Code Delphi. Hier anfangen.
Manche Filme sind von ihren Ideen, ihrer Botschaft, ihrem Design oder ihren Ansprüchen ihrer Zeit soweit voraus, dass erst nachfolgende Generationen von Zuschauern richtig zu würdigen wissen, was für eine bemerkenswerte Bildparade auf Zelluloid gebannt wurde. Beispiel gefällig?
Nachdem Tron 1982 in den USA die Kinos durchlaufen hatte, konnte er gerade einmal das Doppelte seines Budgets einspielen. Schuld dran war vielleicht ein Außerirdischer, der unbedingt nach Hause telefonischen wollte. Schuld dran war vielleicht der Umstand, dass ein Großteil der Filmhandlung in den virtuellen Welten eines Computers spielte... bevor Begriff wie "Internet" oder "Cyberspace" überhaupt in den Wordschatz von Nicht-Nerds aufgenommen wurden. Und vielleicht war auch der Umstand Schuld, dass die Handlung eher märchenhafte Züge hatte und vom (ewigen) Kampf gegen Gut und Böse und Freiheit gegen Unterdrückung berichtete.
Und trotzdem gibt es kaum einen wahren Nerd um die 30, der nicht glänzende Augen bekommt, wenn jemand das Wort "Tron" benutzt. Steht der Film doch für eine Vision. Nämlich die, dass es eines Tages eine künstliche Welt geben wird, in der das Filmische zur Wirklichkeit wird.
Verständlich, dass meine Erwartungen groß waren, als nach fast zwanzig Jahren eine Fortsetzung durch die Kino rasen sollte. Was sollte dabei schief gehen? Denn während der erste Teil noch mit filmtechnischen Tricks arbeiten mußte, würde der zweite Teil aus dem vollen Angebot an state-of-the-arts-Computer-Tricks schöpfen können.
Jetzt, da ich Tron: Legacy gesehen habe, muss ich leider sagen:
Eine ganze Menge.
Um eines vorweg zu sagen: Die Spezialeffekte enttäuschen nicht. Denn die künstliche Spielewelt, in welche es Sam Flynn (leider eher blass: Garrett Hedlund), den Sohn Kevin Flynns, des Hauptdarstellers aus Teil eins (mit ziemlichem "Dude"-Charme: Jeff Bridges), verschlägt macht optisch einiges her. Leider nutzen sich die schwarz-weiß-neon Kulissen rascher ab als zwei Partien Speederbike-Rennen dauern. Denn nach zwanzig Jahren hat die Zielgruppe in anderen virtuellen Welten einige ganze Menge Abwechslung gesehen und erlebt. Auch wenn diese Design-Entscheidung für stylische und unverwechselbare Outfits und Locations sorgt, sehnt sich das Auge des Betrachters schon bald nach mehr. Der erste Teil vermittelte durch weniger Effekte jedenfalls eine buntere und dennoch geschlossene Welt.
Zudem haben - zumindest bei meinem Kinobesuch - die sehr kontrastreichen, weil tiefschwarzen und blendend weiße Filmbilder für eine fast schmerzhafte Erfahrung etlicher Beteiligter geführt. Und mir wird in der Regel weder von Wackelkameras schlecht noch nervt mich 3D. Aber nach Tron: Legacy hatte ich Sehnsucht nach einem kalten Waschlappen für meine wunden Augen. Ein hoffentlich einmaliges Erlebnis, dass sich aber dumpf auf meinen Filmspaß legte.
Aber auch im objektiven Bereich gerät der Motor des Films ins Stocken. Denn erhebliche Stroy-Lags sorgen recht bald dafür, dass sich der Zuschauer eine Frage stellt, die jeden VR-Plot zum Kippen bringen kann: "Warum sollte ich mich um eine virtuelle Welt sorgen, wenn diese die reale Welt nicht beeinflußt?".
Zwar behauptet der Film recht kühn, dass der "Bösewicht" aus dem Grid entkommen könnte, aber eine wirklich nachvollziehbare Erklärung bleibt er dafür schuldig. Und das gesamte Vorgeplänkel des Films, in dem Sam als Erbe des Firmenimperiums, die Pläne des gierigen Firmenvorstandes torpediert, verpufft wirkungslos. Denn Sam kämpft nicht etwa um den Erhalt der Firma seines Vaters, sondern nur mit seinem angeschlagenen Ego, weil Papa ihn im Stich gelassen hat und auf rätselhafte Weise verschwunden ist. Aber auch die Rückkehr des verschwundenen Vaters ist für die Außenwelt ohne Bedeutung. Und das "böse" Computerprogramm, das die V-World zu einer Game-Diktatur gemacht hat, strebt eher zufällig nach der Weltherrschaft, weil es Schwierigkeiten hat, den Ansprüchen an die von seinem Schöpfer gewünschte Perfektion gerecht zu werden.
Tatsächlich wirkt die Handlung mehr wie eine Aneinanderreihung von Level-Missionszielen, denn wie die durchdachte eines Spielfilms. Da war der erste Teil zwar insgesamt schlichter, dafür behielt er seine Prämissen und die Motive seiner Figuren stets im Auge. Im Nachfolger wird in einer Nebenhandlung eine merkwürdiges, machtvolles Volk aus "den Tiefen des Grid" ausgelöscht, ohne dass dies zu mehr als der Einführung einer Figur dienen würde (und der ungelösten Frage, wie zu Hölle Clu - das "fiese" Programm, eigentlich Perfektion definiert).
Wenn ich es recht bedenke, war vielleicht eher der Plot für meine Schmerzen verantwortlich.
Über die Plotaussetzer können zwar weder die atmosphärisch-scifi-klangweltliche Filmmusik von Daft Punk noch die wirklich gelungenden Fetisch-Neon-Outfits (die in anderen Welten wie etwa Second Life längst etliche Designer inspiriert haben) gänzlich hinweghovern, aber wenigstens bewahren sie den Film vor einem Totalschaden. Der Soundtrack funktioniert jedenfalls unabhängig vom Film ganz wunderbar und falls jemand die Klamotten in Serie zum einem bezahlbaren Preis produzieren und an meine verdrehte Größe (btw: 102 oder 56 L) denken sollte, könnte ich mich durchaus damit anfreuden, damit mal shoppen oder tanzen zu gehen (was ich im Second Life tatsächlich schon gemacht habe, ist aber eine andere Geschichte).
Verkratzt, verbeutelt und vertront durch's Ziel zu kommen, ist zwar nicht schlecht.
Aber der Kultfilm und der Film, der die Vision weiterträgt, bleibt wohl eher der erste Teil...
Code Delphi. Hier aufhören.
Manche Filme sind von ihren Ideen, ihrer Botschaft, ihrem Design oder ihren Ansprüchen ihrer Zeit soweit voraus, dass erst nachfolgende Generationen von Zuschauern richtig zu würdigen wissen, was für eine bemerkenswerte Bildparade auf Zelluloid gebannt wurde. Beispiel gefällig?
Nachdem Tron 1982 in den USA die Kinos durchlaufen hatte, konnte er gerade einmal das Doppelte seines Budgets einspielen. Schuld dran war vielleicht ein Außerirdischer, der unbedingt nach Hause telefonischen wollte. Schuld dran war vielleicht der Umstand, dass ein Großteil der Filmhandlung in den virtuellen Welten eines Computers spielte... bevor Begriff wie "Internet" oder "Cyberspace" überhaupt in den Wordschatz von Nicht-Nerds aufgenommen wurden. Und vielleicht war auch der Umstand Schuld, dass die Handlung eher märchenhafte Züge hatte und vom (ewigen) Kampf gegen Gut und Böse und Freiheit gegen Unterdrückung berichtete.
Und trotzdem gibt es kaum einen wahren Nerd um die 30, der nicht glänzende Augen bekommt, wenn jemand das Wort "Tron" benutzt. Steht der Film doch für eine Vision. Nämlich die, dass es eines Tages eine künstliche Welt geben wird, in der das Filmische zur Wirklichkeit wird.
Verständlich, dass meine Erwartungen groß waren, als nach fast zwanzig Jahren eine Fortsetzung durch die Kino rasen sollte. Was sollte dabei schief gehen? Denn während der erste Teil noch mit filmtechnischen Tricks arbeiten mußte, würde der zweite Teil aus dem vollen Angebot an state-of-the-arts-Computer-Tricks schöpfen können.
Jetzt, da ich Tron: Legacy gesehen habe, muss ich leider sagen:
Eine ganze Menge.
Um eines vorweg zu sagen: Die Spezialeffekte enttäuschen nicht. Denn die künstliche Spielewelt, in welche es Sam Flynn (leider eher blass: Garrett Hedlund), den Sohn Kevin Flynns, des Hauptdarstellers aus Teil eins (mit ziemlichem "Dude"-Charme: Jeff Bridges), verschlägt macht optisch einiges her. Leider nutzen sich die schwarz-weiß-neon Kulissen rascher ab als zwei Partien Speederbike-Rennen dauern. Denn nach zwanzig Jahren hat die Zielgruppe in anderen virtuellen Welten einige ganze Menge Abwechslung gesehen und erlebt. Auch wenn diese Design-Entscheidung für stylische und unverwechselbare Outfits und Locations sorgt, sehnt sich das Auge des Betrachters schon bald nach mehr. Der erste Teil vermittelte durch weniger Effekte jedenfalls eine buntere und dennoch geschlossene Welt.
Zudem haben - zumindest bei meinem Kinobesuch - die sehr kontrastreichen, weil tiefschwarzen und blendend weiße Filmbilder für eine fast schmerzhafte Erfahrung etlicher Beteiligter geführt. Und mir wird in der Regel weder von Wackelkameras schlecht noch nervt mich 3D. Aber nach Tron: Legacy hatte ich Sehnsucht nach einem kalten Waschlappen für meine wunden Augen. Ein hoffentlich einmaliges Erlebnis, dass sich aber dumpf auf meinen Filmspaß legte.
Aber auch im objektiven Bereich gerät der Motor des Films ins Stocken. Denn erhebliche Stroy-Lags sorgen recht bald dafür, dass sich der Zuschauer eine Frage stellt, die jeden VR-Plot zum Kippen bringen kann: "Warum sollte ich mich um eine virtuelle Welt sorgen, wenn diese die reale Welt nicht beeinflußt?".
Zwar behauptet der Film recht kühn, dass der "Bösewicht" aus dem Grid entkommen könnte, aber eine wirklich nachvollziehbare Erklärung bleibt er dafür schuldig. Und das gesamte Vorgeplänkel des Films, in dem Sam als Erbe des Firmenimperiums, die Pläne des gierigen Firmenvorstandes torpediert, verpufft wirkungslos. Denn Sam kämpft nicht etwa um den Erhalt der Firma seines Vaters, sondern nur mit seinem angeschlagenen Ego, weil Papa ihn im Stich gelassen hat und auf rätselhafte Weise verschwunden ist. Aber auch die Rückkehr des verschwundenen Vaters ist für die Außenwelt ohne Bedeutung. Und das "böse" Computerprogramm, das die V-World zu einer Game-Diktatur gemacht hat, strebt eher zufällig nach der Weltherrschaft, weil es Schwierigkeiten hat, den Ansprüchen an die von seinem Schöpfer gewünschte Perfektion gerecht zu werden.
Tatsächlich wirkt die Handlung mehr wie eine Aneinanderreihung von Level-Missionszielen, denn wie die durchdachte eines Spielfilms. Da war der erste Teil zwar insgesamt schlichter, dafür behielt er seine Prämissen und die Motive seiner Figuren stets im Auge. Im Nachfolger wird in einer Nebenhandlung eine merkwürdiges, machtvolles Volk aus "den Tiefen des Grid" ausgelöscht, ohne dass dies zu mehr als der Einführung einer Figur dienen würde (und der ungelösten Frage, wie zu Hölle Clu - das "fiese" Programm, eigentlich Perfektion definiert).
Wenn ich es recht bedenke, war vielleicht eher der Plot für meine Schmerzen verantwortlich.
Über die Plotaussetzer können zwar weder die atmosphärisch-scifi-klangweltliche Filmmusik von Daft Punk noch die wirklich gelungenden Fetisch-Neon-Outfits (die in anderen Welten wie etwa Second Life längst etliche Designer inspiriert haben) gänzlich hinweghovern, aber wenigstens bewahren sie den Film vor einem Totalschaden. Der Soundtrack funktioniert jedenfalls unabhängig vom Film ganz wunderbar und falls jemand die Klamotten in Serie zum einem bezahlbaren Preis produzieren und an meine verdrehte Größe (btw: 102 oder 56 L) denken sollte, könnte ich mich durchaus damit anfreuden, damit mal shoppen oder tanzen zu gehen (was ich im Second Life tatsächlich schon gemacht habe, ist aber eine andere Geschichte).
Verkratzt, verbeutelt und vertront durch's Ziel zu kommen, ist zwar nicht schlecht.
Aber der Kultfilm und der Film, der die Vision weiterträgt, bleibt wohl eher der erste Teil...
Code Delphi. Hier aufhören.
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