herauszukitzeln. Schließlich faßt Hildegunst den Entschluß, den Urheber dieser Schrift in Buchhaim aufzuspüren – der Literaturmetropole Zamoniens schlechthin. Was freilich nur beim ersten Darübernachdenken eine gute Idee ist. Denn an diesem Ort ist das Lesen noch ein echtes Abenteuer, eine waghalsige Unternehmung mit höchst ungewissem und vielleicht fatalem Ausgang also. Nichts für Kamilleteetrinker, Turnbeutelvergesser und Vollkaskoversicherte. Denn nicht nur Buchjäger, Trompaunenkonzerte, gefährliche Bücher, eine finstere Verschwörung, die Labyrinthe unter Buchhaim und die Buchlinge verwickeln den jungen Dichter in ein haarsträubendes Abenteuer nach dem nächsten. Schließlich begegnet er auch noch dem überaus schrecklichen Schattenkönig in Schloß Schattenhall selbst. Und kommt auch noch in den Besitz des Blutigen Buches. Wahrhaft schauerliche Ereignisse also, die dem Leser da zugemutet werden. Zum Glück werden Personen mit schwachen Nerven gleich auf der ersten Seite eindrücklich vor der Lektüre gewarnt.
Daß Walter Moers einen sehr schrägen Humor besitzt, war mir aufgrund der Lektüre diverser Kleiner Arschloch und Adolf – Die Nazisau Comics schon bekannt. Als großartigen Geschichtenerzähler wäre er mir dennoch beinahe durch die Lappen gegangen. Denn „Die Stadt der Träumenden Bücher“ ist auf jeder Seite durch und durch lesenswert. Nicht nur wegen der stets vergnüglichen und spannenden Handlung, den kurios-liebenswerten Charakteren und den schaurig-schönen Schauplätzen. Sondern vor allem wegen der Sprachgewalt, der Jonglierkunst und des Wortwitzes, welche in diesem Buch dargeboten werden. Nebenbei spöttelt und philosophiert Moers über gute und schlechte Literatur, lebende und tote Dichter und Literaten, Kritiker und Verleger und die Liebe zu Büchern. Dabei überschlagen sich die Ideen und Witze förmlich, ohne daß der Autor seinen lakonischen Ton verlieren würde. Nichts bringt ihn wirklich aus der Fassung. Und selbst im Angesicht des schlimmsten Schrecken weiß er noch eine lehrreiche Bemerkung über gutes Geschichtenerzählen einzuflechten – denn nichts mehr und nichts weniger macht er schließlich die ganze Zeit. Insofern stellt sich nicht die Frage ob, sondern wie Hildegunst all den tollkühnen und abenteuerlichen Situationen entgeht – und was er daraus lernt. Gut möglich, daß Hildegunst am Ende eine ganze Menge von jenem unbekannten Meisterpoeten mitgenommen hat, nach welchem er suchte.
Ich für meinen Teil weiß jetzt jedenfalls, wie gute Geschichten beginnen (und aufhören), daß dicke Bücher (und Trilogien) deshalb so dick sind, weil der Autor nicht die Zeit hatte, sich kurz zu fassen und daß bibliophile Menschen nach Lektüre dieses Buches lieber Buchlinge denn Bücherwürmer sein wollen. Aber ich werde nicht verraten, warum. Das muß sich schon jeder selbst erlesen. Wenn er sich denn traut.
Code Delphi. Hier aufhören.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen