Samstag, 1. August 2009

Mystery-Serien - ergründet (Teil 2)

Code Delphi. Hier anfangen.
Obwohl ich inzwischen außer am "Mystery-Montag" (den Pro7 seit letzter Woche genau so bezeichent) kaum noch fernsehe, ist mein Interesse an Mystery-Serien ungebrochen. Und auch wenn die Hochzeit der Mystery-Serien vorbei scheint, gibt es noch genügend Serien, die zumindest Elemente der Klassiker übernehmen, um den Zuschauer in seltsame Gefilde der Phantasie zu entführen...

Auch wenn ich ursprünglich eigentlich noch einen kleinen Einblick in die Vergangenheit der Mystery-Serie geben wollte, verlangt die Vielzahl an aktuellen Serien geradezu danach mit diesem Vorsatz zu brechen und zuerst in der Gegenwart zu verweilen... auch wenn es noch so schwer fällt.

Daß das Verweilen in einer Zeitebene mitunter mit Schwierigkeiten verbunden sein kann, wurde in der 5. Staffel von LOST eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die Serie über eine Gruppe von Überlebenen, die sich nach einem mysteriösen Flugzeugabsturz auf einer sehr, sehr seltsamen Insel wiederfinden, ist heute schon ein Klassiker des Genres. Ich gedenke, für die neuen Folgen noch kleine Artikel zu schreiben, falls es der Konsum der übrigen neuen Serien zuläßt...

Quasi als Nachfolger zu Lost drängt sich zunächst Fringe ins Bewußtsein, da diese Serie über ein Ermittlerteam des FBI, welches bizarre Grenzfälle der Wissenschaft untersucht, von den Lost-macher erdacht wurde. Die Stichworte "FBI" und "Mystery" lassen den Zuschauer natürlich gleich an The X-Files denken. Und tatsächlich gibt es auch bei Fringe eine ominöse Verschwörung, deren Ziel zunächst unklar sind. Deutlich wird nur, "daß jemand rumexperimentiert, wobei die ganze Welt das Versuchslabor ist" (O-Ton aus der Serie). Special Agent Olivia Dunham (Anna Torv) wird von ihrem Vorgesetzten Agent Phillip Broyles (Lance Reddick; Matthew Abaddon aus "LOST") beauftragt, zusammen mit dem exzentrischen Wissenschafter Dr. Walter Bishop (John Noble; Denethor aus "Der Herr der Ringe-Trilogie") und dessen Sohn Peter (Joshua Jackson; Pacey Witter aus "Dawson´s Creek) aus sogenannte "Schema" zu erforschen, welches sich in zunächst unerklärlichen und stets bedrohlichen Phänomenen äußert, welche zu einer Reihe von Todesfällen innerhalb der Bevölkerungen führen (und damit in die Zuständigkeit des FBIs fallen). Anders als bei "The X-Files" sind die anfangs gesichtslosen Verschwörer aber nicht Teil der Regierung, sondern (scheinbar) die mehr oder minder klassischen "mad scientists", die für skrupellose Großkonzerne auf Kosten von unschuldigen Menschen forschen. Oder auch nicht. Denn das schauerliche Treiben dient möglicherweise dazu, eine noch größere Katastrophe abzuwenden.

An die Qualität des Vorbilds kommt "Fringe" in der ersten Staffel noch nicht heran. Das liegt zum einen an den Fällen, die zwar deutlich Science-Fiction sind, für die aber - zum Teil haarsträubende - Erklärungen gegeben, nach denen sie heute schon umsetzbar wäre. Die Prämisse, daß eine Reihe von Wissenschaftler (unabhängig von einander) eine ganze Reihe von erfolgreichen Durchbrüchen in Grenzwissenschaften gelungen sein soll, ist nicht so leicht zu schlucken, zumal die Serie ansonsten Wert darauf legt, im Hier und Jetzt zu spielen und nicht in einem Alternativuniversum. Das wurde bei "The X-Files" einfach klüger gelöst, indem entweder bizarre Mutationen oder Alientechnologie ins Feld geführt wurden, welche sich außerhalb des menschlichen Erklärungshorizontes bewegten.
Zum anderen springt anders als bei Agent Mulder und Agent Scully der Funke bei den Hauptfiguren von Fringe nicht gleich auf das Publikum über. Agent Dunham ist - zumindest in den ersten Folgen - viel zu unnahbar, um Symphatien zu wecken. Dr. Bishop ist ein Übergenie, dessen geistige Aussetzer zwischen aufgesetzt und peinlich schwanken und keinerlei Kontinuität besitzen. Dazu kommt der Umstand, daß sich dieser Mann scheinbar in allen Grenzwissenschaften auszukennen scheint, was noch unglaubwürdiger ist als sein Charakterhintergrund. Und Peter Bishops Motivation ist eingangs ebenso rätselhaft wie sein Wert für das Team.
Im Laufe der Zeit verbessert sich zwar die Charakterzeichnung, aber die einzelnen Handlungsstränge vermögen noch nicht so recht zu überzeugen, so daß der Serie zwar Potential zugestanden werden kann, aber auch ein weiter Weg bis zu einer wirklich guten Serie. Da war LOST bereits nach einer halben Staffel weiter.

Weiter ist auch eine Serie, die von den X-Akten eher Stimmung und den "Monster-der-Woche"-Aspekt übernommen hat. Die Rede ist von Supernatural, welches bereits 4. Staffel umfaßt und sich stetig von Jahr zu Jahr gesteigert hat. Erzählt wird die Geschichte der beiden ungleichen Brüder Dean (Jensen Ackles) und Sam Winchester (Jared Padalecki), deren Vater die beiden zu Geisterjägern ausgebildet hat. Was beim ersten Hören etwas albern klingt, aber im Universum der Serie durchaus eine kluge Berufswahl ist, da Amerika von all den grausigen Geschöpfen des gothischen Horrors bewohnt wird, vor denen sich der Zuschauer als kleines Kind gefürchtet hat. Wenn hier ein kleiner Junge ein Monster unter seinem Bett vermutet, stellt sich nicht die Frage nach seiner Existenz, sondern danach, wie es am besten bekämpft wird.
Wobei es sich die Macher nicht nehmen lassen, den Geistern und Dämonen einen der Serien eigenen Hintergrund zu verpassen, so daß den Zuschauer zwar bekannte Schauergestalten erwarten, er aber zunächst im Unklaren darüber gelassen wird, welche inzwischen bekannte Mythologie denn nun wirklich gilt. Das verleiht der Serie ihre eigene Originalität.

Die Episodenhaftigkeit der Serie funktioniert in der ersten Staffel besser als bei Fringe, obwohl der rote Faden zunächst ebenfalls etwas dünn ist. Denn die Suche der beiden Brüder nach ihrem Vater, der auf der Jagd nach dem Dämon, welcher einst ihre Mutter tötete, verschollen ist, dient zunächst lediglich dazu, die einzelnen Fälle miteinander zu verknüpfen, bringt aber die eigentliche Geschichte nicht voran. Dafür etabiliert die Serie in den ersten Folgen einige Grundlagen, was den Kampf gegen Dämonen und rachsüchtige Geister angeht und baut dabei eine Atmosphäre auf, die sowohl an die "X-Files" als auch an "Millennium" erinnert. Was schon aufgrund der Tatsache nicht überrascht, daß ein stattlicher Teil der Crew von "Supernatural" vorher bei diesen Serien gearbeitet hat. Genau dieses kunstvolle Erzeugen einer charakteristischen Stimmung, der rockige und sehr dynamische Soundtrack und die schutzig-dunklen Bilder einer finsteren Version der USA machen die Erlebnisse der beiden Brüder bereits sehenswert, bevor die Serie von Staffel zu Staffel einen Gang zulegt. Dabei kommt der erzählten Geschichte der Umstand zugute, daß die Autoren mutig jeder Versuchung widerstehen, Klichees überzustrapzieren und sowohl ihre eigenen Regeln wie auch die des Fernsehens überhaupt kunstvoll zu brechen. Einige Storywendungen sind so schockierend, daß dem Zuschauer das kalte Grauen über den Rücken fährt.
Und damit erfüllt "Supernatural" die Erwartung, die man ans Unheimliche un Mysteriöse stellen kann.
Code Delphi. Hier aufhören.

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