Code Delphi. Hier anfangen.
Wenn sich die Gelegenheit ergibt, verbinde ich einen Besuch bei meinem Bruder und meinen Freunden in Hamburg mit Sightseeing oder Besuchen in ausgefallenen Restaurants. Dieses Mal habe ich beides mit einander verbinden können. Und obwohl das mongolische Essen im Mongo´s im Hamburg wirklich lecker (wenn auch großstdttypisch nicht ganz billig) war, hat es doch keinen so bleibenden Eindruck hinterlassen wie die Besichtigungstour in die Ballinstadt.
Denn dieser Ausflug in die Vergangenheit der Stadt Hamburg führte zu unerwarteten Erkenntnisnissen über aktuelle Geschehnisse.
Die Ballinstadt - benannt nach ihrem Gründer Alber Ballin - war eine Auswandererstadt, die im Jahre 1901 auf der Veddel in Hamburg eingerichtet wurde, die Menschen unterzubringen und zu versorgen, die in die Stadt gekommen waren, um über den Hafen Europa zu verlassen und insbesondere in die neue Welt, also nach Nord-, Südamerika und Kanada, zu reisen. Zuvor gab es zwar ebenfalls Einrichtungen, doch diese waren schon bald damit überfordert, den zahlreichen Menschen eine anmessene Versorgung zu gewährleisten, auch wenn sie einen beachtlichen Wirtschaftsfaktor darstellten. Ganz zu schweigen davon, dass die verzweifelte Lage der Auswanderungswilligen auch damals bereits von umtriebigen Geschäftsleuten ausgenutzt wurde, die nicht nur erhöhte Preise für Unterkunft und Verpflegung nahmen, sondern auch die Menschen auch betrogen und um ihr mitgerbachtes Hab und Gut brachten.
Für die Ausstellung in der Ballinstadt wurden drei der damaligen Barracken wie hergerichtet, in denen nun eine drei geteilte Ausstellung untergebracht ist. Das erste Haus erhält neben dem Info-Point ein Familienforschungszentrum, das es erlaubt, nach ausgewanderten Familienmitgliedern zu suchen. Im zweiten Gebäude befindet sich sich das Herzstück der Ausstellung, nämlich eine in Stationen aufgeteilte Dokumentationen über den Weg der Auswanderer aus ihrer privaten Situation über den Weg nach Hamburg bis in die Ballinstadt, von dort auf ein Schiff zur Überfahrt und ihrer Ankunft in der neuen Welt, also etwa auf Ellis Island, der Einwandererstation im New Yorker Hafen.
Und in diesem Herzstück werden die verschiedenen Auswanderungswellen der Deutschen im Zeitraum 1848 bis 1939 exemplarisch an Einzelschicksalen darstellt. Die Reise des Auswanderer beginnt mit der Schilderung ihrer Lebensumstände. Da gibt es den idealistischen Reformer, der von der Revolution enttäuscht wurde, ebenso wie den Feldarbeiter, der von einem eigenen Stück Land für seine Familie träumt, wie den jungen Mann, der vor dem Armeedienst für ein ungeliebtes Land flieht. Die Ausstellung führt den Besucher dann über die unterschiedlichen Stationen der Reise, die auch die Auswanderungswilligen nach Hamburg unternommen haben. Sie führt über die Grenzen, an denen sie bangevoll warten mußten, über schlechte Straßen bis hin in die Baracken aus der Auswanderungsstadt, von sie untersucht wurden und auf den Tag der Abreise warten mußte. Neben Installationen, die die damaligen Verhältnisse greifbar machen, schildern zeitgenössische Texte sehr eindrucksvoll die Umstände, unter denen diese Menschen leben mußte. Die Nachbauten ermöglichen es, sich in diese ungewöhnliche Situation einzufühlen. Das führte bei meiner kleinen Gruppe schließlich dazu, daß wir mit dem Betreten des Schiffesnachbau warteten, bis wirkliich alle aus unser Gruppe eingetroffen waren, um schließlich gemeinsam - mit einem leicht bangen Gefühl - die "Überfahrt zu unternehmen". Auf einem beklemmend engen Schiff in kleinen, lichtlosen Kabinen unter schwierigen hygenischen Bedingungen.
Im Gegensatz zu heute dauerte die Überfahrt damals mehrere Wochen, mitunter sogar Monate. Der Anblick von Ellis Island war damals bestimmt noch großartiger als heute, bedeutete er doch das Ende eine belastenden Reise. Und gleichzeitig die letzte Hürde vor dem neuen Leben. Denn damals wie heute erwartete den Ankommenden eine gesundheitliche Untersuchung und ein Fragebogen mit Fangfragen und Tücken. Es war zum Beispiel nicht gestattet, mit einem versprochenen Arbeitsvertrag in die Staaten einzureisen, da auf diese Weise verhindert werden sollte, daß Menschen in Abhängigkeiten gelockt wurden. Schließlich endet die Ausstellung mit Berichten der Auswanderer, in denen sie ihre neuen Lebensumstände schildern, nachdem sie einige Jahre in den Staaten leben. Ein Verdienst der Ausstellung ist es an dieser Stelle, daß nicht jede Geschichte ein glückliches und zufriedenes Ende nimmt. Das entspräche auch nicht der Realität. Denn damals wie heute kehrten selbst von denen, die es in die neue Welt schafften, etliche wieder in ihre Heimat zurück. Andere fanden jedoch in der Fremde ihren Platz in der Welt.
Und mit diesen Erkenntnis entläßt die Ausstellung den Besucher in eine Welt, in der auch heute noch Menschen ihre Heimat aufgrund von Armut, Perspektivlosigkeit, Verfolgung oder unlebbaren Träumen hinter sich lassen, um in eine neue Welt aufzubrechen. Und selbst die, die diese Gründe nicht teilen können oder wollen, werden nach einem Besuch dieser Ausstellung jene besser verstehen und die Mühen nachvollziehen, die eine solche Entscheidung mit sich bringt.
Code Delphi. Hier aufhören.
Wenn sich die Gelegenheit ergibt, verbinde ich einen Besuch bei meinem Bruder und meinen Freunden in Hamburg mit Sightseeing oder Besuchen in ausgefallenen Restaurants. Dieses Mal habe ich beides mit einander verbinden können. Und obwohl das mongolische Essen im Mongo´s im Hamburg wirklich lecker (wenn auch großstdttypisch nicht ganz billig) war, hat es doch keinen so bleibenden Eindruck hinterlassen wie die Besichtigungstour in die Ballinstadt.
Denn dieser Ausflug in die Vergangenheit der Stadt Hamburg führte zu unerwarteten Erkenntnisnissen über aktuelle Geschehnisse.
Die Ballinstadt - benannt nach ihrem Gründer Alber Ballin - war eine Auswandererstadt, die im Jahre 1901 auf der Veddel in Hamburg eingerichtet wurde, die Menschen unterzubringen und zu versorgen, die in die Stadt gekommen waren, um über den Hafen Europa zu verlassen und insbesondere in die neue Welt, also nach Nord-, Südamerika und Kanada, zu reisen. Zuvor gab es zwar ebenfalls Einrichtungen, doch diese waren schon bald damit überfordert, den zahlreichen Menschen eine anmessene Versorgung zu gewährleisten, auch wenn sie einen beachtlichen Wirtschaftsfaktor darstellten. Ganz zu schweigen davon, dass die verzweifelte Lage der Auswanderungswilligen auch damals bereits von umtriebigen Geschäftsleuten ausgenutzt wurde, die nicht nur erhöhte Preise für Unterkunft und Verpflegung nahmen, sondern auch die Menschen auch betrogen und um ihr mitgerbachtes Hab und Gut brachten.
Für die Ausstellung in der Ballinstadt wurden drei der damaligen Barracken wie hergerichtet, in denen nun eine drei geteilte Ausstellung untergebracht ist. Das erste Haus erhält neben dem Info-Point ein Familienforschungszentrum, das es erlaubt, nach ausgewanderten Familienmitgliedern zu suchen. Im zweiten Gebäude befindet sich sich das Herzstück der Ausstellung, nämlich eine in Stationen aufgeteilte Dokumentationen über den Weg der Auswanderer aus ihrer privaten Situation über den Weg nach Hamburg bis in die Ballinstadt, von dort auf ein Schiff zur Überfahrt und ihrer Ankunft in der neuen Welt, also etwa auf Ellis Island, der Einwandererstation im New Yorker Hafen.
Und in diesem Herzstück werden die verschiedenen Auswanderungswellen der Deutschen im Zeitraum 1848 bis 1939 exemplarisch an Einzelschicksalen darstellt. Die Reise des Auswanderer beginnt mit der Schilderung ihrer Lebensumstände. Da gibt es den idealistischen Reformer, der von der Revolution enttäuscht wurde, ebenso wie den Feldarbeiter, der von einem eigenen Stück Land für seine Familie träumt, wie den jungen Mann, der vor dem Armeedienst für ein ungeliebtes Land flieht. Die Ausstellung führt den Besucher dann über die unterschiedlichen Stationen der Reise, die auch die Auswanderungswilligen nach Hamburg unternommen haben. Sie führt über die Grenzen, an denen sie bangevoll warten mußten, über schlechte Straßen bis hin in die Baracken aus der Auswanderungsstadt, von sie untersucht wurden und auf den Tag der Abreise warten mußte. Neben Installationen, die die damaligen Verhältnisse greifbar machen, schildern zeitgenössische Texte sehr eindrucksvoll die Umstände, unter denen diese Menschen leben mußte. Die Nachbauten ermöglichen es, sich in diese ungewöhnliche Situation einzufühlen. Das führte bei meiner kleinen Gruppe schließlich dazu, daß wir mit dem Betreten des Schiffesnachbau warteten, bis wirkliich alle aus unser Gruppe eingetroffen waren, um schließlich gemeinsam - mit einem leicht bangen Gefühl - die "Überfahrt zu unternehmen". Auf einem beklemmend engen Schiff in kleinen, lichtlosen Kabinen unter schwierigen hygenischen Bedingungen.
Im Gegensatz zu heute dauerte die Überfahrt damals mehrere Wochen, mitunter sogar Monate. Der Anblick von Ellis Island war damals bestimmt noch großartiger als heute, bedeutete er doch das Ende eine belastenden Reise. Und gleichzeitig die letzte Hürde vor dem neuen Leben. Denn damals wie heute erwartete den Ankommenden eine gesundheitliche Untersuchung und ein Fragebogen mit Fangfragen und Tücken. Es war zum Beispiel nicht gestattet, mit einem versprochenen Arbeitsvertrag in die Staaten einzureisen, da auf diese Weise verhindert werden sollte, daß Menschen in Abhängigkeiten gelockt wurden. Schließlich endet die Ausstellung mit Berichten der Auswanderer, in denen sie ihre neuen Lebensumstände schildern, nachdem sie einige Jahre in den Staaten leben. Ein Verdienst der Ausstellung ist es an dieser Stelle, daß nicht jede Geschichte ein glückliches und zufriedenes Ende nimmt. Das entspräche auch nicht der Realität. Denn damals wie heute kehrten selbst von denen, die es in die neue Welt schafften, etliche wieder in ihre Heimat zurück. Andere fanden jedoch in der Fremde ihren Platz in der Welt.
Und mit diesen Erkenntnis entläßt die Ausstellung den Besucher in eine Welt, in der auch heute noch Menschen ihre Heimat aufgrund von Armut, Perspektivlosigkeit, Verfolgung oder unlebbaren Träumen hinter sich lassen, um in eine neue Welt aufzubrechen. Und selbst die, die diese Gründe nicht teilen können oder wollen, werden nach einem Besuch dieser Ausstellung jene besser verstehen und die Mühen nachvollziehen, die eine solche Entscheidung mit sich bringt.
Code Delphi. Hier aufhören.
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