Donnerstag, 24. September 2009

Verschworen, um zu täuschen

Code Delphi. Hier anfangen.
Eines möchte ich gleich am Anfang klarstellen. Ich mag Verschwörungstheorien. Nicht nur wegen ihres Unterhaltungspotentials. Ich halte die Wahrheitsfindung für einen manchmal langwierigen und ressourcenintensiven, aber stets notwendigen Prozeß. Und ich bin mir im klaren darüber, daß sich die Wahrheit in einigen Fällen nur aufdecken läßt, indem zunächst eine kühne und unwahrscheinliche These aufgestellt wird, die dann mittels einer Antithese zur Synthese geführt wird.

Leider wird diese einfache Form der Wahrheitsfindung mitunter in der Berichterstattung freundlich formuliert ignoriert. Thesen bringen mehr Aufmerksamkeit als Synthesen. Und daß Regierungen - insbesondere die der USA - immer wieder für die Rolle eines passablen Bösewichts taugen, beweist ein Blick in die Kino- und Büchercharts. Zeit, an zwei Beispielen den schwierigen Wahrheitsfindungsprozeß nachzuholen...

Fangen wir mit dem Mond an. Leider war ich bei der Mondlandung noch nicht geboren. Ich hätte sie als Sci-Fi-Fan bestimmt mit großen Augen am Fernseher verfolgt. Und mich im Nachhin sicher geärgert, daß die deutschen Moderatoren die historischen Worte von Neil Armstrong überplappert haben. An der Echtheit der Mondlandung selbst hätte ich allerdings nie gezweifelt.

Was andere allerdings getan haben. Im Netz haben diese Zweifel schließlich auch ein neues Zuhause gefunden. Wer allerdings denkt, daß die Mondlandung - aus welchen Gründen auch immer - nur ein Fake war, den belehrt ein gewisser Phil Plait auf seiner Bad Astronomy Website gern eines Besseren. Und zerlegt gleichzeitg Hollywood-Film in ihre Einzelteile, wenn sie Schindluder mit der Wissenschaft treiben.

Warum ich ihm glaube? Ich bin sicher nicht wissenschaftshörig. Aber für stichhaltige Argumente zugänglich. Und die sprechen eher dafür, daß die Amis den Russen tatsächlich mal was voraus hatten und auf dem Mond gelandet sind. Und sie die geheimen Mondbasen der Nazis deshalb nicht gefunden haben, weil es dort oben keine gab.

Ungleich schwieirg gestaltet sich die Wahrheitsfindung im Fall des 11. September 2001. Zumal es um ein tatsächliches Verbrechen geht und nicht um wissenschaftlichen Fortschritt. Das erfordert zum einen aber einen gewissen Anstand gegenüber den Opfern - was bestimmte absurde Theorien von vorherein ausschließen sollte - und zum anderen natürlich sorgfältige Ermittlungen - was dazu führen sollte, daß die Untersuchungen auf soviele Quellen wie möglich zugreifen kann. Also auch auf die eine oder andere, welche eine Regierung gerne als "Top Secret" bezeichnet.

Nun entsteht gerade durch den Wunsch einer Regierung nach Geheimhaltung in vielen Fällen von Verschwörungstheorien erst gerade der Verdacht, die Regierung hätte etwas zu verschweigen. Und wenn es auch nur die eigene Unfähigkeit war, in der Situation das Richtige zur richtigen Zeit zu tun. Und wenn eine Regierung - wie die unter Präsident George W. Bush - die Öffentlichkeit dann tatsächlich täuscht - siehe Atom-, Bio- und Chemiewaffenarsenal des Irak - leidet ihre Glaubwürdigkeit. Aber lügt und betrügt sie deshalb stets?

Auch zu diesem Thema blühen im Netz die Verschwörungstheorien. Etwas anderes wäre auch nicht zu erwarten. Als Beispiel für viele möge der Film "Unter falscher Flagge" dienen. Leider auch als Beispiel, wie Meinungen und Behauptungen als Thesen in die Welt gestellt werden, ohne sie an einer Antithese zu reiben. Und auch als Beispiel wie aus einer einfachen Fragestellung im Laufe von etwas über einer Stunde ein Haufen von abenteuerlich reißerischen Thesen darüber wird, was die Regierung unter Herrn Bush sonst noch so geplant hat oder hätte. Agent Mulder hätte seine Freude daran gehabt.

Aber wahrscheinlich hätte ihn Agent Scully mit wissenschaftlichen Fakten auf den Boden zurückgeholt. Im richtigen Leben übernimmt das sehr genau und ausführlich Popular Mechanics. Und obwohl ich bei Akte X meistens auf der Seite von Mulder stand, glaube ich im wahren Leben doch lieber der Stimme der Vernunft. Insbesondere dann, wenn sie an Synthesen interessiert ist.

Code Delphi. Hier aufhören.

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